In diesem harmlosen Bondverschnitt absolviert Jean-Claude Van Damme eine seiner frühen Rollen; hier sogar noch als Bösewicht.
Auslöser für die Agentenhatz ist hier ein in der Nähe von Malta abgestürzter US-Jet, der wertvolle Technologien in seinem Rumpf trägt. Getreu dem Gesetz des Agentenfilms aus der Zeit des kalten Kriegs übertreffen sich Russen und Amis in der Schnelligkeit, das Wrack zu bergen. Klingt unspannend und unoriginell? Ist es auch.
Die Amis schicken erst mal einen Agenten los, der natürlich nicht der beste ist und dann auch prompt von den bösen Russen eingesackt wird. Die Russen nieten auch noch seinen Verbindungsmann um, obwohl der russische Chef betont wie wichtig es gewesen wäre, die Amis auszuhorchen. Klingt unlogisch? Ist es auch. Von der Frage, warum die Russen die amerikanischen Agenten so schnell ausradieren, aber zu blöd sind, selbst zu dem Wrack runterzutauchen mal abgesehen...
Also muss der beste Mann der Amis ran: Ken Tani (Shô Kosugi). Der will zwar lieber Urlaub mit seinen Söhnen machen, aber die hat der Geheimdienstchef schon prophylaktisch nach Malta schaffen lassen (der alte Fuchs, der). Damit geht dann ein kurzes und belangloses Gerangel um den Jet los, bei dem auch der prügelgewandte Russe Andrei (Jean-Claude Van Damme) mitmischt...
Wer kennt sie nicht, diese billigen Klischeefilme aus der Zeit des Kalten Krieges, in denen fast alle Russen Ivan, Sergei, Nicolai oder eben Andrei heißen? „Red Eagle“ ist hier keine Ausnahme, die Story ist halt die x-te James Bond Kopie und Hauptsache ist, dass die Sowjets kriegen am Ende den Arsch voll. Dabei sind die Logiklücken immens: Neben der Tatsache die Russen die lange Zeit, die sie an der Absturzstelle verweilen, in keinster Weise nach dem Wrack tauchen ist auch das Vorgehen des Helden lächerlich: Als er drei Verfolger nacheinander ausschaltet (die sich natürlich auch logischerweise trennen), lässt er den letzten in einer komplizierten List vom Dach stürzen, anstatt ihm an der gleichen Stelle aufzulauern wie dem zweiten.
So bleibt die Story auch durch und durch belanglos, zumal sowieso klar ist, wer am Ende gewinnt. Dabei werden dann Standardsituationen des Agentenfilms abgespult (alle schön bei Bond geklaut); so darf neben der Hatz durch verwinkelte Gassen auch der obligatorische Casinobesuch nicht fehlen. Zudem ist das Ganze ohne Spannung gemacht, so dass allenfalls der Schauplatz Maltas als neue Idee durchgeht.
Die Actionszenen sind kaum vorhanden, kurz und nicht besonders gut gemacht. Jean-Claude macht zwar seinen obligatorischen Spagat, aber in den Kampfszenen ist nichts von seinem spektakulären Können zu sehen. So erwischt es ihn am Ende auch nicht im Kampf mit dem Helden, sondern aufgrund der Dummheit seiner Filmfigur. Auch Shô Kosugi überanstrengt sich nicht mit seiner Gegnerzahl, so dass Actionfans gewaltig in die Röhre gucken.
Bei „Red Eagle“ hat wohl niemand große Schauspielkunst erwartet und so bekommt man, was man erwartet. Van Damme macht den „böser Russe“-Gesichtsausdruck, den man aus Dutzenden ähnlicher Streifen kennt, während Shô Kosugi den „guter Ami“-Blick aus dieser Filmgattung drauf hat. Die Nebendarsteller gucken auch nicht intelligenter aus der Wäsche.
Der Adler ist gelandet – und zwar volle Breitseite Bauchladung mit eingezogenem Fahrwerk. Wer natürlich alle Filme Van Damme sehen will, sollte sich dieses Werk im Free-TV anschauen, aber außer schönen Aufnahmen vom Schauplatz und wenigen Actionszenen bekommt man nix geboten.