Regisseur Sam Firstenberg hatte nie wirklich große Budgets zur Verfügung. Seine größten Erfolge feierte er mit seinem Spezi Michael Dudikoff und seinen „American Fighter“-Filmen. Das „Geheimnis“ dieser Filme war, dass Firstenberg trotz geringer Budgets es schaffte, dass seine Filme nicht billig aussehen. So wurde vor schöner Kulisse aber mit einfachen Mitteln gekämpft. Dazu passte auch die verwendete und zu diesem Zeitpunkt angesagte Ninja-Thematik, die viel möglich machte, trotz begrenzter Mittel. Anfang der 90’er Jahre war es dann Essig mit Ninjas. Der B-Film-Sektor hatte ein neues Steckenpferd: den Cyborg. Wesen, die halb Mensch, halb Maschine waren. So enstanden in dieser Zeit mal mehr (z.B. „Nemesis“), mal weniger gelungene („Nemesis 2“) B-Filme, die allesamt wie der sehr kleine Bruder eines Terminators wirkten. Auch der eingangs genannte Firstenberg schwenkte von seinem Ninja-Steckenpferd auf die kybernetische Art des Actionfilms um.
Heraus kam „Cyborg Cop“, für diesen Film verpflichtete er einen alten Bekannten: David Bradley, der schon Michael Dudikoff in den „American Fighter“-Filmen beerbt hatte. Verlegt wurde die Handlung Firstenberg-typisch in sonnige Gefilde, genauer gesagt die Karibik. Die Sets überzeugen durch schöne Kulissen und fühlen sich ansonsten für den geneigten Betrachter an, wie ein Lieblingsturnschuh: ausgelatscht, aber irgendwie bequem. Die Story ist B-typisch hanebüchen, was aber kein Hinderungsgrund für einen soliden B-Actioner ist (sondern schon eher fast die Voraussetzung). Mit John Rhys-Davies ist sogar ein richtiger Schauspieler an Bord, der mit seiner Anwesenheit einige Szenen adelt, obwohl er fürchterlich chargiert. Warum er dennoch positiv auffällt, ist einer der Schwachpunkte des Filmes: die Darsteller sind zum Teil grottig schlecht. Natürlich erwartet niemand glanzvolle Charakterzeichnungen inklusive innerem Konflikt bei einem Film, der „Cyborg Cop“ heißt, doch eine gewisse Grenze sollten die Schauspieler nicht unterschreiten. Damit ist noch nicht einmal Bradley gemeint, der mit seinem sturem Gesichtsausdruck zwischen Ballerei und Balgerei nichts verkehrt machen kann. Betrachtet man allerdings die Leistung von Alonna Shaw, die den weiblichen Sidekick Bradley darstellt, dann wird dem geneigten Betrachter ganz anders, denn selbst in „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ wird besser geschauspielert. Zusammen mit furchtbar hohlen Dialogen ist ihre Screentime ein einziges Ärgernis. Leistungen dieses „Kalibers“ werden noch von einigen anderen Darstellern geliefert, fallen aber bei weitem nicht so ins Gewicht.
Die Action ist Firstenberg-typisch gelungen und entspricht gehobenem B-Niveau. Wenn allerdings die Cyborgs ins Bild kommen wird der durchaus gute Eindruck wieder zunichte gemacht. Tumbe, geschminkte Männer kloppen sich mit Schaumgummiarmen und-beinen. Wo Firstenberg die Falle des kleinen Budgets in seinen „American Fighter“-Filmen umschifft hatte, tappt er hier voll rein. Ohne die Cyborgs wäre die Action und somit der Film durchaus annehmbar, mit ihnen hingegen wirkt er stellenweise lächerlich. Für einen Actioner dieser Art, der sich schon traditionell ernst nimmt, ist dies ein Todesurteil. Die Shootouts sind ansonsten dynamisch und blutig inszeniert, es rummst mal hier, mal da und das Setting lässt das Gezeigte noch etwas besser aussehen. Da der Film von seiner Prämisse her Cyborg-Action bieten muss, kann man Firstenberg in dieser Hinsicht nicht allzuviele Vorwürfe machen. Dennoch wünscht man sich an den besagten Stellen, dass es der werte Herr Bradley wieder mit Ninjas zu tun hat, anstatt mit tumben Technoschergen.
Alles in allem hat man es mit „Cyborg Cop“ aus den besagten Gründen nicht mit einer B-Perle zu tun (wie z.B. „Chain of Command“ mit Michael Dudikoff), sondern eher mit einem Produkt seiner Zeit, das mittlerweile stellenweise hoffnungslos veraltet und naiv wirkt. Wen das alles nicht schockt, sondern den Unterhaltungswert in der Robo-Thematik sieht und ansonsten nostalgisch bei der handgemachten Action mit der Zunge schnalzt, der wird sich amüsieren. Unterhaltsam ist „Cyborg Cop“ allemal. Dennoch:
Fazit:
4 / 10