Hier haben wir wohl die Mutter aller Fußballfilme. Basierend auf dem Roman des Kultautors Nick Hornby entstand eine Hommage an die Sportart überhaupt. Viele schrecken jetzt sicherlich zurück und denken, dieser Film sei Nichts für sie, doch ich finde, "Fever Pitch" gelang so unglaublich sympathisch, dass auch Fußballhasser ihren Spaß daran haben könnten.
Sicherlich sind alte Spielberichte von Arsenal-Spielen für Fans gefundenes Fressen. Auch wenn die Charaktere im Film über bekannte Fußballgrößen wie Gary Lineker, Tony Adams oder Peter Shielton fachsimpeln, lässt einem das das Fußballerherz höherschlagen. Ach ja, eine Story gibt es auch noch. Der Film wird zunächst in zwei Zeitebenen erzählt. Einmal ist die Hauptperson, Paul, noch im Kindesalter und lebt mit seiner Schwester gemeinsam bei der Mutter. Der Vater ist die meiste Zeit unterwegs und hat wenn, dann nur am Wochenende Zeit. Dann will er jedoch seinen Kindern etwas bieten, was ihm aber nicht so recht gelingen möchte. Die Eröffnungsszene belegt das einwandfrei, in der Paul samt Schwester und Vater in einem Eislokal sitzen, die Stimmung nicht gerade am Siedepunkt kratzt und alle Beteiligten sich absolut wortkarg verhalten. Eines Tages jedoch hat Pauls Vater die Idee, mit seinem Sohn ins Highbury zu gehen, dem legendären Stadion Arsenal Londons. Paul kann sich nicht sonderlich fürs Fußball begeistern, doch schlechte Vorschläge ist er ja von seinem Vater gewöhnt. Doch kaum befindet er sich im weiten Rund und schon ist es um ihn geschehen. Die Kulisse überwältigt ihn. Sprechgesänge, eine riesengroße Ansammlung von Gleichgesinnten und ein tolles Spiel.
Parallel wird aus Pauls späterem Leben erzählt, in dem er sein Geld als Lehrer verdient. Anders als seine Kollegen, hält Paul nicht viel von geplanten Unterrichtsstunden, geschweige denn von einem Stundenplan. Vielmehr engagiert er sich als Trainer der Fußball-Schülermannschaft, der er schon mal die Abseitsfalle erklären möchte. Durch sein eher unvorbildliches Verhalten als Lehrkörper gewinnt er die Aufmerksamkeit der neuen Lehrerin Sarah, die zunächst allerdings nicht viel vom Eigenbrötler hält. Dessen Liebe zum Fußball macht die Dinge nicht besser. Dennoch kommen sich bald näher, aber jetzt stellt sich für Paul die Frage, welche Beziehung im wichtiger ist. Die zu Arsenal oder die zu einer Frau ?
Der Fußball ist sein Leben. Seit damals, als ihn sein Vater mit ins Stadion genommen hat, besucht Paul regelmäßig das Highbury. Mit größter Aufmerksamkeit und Begeisterung verfolgt er Saison für Saison, kennt jedes Detail über die Arsenal-Historie und wartet sehnsüchtig auf den ersten Meistertitel seit 18 Jahren. Wie exzessiv Paul für den Fußball lebt, sollte sich am Besten jeder selbst zu Gemüte führen, denn in "Fever Pitch" wird das erzählt, was teilweise wirklich Fakt ist. Auch wenn sich das Fußball-Desinteressierte kaum vorstellen können. Nick Hornbys recht autobiographischer Roman stand Pate und man wird Zeuge eines fußballbesessenen Lehrers, der Job, Freundin und sein restliches Leben vollkommen vernachlässigt. Für seine Liebe zu Arsenal. Typisch britisch ist der Film natürlich gespickt von zahlreichen Momentan an Situationskomik und britischem Humor. Wenn Paul sich eine neue Wohnung sucht und diese genau neben dem Arsenal-Stadion liegt und er beginnt, Ausreden zu finden, wieso die Wohnung ausgerechnet dort liegen muss, dann muss man da einfach lachen. Oder wenn er mit seiner Freundin durch die Straßen läuft und er ihr einfach nicht zuhört, er sich aber rausreden möchte. Für Paul ist der Fußball allgegenwärtig.
"Fever Pitch" ist unterhaltsames und sympathisches Fußballkino, das aber auch mit einer Story abseits des runden Leders zu bieten hat. Der Film lebt von seiner Kurzweile und seinen tollen Charakteren. Und wen die letzten 10 Minuten des Films unberührt lassen, zumindest Fußballfans, dem ist auch nicht mehr zu helfen. Für mich mit "Purely Belter" der absolute Genrekönig.
8,5/10 Punkte