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Hollywood verdankt dem am 22.12.1965 geborenen Drehbuchautor David S. Goyer so manch unterhaltsame Filmstunde, er sorgte beispielsweise dafür, dass Wesley Snipes 1998 als Blade auf Vampirjagd gehen durfte oder das Christian Bale in der Dark Night Trilogie (2005-2012) im Batman Gewand Gotham City vom Verbrechen erlösen konnte. In jüngster Vergangenheit verfasste er die Drehbücher zu Batman vs. Superman (2016) und Terminator - Dark Fate (2019).  Sein allererstes Werk stammt noch aus eigenen Studienzeiten und lieferte die Geschichte zum von Mark DiSalle 1990 produzierten  Jean Claude Van Damme Actioner Death Warrant alias Mit stählerner Faust, bei welchem Deran Sarafian die Regie übernahm. Der mit einem geschätzten Budget von 4 Millionen Dollar versehene Knast Thriller war der erste Versuch, Van Damme als Actiondarsteller außerhalb reiner Prügelfilme zu installieren, wobei unser Lieblingsbelgier natürlich auch hier einige Möglichkeiten bekommt, um seine akrobatischen Kampfsportfähigkeiten zu demonstrieren.

Substanziell verknüpft der Plot durchaus geschickt unterschiedliche Elemente wie Crime, Thriller, Martial-Arts und einen Hauch von Mystik zu einem über weite Strecken gefälligen Action Reißer, der mit einem weltweiten Einspiel von ca. 46 Millionen Dollar auch an den Kinokassen schwarze Zahlen schreiben konnte.  Police Officer Louis Burke (Jean-Claude Van Damme) wird nach der vermeindlichen Eliminierung des Serienmörders Sandman (Patrick Kilpatrick) undercover ins Hochsicherheitsgefängnis Harrisson eingeschleust, um eine dubiose Mordserie aufzudecken. Als Unterstützung erhält er extern von seiner attraktiven Kollegin Amanda Backett (Cynthia Gibb) wichtige Informationen. Burke kommt bei seinen Ermittlungen einem perfiden Organhändlerring auf die Spur, dessen Wurzeln bis ganz nach oben ragen und wird selbst schnell zur Zielscheibe von Mordversuchen korrupter Wärter und gewalttätigen Mithäftlingen.  Als diese ihn trotz all vehementer Versuche nicht beseitigen können traut Burke seinen Augen nicht: Der totgeglaubte Sandman taucht von den Drahtziehern geschickt urplötzlich in der Haftanstalt auf,  um Burke zu erledigen. Ein gnadenloser Kampf auf Leben und Tod beginnt...

Dunkle Bilder, dreckige Kulissen, verruchte Atmosphäre, so lässt sich grob das Erscheinungsbild und die Wirksamkeit der düsteren Knastoptik auf den Zuschauer beschreiben. Große Teile der Aufnahmen entstanden in der real existierenden Strafanstalt Lincoln Heigths mit teilweise echten Gefangenen als Statisten, was der themenpassenden  Visualisierung von Regisseur Deran Sarifian  einen spürbaren Grad an Authentizität verleiht. Dazu gelingt es ihm, die  kriminalistischen Aspekte der Organspender Affaire sukzessive voranzutreiben. Das Publikum wird erst relativ spät mit der Plotauflösung vertraut gemacht und profitiert dadurch von einem durchweg konstanten Spannungsbogen, der dank des beklemmenden Soundtracks unterstreichend gefüttert wird.

Die Krimifokussierung bewirkt vor allem in der ersten Filmhälfte das zwangsläufig die Actionsequenzen ein wenig in den Hintergrund gerückt werden, so sind Van Dammes gefällig choreographierte Nahkampfmomente durch eine variable Verteilung auf kleine, zahlenmäßig überschaubare und prägnant gestaltete Auseinandersetzungen mit anderen Sträflingen und dem Gefängnispersonal komprimiert. Was der routiniert in Szene gesetzten Action jedoch fehlt sind die herausragenden Schauwerte, die Highlights um genau zu sein, obgleich im ausgiebigeren Showdown zwischen dem Sandman und Burke die Schlagzahl kurzzeitig ein wenig gesteigert wird, trotzdem bewerte ich mit stählerner Faust  in seiner Gesamtheit gesehen als eher "höhepunktarm". Der Härtegrad graphischer Gewaltdarstellung wurde anno 1990 mit einer FSK 18 und späterer Indizierung bedacht, im Dezember 2011 erfolgte die Listenstreichung und eine neue zeitgemäße FSK 16 Freigabe, welche meiner Meinung nach für das Gezeigte absolut angemessen ist.

Verschmerzbare Logiklöcher gibt es einige, schließlich befinden wir uns ja in einem B-Action Film, da drückt man gerne mal ein Auge zu. Ein aus meiner Sicht jedoch nicht tolerierbares, elementares Defizit von Death Warrant ist die völlig transparentlose Darstellung des Sandmans und seiner übernatürlichen Stärke. Damit meine ich nicht die in hohem Maße charismatische und überzeugende schauspielerische Leistung von Patrick Kilpatrick, sondern jegliche fehlende Plausibilisierung dessen unsterblichen Auftretens. Du kannst mich nicht töten, ich bin der Sandmann ist mir da als Erklärungsversuch eindeutig zu wenig. Jean-Claude Van Damme hingegen überzeugt erwartungsgemäß in seinen Zweikämpfen, dass Acting während dialogreicher Passagen würde ich ungeahndet dessen aber eher als bemüht und ausbaufähig erachten. Die restliche Filmbesetzung bietet genrebekannte Standardunterhaltung. Übliche, klischeebehaftete Charaktere treffen auf solide agierende Akteure, die ihre Aufgaben zwar erfüllen, ihrer Performance aber keine zusätzlich erwähnenswerte Klasse spendieren können.

Kritiker, die dem Streifen also das Prädikat "nichts außergewöhnliches" attestieren, haben bestimmt nicht ganz Unrecht. Mit stählerner Faust darf sich als weitgehendst unterhaltsames und spannendes B-Action Vehikel mit bodenständig anmutender Actionrealisierung sowie verfolgungswerten Thriller Komponenten fühlen. Letzten Endes trüben aber die in Punkto Action fehlenden, erinnerungswürdigen Augenblicke und die nur rudimentär stattfindende Fundierung von Sandmans Unsterblichkeit meine Kongnition von Jean-Claude Van Dammes Knastabenteuers merklich. Was bleibt ist solide, kurzweilige Genrekost, die trotzt dargelegter Schwächen auch öfters konsumierbar ist, ich vergebe besten Gewissens gute 7 von 10 Punkte.

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