Das Fernsehen der DDR hatte leider nicht allzu viel zu bieten. Da schon die staatliche Zensur teilweise immens war (dagegen wirkt die heutige Zensur, an manchen Stellen, nahezu lächerlich), konnten sich viele Film- und Fernseh-Macher nicht so richtig entfalten und somit blieb auch meist nur ein recht biederes Fernseh-Programm übrig, was es auf gerade einmal zwei Sendern zu sehen gab. Doch in einem Punkt war das DDR-Fernsehen Top und konnte selbst vom "goldenen Westen" nicht übertrumpft werden: Beim Kinderfernsehen! Egal ob es z. Bsp. solch liebevolle Kindershows wie "Brummkreisel" waren oder die, sogar über die Grenzen der DDR hinaus, beliebte Einschlafhilfe "Sandmännchen", hier wurde wirklich Spitzenunterhaltung für die Kleinen geboten. Und dann gab es noch die drei berühmten Spuk-Serien, eine märchenhaft (Riesenrad), eine gruselig (von draußen) und eine lustig. Und auf Letztgenanntere möchte ich hier mal näher eingehen, denn sie ist die absolut Beste der drei!
"Spuk im Hochhaus", dass ist die witzige und liebevolle Geschichte über die beiden Geister Jette und August, die für ihre Schandtaten zu Lebzeiten, nun ihre Strafe "abarbeiten" müssen. Denn bevor sie sich endlich zur ewigen Ruhe betten dürfen, müssen sie erst sieben gute Taten vollbringen. Und diese in einem Hochhaus, voll der verschiedensten Leute. Doch so nach und nach merken sie, wie schön es doch eigentlich auf Erden ist und schmieden einen Plan, wie sie für immer als Geister im Hochhaus bleiben können. Aber ob das klappt?
Die Story und das Drehbuch ist absolut liebenswert und kindergerecht aufgearbeitet worden. Und es sprüht nur so vor herrlich absurden Fantasien, die allesamt zum Lachen einladen. Vor allem die Tatsache, dass Jette und August, mit einem cleveren Trick, durch die Wände gehen können, ist ein ums andere Mal nen Brüller wert. Man denke nur an die herrliche Szene, in der sie ihren Kopf durch die Wand stecken und vom Kind auf der anderen Seite für Masken gehalten werden. Oder ihr schändlicher Versuch, der siebten guten Tat zu entgehen, in dem sie das Essen in der Gastwirtschaft, mit allerlei Getier verseuchen! Hier lacht wirklich jung und alt.
Und auch die Sympathie, jeder einzelnen Figur, trägt zum Gelingen dieser Serie bei. Obwohl sie ja eigentlich zwei böse Gestalten sind, so kann man Jette und August eigentlich nie und nimmer böse sein, da sie eben doch eine gute Seele haben und z. Bsp. den leckeren Kuchen einer älteren Dame im Haus verteilen oder einige freche Rowdys in brave Kerle verwandeln, in dem sie mit ihnen den Ringel-Reih-Tanz "Laurenzia" durchführen. Die Figuren wurden allesamt bravourös gezeichnet und überzeichnet und sind einem eben deshalb so sympathisch.
Tja und wer in DDR-Nostalgie schwärmen oder sich als Westdeutscher mal ein Bild der "Zonenwelt" machen will, der kommt hier ebenfalls nicht zu kurz. Denn das Bild, was sich einem hier zeigt, ist durchaus als realistisch anzusehen (mal von den Geistern abgesehen;)). Zwar wurde natürlich auch in diesem Punkt einiges satirisch überspitzt (soweit das bei der damaligen Staatszensur eben möglich war), aber im Grunde kann man durchaus einen guten Eindruck davon erhalten, wie das Leben damals so in der DDR war.
Als letztes seien dann noch die großartigen Darsteller erwähnt, allen voran Katja Paryla und Heinz Rennhack als Geister-Paar. ZU DDR-Zeiten gehörten sie mit zu den besten Schauspielern überhaupt und das spürt man hier wirklich in jeder ihrer Szene. Aber auch alle anderen, großen und kleinen, Nebendarsteller machen ihre Sache gut!
Fazit: Wunderbar witzige und sympathische Spuk-Serie, die zwar kaum gruselig ist aber dafür um so witziger. Eine tolle Geschichte, großartige Ideen und die wunderbaren Schauspieler, garantieren für drei Stunden beste Unterhaltung. Kinder werden diese Serie nach wie vor lieben und Erwachsene (vor allem aus dem Osten) dürfen sich an bester DDR-Nostalgie frönen. Kinderprogramm von höchster Qualität, an der sich so manches von heute, noch ne Scheibe abschneiden kann!
Manches war zu DDR-Zeiten eben doch besser!
Wertung: 9/10 Punkte