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Frankfurt: Julia, die Ehefrau des Investmentbankers Andreas Mersfeld, sitzt seit dem Unfalltod ihres gemeinsamen Sohnes mit Depressionen und suizidgefährdet in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Klinik... und obwohl sich ihr Zustand laut Klinikleiter Dr. Heinrich Merlow gebessert haben soll, begeht sie ganz überraschend dem Anschein nach Selbstmord, indem sie sich mit ihrem Bettlaken erhängt. Julias Freundin und Zimmergenossin Sarah - bei der es sich zudem auch um Merlows Ehefrau handelt - schlägt darauf hin, nachdem ihr die Flucht aus der Anstalt gelungen ist, bei Andreas auf und beschuldigt ihren Mann, an der Verstorbenen ein bislang noch nicht zugelassenes Medikament ausgetestet zu haben. Merlow hingegen warnt Andreas vor, dass seiner ausgebüchsten besseren Hälfte nicht zu trauen ist, denn diese leide unter einer gespaltenen Persönlichkeit und sei eine zwanghafte Lügnerin. Um der Angelegenheit auf den Grund zu gehen - und einen anstehenden Milliarden-Deal bezüglich des Pharma-Konzerns, der das besagte Medikament entwickelt hat, unter Dach und Fach zu bringen - stellt Andreas eigene Nachforschungen an und findet heraus, dass einige Probanden einer unterschlagenen Test-Reihe im Vorfeld der Zulassung ebenfalls Selbstmord begangen haben. Hat das Antidepressivum etwa den genau gegenteiligen Effekt...? Ziemlich lange ist es her, dass Nico Hofmann mit seinem "Der Sandmann" gezeigt hat, dass es hierzulande auch Made-for-TV-Psychothriller gibt, die mal durch die Bank überzeugen können und sogar einigen Kino-Exemplaren ihrer Gattung aus Hollywood 'ne lange Nase drehen... weswegen man sich seitdem durch so manches biedere Fernsehfilmchen gequält hat, in der Hoffnung, dabei zufällig mal auf eines zu stoßen, das da mithalten kann. Nun ja, bei dem ziemlich irreführend betitelten "Lautlose Morde", einer deutsch-österreichischen Co-Produktion zwischen dem ZDF und dem ORF von 2010, ist man da aber mal echt an der falschen Adresse, denn hier hat man es doch genau mit der Sorte von banalem und gänzlich spannungslosem TV-"Entertainment" zu tun, das nur Langeweile verbreitet und bei dem man den vergeudeten Rundfunkgebühren nachtrauert. Die Ausgangslage der Handlung mag da zwar noch durchaus genregerecht sein, jedoch treten die reinen Thriller-Aspekte bald schon in den Hintergrund und Regisseur Jörg Grünler ackert sich da förmlich durch reine Drama-Gefilde, bei denen es einem sogar schwer fällt, das Ganze noch irgendwie guten Gewissens als "Krimi" zu titulieren. Unkoschere Machenschaften rund um die anstehende Medikamenten-Zulassung stehen da bald schon im Mittelpunkt des Interesses, während sich das Drehbuch zunehmend in unglaubwürdigen Details verrennt (die Ehefrau des Chefs als Insassin in der eigenen Klinik? Na ja...). Formal macht das Ganze mit seiner pseudo-dynamischen Kameraführung, der es allerdings auch nicht gelingt, den üblichen TV-Mief zu vertreiben, und einem bisweilen abgehackt daherkommenden Schnitt, der hin und wieder den Eindruck erweckt, man hätte den Streifen mit der Heckenschere zusammenmontiert, auch mal eben fast garnichts her, denn die gewollt mondänen Bilder sind nichtssagend und mit so gut wie jedem anderen Fernsehfilm dieser Sorte austauschbar. Da hilft es dann auch nicht mehr weiter, dass "Lautlose Morde" von seinen Hauptdarstellern Fritz Karl und Jessica Schwarz zumindest engagiert gespielt ist. Fazit: Allenfalls als Einschlafhilfe brauchbar.

3/10

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