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Nachdem Cannon seine Pforten für immer schloss und Global Pictures nicht mehr als eine kurzlebige, finanzschwache Alternative darstellte, beschloss Michael Dudikoffs Ziehvater Sam Firstenberg („American Ninja“, „Avenging Force“), bekanntermaßen sattelfest in Sachen Ninja, seinen Arbeitgeber zu wechseln und bei der seinerzeit aufstrebenden B-Action-Firma Nu Image anzuheuern. Seine berufliche Neuorientierung führte ihn gleich zu einer neuen Fachrichtung – den Cyborgs.
Mit seinem dortigen Debüt „Cyborg Cop“ legte er den Grundstein für eine recht vergnügliche Trilogie, die ihr Niveau beibehalten konnte und damit eine der wenigen B-Action-Reihen darstellt, die man ausfallfrei goutieren kann.

Martial Arts – Ass David Bradley („American Ninja 3: Blood Hunt“, „American Samurai“), an und für sich eine ausgewiesene Talentwüste und damals schon mit weniger brauchbaren Produktionen vorbelastet, verbrüdert sich hier mit Frank Zagarinos Urlaubsvertretung Todd Jensen („Never Say Die“, „Orion's Key“). Zusammen bilden sie ein unschlagbares Duo der DEA, bis sie einen riesigen Klops schießen, als sie den Sohn eines einflussreichen Verlagschefs während einer Geiselnahme in Notwehr über den Haufen ballern. Der setzt prompt seine gesamte Journalistenmeute auf die beiden an, um ihnen Druck unter dem Allerwertesten zu machen. Bei Jack (Bradley) funktioniert das auch ganz gut. Er verabschiedet sich vom aktiven Dienst.
Bruder Phillip bleibt dagegen am Ball und jettet seinem nächsten Auftrag entgegen. Auf einer Karibikinsel soll er die obskuren Machenschaften des zwielichtigen Schmierlappens Kessel (over the top: John Rhys-Davies, „The Lord of the Rings“, „Raiders of the Lost Ark“) unter die Lupe nehmen, tappt mitsamt Team in einen Hinterhalt und muss am eigenen Leib erfahren, dass Kessel vor Ort Menschenmaterial braucht, um willenlose Cyborg-Killer zu züchten, die dank diverser technischer Modifikationen nahezu unzerstörbar sind. Die hörigen Sklaven werden nach einer Demonstrationsvorführung an den Meistbietenden verhökert. Als Jack sich beginnt Sorgen zu machen und Phillips Vorgesetzte wenig Kooperationsbereitschaft an den Tag legen, reist er hinterher, um den Verbleib seines Bruders zu überprüfen.

„Cyborg Cop“ gehört, ebenso wie seine beiden Sequels, zu Nu Images Glanzzeiten, als großzügige Budgets unterhaltsame Filme garantierten. Firstenberg, ohnehin kein Mensch von Trauer, hat zwar mit einigen strunzdoofen Dialogen und der hanebüchenen Story zu kämpfen, kredenzt dafür aber einige wirklich sehenswerte Action-Szenarien mit etlichen Explosionen, spektakulären Stunts und blutigen Shootouts. Auch wenn das Gezeigte aufgrund der Darstellungsweise bisweilen unfreiwillig komisch anmutet, wird sich der Genrefan die Finger danach lecken. Speziell der Hinterhalt und das Finale sind großartig ausufernder Budenzauber mit entsprechendem Bodycount.

Weit weniger erfreulich ist dagegen der alberne Humor, der nicht so recht zur Geschichte passt, und die nervige Journalistin Cathy (Alonna Shaw, „Double Impact“) als obligatorischer Sidekick, der sich auf Stichwort nach einer knappen Stunde von Bradley nageln lässt, ansonsten aber nur ein paar Screwball-Elemente einbringen soll.
Bradley selbst schlägt sich ganz tapfer, hat darüber hinaus schauspielerisch Fortschritte gemacht und darf ein paar Oneliner knurren, glänzt aber eigentlich nur wenn das Drehbuch seine Martial Arts – Fähigkeiten abruft, was durchaus öfter passieren hätte dürfen. Nu Images Inventar Todd Jensen, muss dagegen meistens emotionslos sein und bekommt das erwartend gut hin, während John Rhys-Davies mit Spaß bei der Sache den überkandidelten Oberbösewicht ausgibt, als hätte er sein Leben lang nur auf diese eine Rolle gewartet.

