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Fatbelly - Chopper ... Unchopped

Die Sonnenbrille im coolen Stone-Face, den Körper übersät mit Tattoos, in jeder Hand 'ne Knarre, eine weitere im Hosenbund - so posiert das Arschloch für die Ewigkeit. Ein bulliger Soziopath, berauscht von der eigenen Gefährlichkeit. Mark “Chopper” Read ist der wohl gefährlichste Verbrecher Australiens. 23 Jahre verbrachte er hinter Gittern, 10 Jahre davon in Einzelhaft. Die harte ungeschminkte Wahrheit über das Leben von Mark "Chopper" Read, erzählt in seinen eigenen Worten. In diesem Dokumentarfilm schildert Mark oftmals brutal ehrlich Geschichten von Gewalt, Blut, Liebe und Überleben im Gefängnis. Von psychiatrischen Kliniken bis zur berüchtigten H-Abteilung des Pentridge Gefängnis.

"Fatbelly" handelt vom Leben des australischen Verbrechers Mark "Chopper" Read - erzählt von ihm selbst. Die beiden Regisseure Damon Cameron und Steven Lund haben ihn einige Zeit lang begleitet und Interviews mit ihm geführt. Diese wurden hier zusammengeschnitten und mit Archivmaterial hinterlegt.
Schon auf dem Cover wirbt die DVD mit dem Spruch "zu hart für die deutsche Zensur". Prinzipiell ist dies bekanntermaßen nichts Ungewöhnliches, denn selbst "Mexican Werewolf" war zu hart für die deutsche Zensur. Im Falle von "Fatbelly" sieht es aber dann doch etwas anders aus, denn obgleich man keine Tatortfotos von seinen teils gefolterten Opfern sieht, so bleiben seine Aussagen unkommentiert im Raum stehen und was er teilweise rauslässt, ist natürlich schwer menschenverachtend.
Als eine richtige Biografie kann man es nicht bezeichnen (der Off-Sprecher sagt sogar schon am Anfang, dass man es nicht als solche ansehen darf), denn dazu fehlt einfach der chronologische rote Faden. Mark Read erzählt einfach einen 70 minütigen Schwank aus seinem Leben, der für meine Begriffe recht grobschlächtig zusammengeschnitten wurde. Investigativen Fragen, bzw. Fragen nach seinen Beweggründen weicht er meistens aus und nutzt die Zeit eher dafür, detailliert über Morde oder Angriffe gegen Mithäftlinge zu schildern.
Dass das in den Augen der FSK oder SPIO (je nachdem wem der Film für eine Freigabe vorgelegt wurde) zuviel war, kann ich schon nachvollziehen. Denn man könnte den Streifen schon als eine einzige Steilvorlage für den Verbrecher Mark Read ansehen, da man ihn einfach frei von der Schnauze weg hat reden lassen, und er munter seine Opfer verhöhnt oder seine Ansichten zum Besten geben darf.
Für mich, als jemand der in der Lage ist, solche Aussagen einzuordnen, ist das keine schlimme Sache und als "Charakterstudie" eines Mörders taugt der Film wirklich. Jedoch komme ich nicht umhin zu glauben, dass es Read hier etwas zu einfach gemacht wurde, seine Weltanschauungen deutlich zu machen. Ich hätte mir dann doch mehr kritische Fragen gewünscht bzw. allgemeine Informationen, was er denn so alles angestellt hat. Man erfährt zwar, wie er eine x-beliebige Person mit einem Spaten zerlegt oder einen Mithäftling zu Brei geschlagen hat, aber eine für das Verständnis hilfreiche Vita wäre hier noch besser gewesen.
Außerdem lässt dich Read gerne zu "lebensphilosophischen" Aussagen hinreißen und er bringt Namen mit rein, mit denen ich überhaupt nichts anzufangen weiß. Da werden dann irgendwelche "Big D.s" erwähnt, aber die Hintergrundinfo, wer das denn ist, bleibt aus.

"Fatbelly" ist ein durchaus interessanter Einblick in die Weltansichten einer der gefährlichsten und meistgeführchtetsten Verbrecher Australiens. Man lässt in über 70 Minuten lediglich den Verbrecher selbst, nämlich Mark "Chopper" Read, zu Wort kommen und verzichtet weitestgehend auf sämtliche Zusatzinformationen. Als Biografie ist der Film nicht zu gebrauchen, denn nach dem Anschauen ist man in Bezug auf Mark Read nicht wirklich schlauer. Es ist mehr eine Art einseitige Lebensreflexion von ihm, was natürlich auch einige harte, respektlose und zweifelhafte Äußerungen zur Folge hat. Interessant, obgleich auch nicht perfekt.

7/10

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