Review

US-Soldat Bradley kehrt nach langem aktivem Wehrdienst (in Irak oder Afghanistan – beides dasselbe) nach Hause zu seiner Familie zurück. Doch der Krieg hat seine Zeichen hinterlassen. Nicht nur, dass Bradley an den Rollstuhl gefesselt ist und kränklich blass aussieht, auch sein Wesen scheint grundlegend verändert. Durch seine übernervöse, aggressive Art verängstigt er zunehmend alle Familienmitglieder. Bradley scheint das pure Böse aus dem Krieg mitgebracht zu haben…

Wer sich jemals fragt, was wohl Fred Vogel, das kranke Hirn hinter AUGUST UNDERGROUND und MORDUM, in letzter Zeit so treibt, bekommt hier die Antwort: SELLA TURCICA heißt sein jüngstes Werk, ist kein Found-Footage-Snuff-Porno wie seine bekannten Werke, sondern tatsächlich ein eingängiger Spielfilm mit Handlung, Dialogen, annehmbaren Darstellern und allem Pipapo. Zwar im Look ein relativ günstigen Low-Budget-Produktion, aber hey: für ein Budget von 20,000 Dollar ist der Streifen echt schmuck.
SELLA TURCICA – ursprünglich die medizinische Bezeichnung für einen Hypophysentumor – lässt sich viel Zeit mit dem Aufbauen der Charaktere und damit Bradleys Zustand, der sich zusehends verschlechtert, zu schildern. Erst wird er immer blasser, dann mault er den schwarzen Freund seiner Schwester barsch an, dann beginnt er aus dem Ohr zu bluten. Ein tief schürfendes Drama über traumatisierte Kriegsheimkehrer also…
…BAAH! Hab ich euch! Ja, als Antikriegs-Drama könnte man vielleicht Dreiviertel des Films betrachten, doch unser Spezi Fred Vogel wäre nicht Fred Vogel, wenn da nicht noch was kommen würde. Und in der Tat artet der Film in seiner letzten Viertelstunde noch in ein heilloses Blutbad aus, weil Bradley zur Blut spuckenden Killerbestie mutiert und aus seiner Familie Hackepeter macht, dass es nur so eine Freude ist. Also zumindest für den geneigten Gorehound. Ansonsten gibt’s in SELLA TURCICA nämlich nicht sonderlich viel zu lachen, ganz im Gegenteil sogar. Der Streifen ist durchwegs ernst und baut tatsächlich so etwas wie eine Grundstimmung und Atmosphäre auf, was im Low-Budget-Bereich ja beinahe einer kleinen Sensation gleichkommt.

Negativ an SELLA TURCICA ist seine Laufzeit von beinahe 110 Minuten. Da bricht die Spannung leider heftigst ein im Mittelteil. Und da der Showdown, sprich: Bradleys „Verwandlung“, ergo: der Gore sich erst in den zehn Minuten vor Feierabend ereignet, gehört schon ordentlich viel Geduld und dickes Sitzfleisch dazu, um das ganze Vorgeplänkel über ruhig auf seinen vier Buchstaben hocken zu bleiben. Echt schade, weil, wenn der Film nur ein kleines bisschen knackiger inszeniert wäre, hätte man einen kompromisslos guten Streifen vor sich. Somit einen Antikriegs-Horrorfilm mit wahnsinnig gelungenen Ansätzen, die aber leider, wenn auch nur knapp, an ihrer Umsetzung scheitern.

Splatter: (+)(+)(-)(-)(-) –sehr wenig, dafür ultrahart
Atmosphäre: (+)(+)(+)(-)(-) – drückend und düster
Spannung: (+)(-)(-)(-)(-) – im Keller

Fazit:
Antikriegs-Horrorsplatter mit Höhen und Tiefen. Den Gorehounds wird’s zu wenig Splatter sein, einem anderen Publikum braucht man den Film aber gar nicht erst vorsetzen. Trotzdem gute Ansätze dieser Horror-Variante von BROTHERS und GEBOREN AM 4. JULI.

Details
Ähnliche Filme