Cyborg Cop
Einleitung:
Cyborg Cop ist wieder einer dieser herrlichen Nu Image-Actioner, die nicht hinterfragt werden wollen, sondern einfach Spaß machen sollen. Dieser Satz birgt zwei Actionfilmgrundsätze, die nur in ihrer Symbiose fruchten.
Man kann daraus auch eine Formel bilden:
Hirn aus x Gute Action = Spaß
oder
Faktor 1 x Faktor 2 = ?
Fehlt uns einer der Faktoren, ist das Ergebnis sicherlich unbefriedigend.
Faktor 1 zu bestimmen fällt Männern leicht. Eben dieser Faktor macht es Frauen so schwierig, sich für Actionfilme zu begeistern. Denn die Kunst ist es, nicht über das gesehene nachzudenken. Meine Erfahrung ist: Frauen denken immer nach!
Faktor 2 hängt dann vom Film ab. Auch wenn man nicht nachdenkt, und die von ansprechender Action erzeugten visuellen Ströme vom Sehnerv direkt in Glückshormone umgewandelt werden, ohne den ernüchternden Umweg über das Gehirn zu nehmen, bedeutet das nicht, dass der Film Spaß macht. Denn viele Filme können einfach keine ansprechende Action vorweisen.
? ist dann das Ergebnis und somit der Grund, warum wir einen B-Actionfilm wie Cyborg Cop überhaupt gucken.
DVD-Cover:
Jack Ryan (David Bradley) erhält von seinem Bruder Phillip, der sich auf der Karibikinsel St. Keith aufhält, einen mysteriösen Hilferuf. Entgegen aller Warnungen entschließt er sich, seinem Bruder zu Hilfe zu kommen.
Was er nich weiß: Sein Bruder wurde zum Objekt des wahnsinnigen Wissenschaftlers Kessel (John Rhys-Davies), der Menschen in High-Tech-Cyborgs, die auf Kommando töten, umgewandelt. Für Jack beginnt ein gnadenloser Kampf gegen die Cyborgs…
Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Eine vernünftige, informative Inhaltsangabe, die nicht zuviel verrät und keine falschen Versprechungen macht.
Dem Cyborg Cop Regisseur Sam Firstenberg gelingt zu Anfang eine recht spannende Szene, in dem er die Polizistenbrüder Jack und Phillip einführt. Dies macht er wie es sich für das Genre gehört, in einer Schießerei. Die Beiden stehen nämlich alleine einem Geiselnehmer gegenüber, welcher droht seine Geisel zu erschießen. Während Phillip als eher umsichtig gezeichnet wird, weil er auf Verstärkung warten will, lädt der draufgängerische Jack schon mal seine Waffe mit illegaler Munition, und schießt unter großem Protest seines Bruders den Verbrecher einfach über den Haufen. Da die Presse dies mitbekommt, scheidet Jack aus dem Dienst. Diese Charakterisierung Phillips spielt natürlich keine Rolle für den weiteren Verlauf des Films, da er kurze Zeit später in einen seelenlosen Cyborg verwandelt wird.
Phillip macht sich einige Zeit später zur besagten Insel auf, weil er dort Drogenschmuggel vermutet. Hier folgt dann eine gehörige Menge an Faktor 1-Szenen, die bei mir stetiges Kopfschütteln hervorriefen. Mir war jedoch bewusst, dass diese Szenen Wegbereiter für die erste große Actionszene des Filmes waren.
Zwei Helikopter fliegen über einen Fluss zum Treffpunkt. Dort angekommen springen die Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos aus diesen heraus, in den Fluss und klettern dann in das Boot von Phillip, der dort schon wartet. Fragt sich nur, warum nicht alle direkt mit dem Boot gekommen sind. Anschleichen geht anders. Auf dem Weg zur Drogenfarm gibt es dann gefühlte 100 Hinweise darauf, dass es sich um eine Falle handelt. Die werden Gott sei Dank alle ignoriert! So fügen sich Phillip und seine Männer dem Faktor 1-Prinzip und rennen voll in die ihnen gestellte Falle. (Also spätestens ab hier: Hirn aus)
Actionauswertung:
- Was dann in Minute 14 folgt, ist eine 3-minütige, schöne Schießerei mit reichlich Pyrotechnikeinsatz und ansprechenden Stunts. Diese endet mit einer abgeschlagenen Hand und der Gefangennahme von Phillip.
- Daraufhin muss sich der Zuschauer 10 Minuten gedulden, und bekommt eine kurze aber harte Kneipenschlägerei zu sehen.
- In Minute 34 folgt denn eine wiederum 3-minütige Verfolgungsjagd inklusive Schießerei und finaler Explosion.
- Kurze Zeit später wird ein Cyborg interessierten Käufern vorgestellt. Dieser präsentiert die Zerstörung einer Limousine und killt einen Wachmann mit einer finalen Goreszene.
- Das letzte Drittel wird mit einer kurzen Schlägerei, einer seichten Sexszene und einer moralisch sehr fragwürdigen Hinrichtung eingeläutet, die aber zugegebenermaßen sehr lustig ist.
- Die Minuten 63-65 bieten dann eine nette Schieß/Prügel-Kombination, in der wir lernen, dass Leichen keinen Schutz vor Maschinengewehrfeuer bieten.
- Der Showdown wird dann in Minute 78 eingeleitet. Es gibt 6 Minuten Krawall vom feinsten. Blutige Einschüsse, Explosionen am laufenden Band und gute Motorradstunts bieten abwechslungsreiche Action.
Eine Kurze Verschnaufpause.
- Dann geht's im Labor zur Sache und schließlich zeigt Jack dem Zuschauer noch wie man mit einem Motorrad einen Cyborg killt. (Alles in allem 3.5 Minuten)
- Ende -
Dies macht unterm Strich 24 Minuten Action auf ca. 90 Minuten Film. Für einen reinen Actionfilm also nicht sonderlich viel. 30 Minuten wären wünschenswert, um zumindest einen guten Mittelwert zu erreichen. Wenigstens ist das Gezeigte vernünftig verteilt und kombiniert. Motorradstunts, Autoverfolgungsjagdt, Schießereien, Explosionen und Prügel bieten eine vernünftige Abwechslung.
Zwischen den Actionszenen kommt der Humor aber auch nicht zu kurz, sodass sich der Zuschauer nicht langweilt. David Bradley ist für mich allerdings wieder der beste Beweis, dass auch die härteste Sau, mit Hüfttasche, einfach nur lächerlich aussieht. (Ich meine was hat er da drin? Lipgloss? Nagelknipser?)
John Rhys-Davies spielt den Bösewicht mit sichtlicher Freude, und spendiert dem Betrachter auch einige Lacher. So unterhält der Film auch, wenn gerade nichts in die Luft gesprengt wird.
Fazit:
Ein Film für zwischendurch, der gute Action bietet, aber nicht sonderlich viel davon. Wie bei allen Nu Image-Actionern nur in der Uncut-Fassung zu empfehlen.
6/10 Punkte