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Bei seinem dritten Spielfilm geht der deutsche Independent-Regisseur Michael Effenberger ein wenig zurück zu den Wurzeln des klassisch angelegten Zombiefilms, als dieser mit Beiträgen wie „Woodoo - Schreckensinsel der Zombies“ in der Blüte seiner Genrezeit stand.
Leider kommt die Geschichte wenig originell daher, dafür ist eine deutliche Steigerung auf handwerklicher Ebene auszumachen.

Die Schwestern Hannah und Vanessa reisen nach dem Tod ihres Vaters auf eine abgelegene spanische Insel, um die Formalitäten zu klären und die Zeit bei ihrer Tante Marta zu verbringen. Sie ahnen noch nicht, dass ein Voodoo-Zauber die Untoten bereits aus ihren Gräbern gelockt hat und die Insel somit zur tödlichen Falle wird…

Oft sieht man anhand der Credits und der ersten Bilder bereits, auf welches Niveau man sich einlässt und da überzeugt die Kamerafahrt übers Meer genauso, wie die Gestaltung der Schriftzüge. Als es zur Vorstellung der beiden Schwestern geht, macht sich allerdings auch ein wenig Ernüchterung breit, denn die Tonabmischung ist phasenweise katastrophal; Dialoge wurden nicht nachvertont, sind im Vergleich zur Musikuntermalung oft höhenlastig und zu leise ausgesteuert. Auch die Figurenzeichnungen sind nicht sonderlich aussagekräftig, obgleich sich das erste Drittel reichlich geschwätzig gestaltet, wobei einige Dialogpassagen ein wenig aufgesetzt wirken.
Als man schließlich auf der Insel ankommt, kann zumindest das Ambiente überzeugen.

Mit Erscheinen der Zombies kommt schließlich etwas Bewegung ins Spiel, der Hintergrund mit den Voodoo-Ritualen und den bösen Vorzeichen in Form von Geheimniskrämerei vermag durchaus Akzente zu setzen, nur sorgen die Angriffe der Untoten zu selten für Suspense.
Meistens gehen diese rasch über die Bühne, implizieren zwar gefällige Gore-Einlagen wie einen offenen Bauch, eine kurze Fressszene, ein verletztes Bein und ein Biss in die Hand, doch ein Mitfiebern ist oft nur in Ansätzen gegeben, da hier bezüglich des Editings noch sichtlich das Gespür für Dramaturgie fehlt.
Erst zum Showdown bieten Atmosphäre und Action eine ausgewogene Mischung, welche zuvor schmerzlich vermisst wird. Das Cameo von Olaf Ittenbach sorgt hingegen mindestens für einen Schmunzler.

So bekommt eine Schwangere Probleme mit ihrem Babybauch, man muss mit dem Auto eine Gruppe von Zombies passieren, das Verbarrikadieren gerät zu einer unsicheren Angelegenheit und am Schluss werden zwei familiäre Twists enthüllt, welche nicht unbedingt absehbar sind.

Das wenig innovative Drehbuch und der Mangel an Bewegung sorgen am Ende jedoch dafür, es mit einem handwerklich soliden, jedoch kaum mitreißenden Zombiefilm zu tun zu haben.
Darstellerisch offenbart sich gehobenes Amateurniveau, die Maske und die Gestaltung der (leider etwas rar gesäten) Splattereffekte geht voll in Ordnung und auch wenn die Kamera auf annähernd professionellem Niveau arbeitet und der Score von Michael Donner wie gewohnt sauber abgestimmt ist, dürfte die dritte Produktion von Effenberger kaum lange im Gedächtnis des Betrachters haften bleiben, denn so richtig in Fahrt kommt die Chose leider nur allzu selten.
5,5 von 10

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