Ansonsten muss man der Produktion zugestehen, dass die Liebe zum Detail und Südafrika als Kulisse dem geneigten Zuschauer davon zu überzeugen vermag, dass hier nicht nur möglichst kostengünstig und kurzfristig inszeniert werden sollte. Im Gegensatz zu den schäbigen Ostblock-Kulissen, die das Genre erst Jahre später heimsuchten, versorgen die afrikanischen Schauplätze den B-Actioner mit einer Prise Exotik und übertünchen damit einige Schwächen des Skripts.
Die natürlich hoffnungslos veralteten Spezialeffekte, vor allem hinsichtlich der Cyborgs, die spartanische Einrichtung der futuristisch anmutenden Labore und die limitierte Anzahl von Schauplätzen können sich erwartunsgemäß nicht mit Großproduktionen messen, behalten aber ihren Charme.

Die üblichen Klischees werden übrigens ganz zwangslos in aller Ausführlichkeit gepflegt und stören dabei nicht, weil Firstenberg sie mit einem gewissen Hang zur Selbstironie zelebriert, ohne ständig direkt auf Lacher abzuzielen, den eingeweihten Genrefans aber verschmitzt zuzwinkert. Diese Veranlagung spielt sich genauso in einigen Dialogen wieder. Auch ein Grund, warum Firstenberg jahrelang zu den besten Filmemachern in seinem Geschäft gehörte. Das weitaus bedeutendere Argument ist jedoch seine einmal mehr tadellose Regie, die sich insbesondere durch eine klar überdurchschnittliche Kameraarbeit auszeichnet, die im Finale ihren Höhepunkt findet, wenn David Bradley auf Arnold Schwarzeneggers Spuren wandelt und im Alleingang mit einem Rucksack voller Überraschungen auf Kessels Anwesen den Bodycount nach oben schraubt, auf einem Motorrad durch die Anlage düst und den letzten Cyborg schwindelig fährt.

Trotz einer geballten Ladung idiotischer Randerscheinungen und diverser skriptbedingter Durchhänger, die weitestgehend mit ordentlichen Actionszenen als Lückenfüller gestopft werden, bewahrt sich „Cyborg Cop“ sein Unterhaltungsniveau meistens, ohne in totale Kurzweiligkeit zu verfallen. Aber das kann ohnehin kaum eine Nu Image – Produktion von sich behaupten. Dagegen überzeugt der speziell zum Ende hin doch ziemlich rabiat ansteigende Härtegrad mit einigen fiesen Extras.
Das bekannte Grundschema wird dabei mal wieder kaum variiert, höchstens die Motive ausgetauscht. Bradley braucht eben ein wenig Zeit, um des Pudels Kern zu entdecken,um so dem Film seine minimale Laufzeit zu gewährleisten und in durchschnittlich choreographierten Fights ein paar Handlangern zu zeigen, was eine Harke ist.


Fazit:
Sam Firstenberg feiert mit „Cyborg Cop“ einen gelungenen Einstand bei Nu Image, der sich wie üblich bei Genrereferenzen wie „Robocop“ und „The Terminator“ inspirieren lässt. Die Effekte, durchaus auch splattriger Natur, mindestens zwei richtig gute und ein halbes Dutzend noch brauchbare Actionszenarien, sowie eine ordentliche Portion nicht immer treffsicherer Humoreinlagen halten den passionierten Genrefan bei Laune, während man genrebedingt von der Story nicht allzu viel erwarten sollte. Ein Fan von David Bradley werde ich nicht mehr, er zieht sich hier jedoch ganz solide aus der Affäre, während seine Kollegen mitunter ganz schön nerven können. Weil Südafrika als unverbrauchter Schauplatz einen passenden Eindruck hinterlässt, der Film sich nicht zu ernst nimmt und man der Produktion anmerkt, dass die Crew Leidenschaft investiert hat, springt letztlich eine Empfehlung für B-Action-Fans heraus. Das erste Sequel, ebenfalls von Firstenberg & Bradley, sollte wenig später an diese Leistung anknüpfen.

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