Review

Salvare la faccia ist eine rare kleine italienisch-argentinische Co-Produktion, die wohl nur dank einiger fleißiger Giallo-Komplettisten vor dem vollständigen Vergessen bewahrt wurde, aber definitiv einen Blick wert ist.

Die Story: Licia, die Tochter eines reichen Römers, ist ein wahrer Sonnenschein. Und so ahnt sie auch nichts Böses als ihr Freund Mario sie zum Schäferstündchen ins Bordell schleppt - nicht zum Fremdvögeln, nein, nur wegen der Atmosphäre!  In Wahrheit dient der Ausflug allerdings dem Zweck, kompromittierende Fotos zu machen, mit denen anschließend der einflussreiche Papa erpresst werden soll. Um das Gesicht zu wahren (siehe Originaltitel), hat die Familie aber noch eine viel bessere Idee: Man erklärt Licia kurzerhand für verrückt und steckt sie in die Klapse. Sozusagen vom Huren- ins Irrenhaus. Der Schuss geht allerdings gründlich nach hinten los; denn nach ihrer Entlassung einige Monate später ist die kleine Licia gar nicht mehr so lieb wie man sie in Erinnerung hatte…

Da der Film uns was Täter und Motiv angeht nie im Unklaren lässt und sich der abstruse Beziehungsreigen nicht erst am Ende auflöst, geht der Film wohl nicht als typischer Giallo durch, aber zumindest die Stimmung kommt den Erwartungen schon recht nah. Auf spektakuläre Todesszenen muss man zwar verzichten, aber ein gewisser Sleaze-Faktor sorgt dafür, dass das Ganze nicht zu sehr zum reinen Familiendrama wird.

Die Rolle der Licia wird von der wirklich süßen Adrienne LaRussa gespielt, die Freunden des italienischen Genre-Kinos noch als Beatrice Cenci aus Fulcis „Die Nackte und der Kardinal“ in Erinnerung geblieben sein könnte. Beide Filme sind von 1969, aber ich glaube Salvare la faccia ist der ältere der beiden (hier wird sie auch mit „introducing“ im Vorspann geführt).

Regisseur Brazzi sagt mir zwar nicht sonderlich viel, aber dafür sorgen die Drehbuch-Credits für ein großes Hallo, denn da tauchen in einigen Prints zwei Autoren auf, bei denen Liebhaber des Italo-Sleaze mit der Zunge schnalzen werden, nämlich Bianchi-Kollaborateur Piero Regnoli  und der unglaubliche Renato Polselli. Keine Ahnung, ob’s stimmt. Aber unerwähnt bleiben soll so etwas natürlich nicht!

Im Ohr geblieben ist mir auch die niedliche Titelmelodie, die zumindest in der englischen Version noch durch großartige Cheesy-Lyrics veredelt worden ist („From my childhood I can’t borrow, all I see is tears and sorrow, yesterdays but no tommorow, daddy, what is true?!“). Gäbe es den Soundtrack auf Platte, ich würd ihn sofort kaufen!

Fazit: Ein sympathischer kleiner Film, der zumindest bei mir für kurzweilige 90 Minuten gesorgt hat. Dafür gibt’s  6 Punkte plus mindestens einen Bonuspunkt für Frau LaRussa und den Polselli-Faktor (7/10).

Details
Ähnliche Filme