Als mir dieser Film vor Jahren das erste mal über die Netzhaut lief, kam er stark geschnitten in der Glotze. Der Streifen lief schon ca. ne Stunde als ich beim zappen interessiert dran hängen blieb. Die weiteren 30 Minuten blieben in guter Erinnerung, wegen der offensichtlichen Schnitte wollte ich mir den Film aber nicht mehr in der deutschen Fassung aus der Videothek besorgen. So weit so na ja ... Vor kurzen sah ich mir nun das Remake dieses Films an. Ein Big Budget US Mutant, vom von mir doch recht geschätzten Tony Scott inszeniert. Das Remake war richtig gut, deshalb mußte ich jetzt unbedingt das Original komplett sehen. Also mal bei eBay reingeschaut und schwubs für 1.99 Teuro die alte Vestron VHS ersteigert.
Zu meiner großen Überraschung mußte ich anerkennend feststellen, daß das Remake sein Original doch tatsächlich auf die Plätze verweist. Mehr dazu gleich. Scott Glenn ist ein desillusionierter Profi ( laut VHS Cover Ex CIA Mann, davon ist im Film übrigens nicht 1 mal die Rede), wahrscheinlich EX Söldner, der von seinen besten Freund Joe Pesci ( mit noch voller Haarpracht ) einen scheinbar lockeren Job als Leibwächter bekommt. Glenn soll auf die 12 jährige Tochter eines reichen Ehepaares achtgeben. Das tut er anfangs noch zurückhaltend und abweisend, später mit sensiblen Einfühlungsvermögen. Aus dem Job wird mehr, eine Freundschaft. Doch es geschieht das Unvermeidliche, das Kind wird entführt, der Bodyguard zusammengeschossen. Kaum wieder aufrecht stehen könnend hat er nur noch einen fixen Gedanken-Rache! Der Professional mischt alle Kidnapper auf und genau dieser Rachefeldzug hat mich doch ein wenig enttäuscht. Ich konnte trotz intensiver Recherche leider nicht feststellen, ob es sich beim Director von MAN ON FIRE um eine Dame handelt. Sollte dies der Fall sein, wäre das für mich eine Erklärung warum mir beim Original die 1. ( ruhige ) Hälfte besser gefällt. Im letzten Drittel, wenn die knallharte Action dominiert, merkt der Kenner irgendwie, daß die verantwortliche Regisseurin ( oder doch ein Mann ) im Metier nicht unbedingt zu Hause ist. Erstaunlich fand ich auch, daß bis auf Scott Glenn und Joe Pesci, die ihren Job super machen, viel zu wenig aus den anderen Darstellern rausgekitzelt wurde. Paul ( SCARFACE ) Shenar und Brooke Adams welche die Eltern des Mädels spielen sind kaum zu sehen und deshalb fast nicht zu bewerten. Das gleiche gilt für Danny Aiello ( mit einer unerträglichen Synchro, der Sprecher ist indiskutabel ) und dem ITALO Veteran Lou Castel als Mitglieder der Kidnapper Gang. Man freut sich, daß diese knuffigen Kerle mitmischen, denkt sich aber, da wäre mehr drinne gewesen und das ist schon ein bissel schade. MAN ON FIRE hat mir aber trotzdem gefallen. Positives überwiegt. Gute Schauspieler, schöne Atmosphäre ( ach ja, die Story spielt sich in Bella Italia ab ) und glaubhafte Charaktere bleiben einfach dauerhaft hängen. Was mich am US Remake überrascht hat, ist die Tatsache das sich der schwarze Vorzeige Mime Denzel Washington ( der Scott Glenns Part spielt ) für einen Selbstjustiz Thriller der alten Schule zur Verfügung gestellt hat. Würde die durchgestylte Optik und die durchgeknallte Schnitttechnik den Zuschauer nicht ständig daran erinnern das man sich im neuen Jahrtausend befindet, könnte man glauben sich in einen Bronson oder Eastwood Thriller der 70er zu befinden. Ich konnte wirklich nicht fassen was ich erleben durfte. Denzel verhört einen Kidnapper nach dem anderen in bester Gestapo Manier. Foltert und verstümmelt die Brut und beseitigt die schmierigen Bastarde ohne mit der Wimper zu zucken mit von mir schon lange nicht mehr erlebter Gleichgültigkeit. Irgendwie hat mir diese Gnadenlosigkeit im Original gefehlt. Das Remake spielt übrigens in Mexico, aber das ist eine andere Geschicht ...