Ich sah diesen kleinen Thriller das erste mal im Free-TV und war angenehm überrascht, wie spannend und bedrückend er war.
Ein Bargast, der die Kasse ausnehmen will, in "Notwehr" den bewaffneten Barbesitzer erschießt und nicht für seine Tat gerade stehen will, ist eigentlich der minimierte Inhalt des Filmes mit dem unspektakulären Titel "Ans Messer geliefert". Langsam aber sicher entwickelt der Film sich dann zu einem meiner Ansicht nach ausgeklügelten Psycho-Drama, in dem der Mörder versucht seine Tat zu vertuschen. Er schließt die übrigen Gäste ein und schnell wird er sich seiner Macht über Leben und Tod bewusst. Für seine Geiseln beginnt ein perfides Spiel, in dem sie gedemütigt und erniedrigt werden.
Aber dies wird vom Filmemacher James Bruce nicht auf die herkömmliche oberflächliche Art und Weise getan, sondern er zeigt einen Mörder, realistisch dargestellt von Raymond J. Barry, der in seinem Leben so ziemlich alles vermurkst hat und der um keinen Preis zurück ins Gefängnis will.
Erschreckend an diesem Mörder ist eben, dass er zwar ziemlich fies wirkt, aber dennoch so menschlich, was ihn noch beängstigender erscheinen lässt. Er ist eben nicht einer dieser gesichtslosen Irren, die hinter einer Maske Leute umbringen...
Jetzt könnte man sich natürlich fragen, warum der Typ seine Geiseln nicht einfach alle erschießt und abhaut, aber dann wäre der Film ja schon nach wenigen Minuten zu Ende, da er sehr rasch zum Kernpunkt der Geschichte kommt.
Auch dass der Film die ganze Zeit über einem Kammerspiel ähnlich ausschließlich in der Bar spielt, und die geheimen Abgründe, die hinter so mancher Fassade der Gäste stecken, wurde meiner Ansicht nach großartig und verstörend zu gleich aufgezeigt.
Ans Messer geliefert ist mit Sicherheit keine große und aufwendige Produktion, weiß aber den Zuschauer zu fesseln und ihn bis zum Schluss mit den Geiseln mitfiebern zu lassen.
Und es ist ein Film, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt, wenn man ihn mal gesehen haben sollte ... Aufatmen am Ende das ganze gut überstanden zu haben und vielleicht auch beim nächsten Kneipenbesuch sich fragend, ob nicht in jedem so ein "Monster" schlummert, dass situationsbedingt aus einem herausbrechen könnte.
Mir hat der Film sehr gut gefallen und deswegen hatte ich ihn mir auch schon vor längerer Zeit auf DVD besorgt.