Hinter dem unausprechlichen Titel "Y tu mamá también" steht ein mexikanisches Teenie-Road-Movie, das seinen amerikanischen Genrekollegen haushoch überlegen ist.
Es geht um zwei 17-jährige Jungs, Tenoch und Julio, die in ihrer Heimatstadt Mexico-City das Leben ganz normaler Jugendlicher leben. Sex, Drogen, Partys und endlose Gespräche über das alles bestimmen ihren Alltag.
Nachdem die Freundinnen der beiden in Sommerurlaub nach Europa gefahren sind, machen die Jungs die Bekanntschaft mit der attraktiven Luisa, der angeheirateten Cousine von Tenoch. Diese entschließt sich, nachdem sie von den Seitensprüngen ihres Mannes genug hat, die Beiden auf einen Trip ans Meer zu begleiten. Die Fahrtzeit im Auto wird sich mit Kiffen, Flirten und Bettgeschichten vertrieben.
Bis zu diesem Punkt ist der Film nicht mehr als ein weitere Teenie-Klamotte, mit den üblichen "American Pie"-Zutaten. Doch dann verführt Luisa (die ihren pubertären Reisegefährten sowohl beim Alter als auch bei der sexuellen Erfahrung einiges Voraus hat) Tenoch und schläft mit ihm. Danach ist nichts mehr wie vorher.
"Y tu mamá también" ist ein Film über Freundschaft, Sex und vorallem das Erwachsenwerden. Tenoch und Julio werden mit Problemen konfrontiert, die sie bis dahin nicht kannten und die ihr Leben für immer verändern werden. Kann Freundschaft stärker sein als Eifersucht?
Warum kann man die schönen Momente im Leben nicht wiederholen?
Der Film ist vorallem für das europäische Publikum ziemlich ungewohnt. Die Namen, die Kulisse, die (für einen Jugendfilm) expliziten Sexszenen sorgen dafür, dass man eine Zeit lang braucht um sich diesem Film uneingeschränkt zu öffnen. Dazu kommen dann noch die etwas verstörenden Szenen, in denen der Ton komplett ausgeblendet wird und ein Off-Sprecher beinahe dokumentarische Kommentare zur aktuellen Situation, zur Vergangenheit oder Zukunft abgibt. Dieses Stilmittel wurde eingesetzt um die heitere Grundstimmung des Films immer mal wieder zu unterbrechen, denn der Sprecher hat meist düstere und tragische Nachrichten. Leider wird hier die Synchro-Stimme bald nervig.
Das größte Plus von "Y tu mamá también" sind eindeutig seine Hauptdarsteller. Die Darstellung von Tenoch und Julio ist wirklich hervorragend gelungen und es dürfte sich jeder Junge zumindest in gewissen Szenen an seine eigene Jugend erinnert fühlen. Dazu kommt die bezaubernde Luisa, deren Gefühle sich nicht zwischen der Trauer um die gescheiterte Ehe und der Faszination über die neugefundene Freiheit entscheiden können.
Richtig negativ fällt eigentlich nichts auf, doch wird so mancher, der eine flotte Teenieklamotte erwartet enttäuscht werden, denn "Y tu mamá también" belässt es nicht bei oberflächlicher Betrachtung und platten Gags sondern blickt hinter die Fassade der scheinbar unbeschwerten Jugend. Rundum gelungener Film aus Mexiko, dem bei uns leider kaum Beachtung geschenkt wurde.
8/10