BAT ATTACK – ANGRIFF DER FLEDERMÄUSE
(FANGS)
Kelly Sandefur, USA 2001
Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!
Irgendeinen Fledermaus-Grusler haben vermutlich die meisten schon einmal gesehen, und wenn, dann stehen die Chancen gut, dass er bestenfalls mittelprächtig war. Ich für meinen Teil hatte vor längerer Zeit die Gelegenheit, Louis Morneaus Bats – Fliegende Teufel (im Original ganz humorlos Bats) anzuschauen und war von dieser Arbeit schwer enttäuscht – ich hatte wohl in all meiner Naivität richtigen Horror erwartet. Das habe ich hier und heute natürlich nicht mehr getan, zumal von vornherein vieles dafür sprach, dass Bat Attack am ehesten im Trash-Gelände zu finden ist ...
Scotsville, irgendein Nest in Amerika. Hier forscht Professor Fuller mithilfe zweier minderbemittelter Labor-Assistentinnen an Fledermäusen herum – er führt Genmanipulationen durch und dressiert die Tierchen darauf, dass sie erst bei einem bestimmten Ultraschallsignal Lust aufs Fressen bekommen. Und zwar aufs Fressen von Fleisch. Eines Abends jedoch verlassen sie ihre von wem auch immer geöffneten Käfige und fallen im Foyer des Uni-Gebäudes über den Professor selbst her, der gerade nach Hause gehen will. Dort kommt er nun nicht mehr an – am nächsten Morgen finden ihn seine beiden minderbemittelten Labor-Assistentinnen. Mausetot. Fledermausetot, könnte man sagen.
Da seine blutigen Überreste (die man allerdings nicht zu sehen bekommt) allerlei Fragen aufwerfen, rückt die Ermittlerin Ally Parks aus Los Angeles an und nimmt die Arbeit auf, bei der sie vom örtlichen Veterinärmediziner John Winslow unterstützt werden soll. Ally hat kein Interesse an derlei Hilfe, aber Winslows Beruf erfordert, dass er mitwirkt – schließlich könnten die ausgebrochenen Fledermäuse Tollwut haben. Und so müssen sich die beiden, von nun an unser Heldenteam, zusammenraufen.
Da Winslow eine Tochter im späten Teenageralter hat, die den ganzen Tag mit der Videokamera herumturnt und gerade an einer Doku über ihr Heimatkaff bastelt, können wir nun anhand von Ausschnitten aus ihrer hobbyjournalistischen Arbeit erst einmal ein paar erhellende Informationen zur Lage im Ort erhalten: Scotsville war einst ein verschlafenes, friedliches und gemütliches Nest – bis der skrupellose Immobilienhai Carl Hart aufkreuzte. Er eignete sich nach und nach die Häuser und Grundstücke der Bewohner an und verscheuerte sie an reiche Interessenten. Wer nicht verkaufen wollte, wurde übers Ohr gehauen oder gar gewaltsam vertrieben – alles unter Beteiligung des korrupten und gut von Hart geschmierten Sheriffs Taylor. Auch zahlreiche Neubauten und Supermärkte ließ Hart errichten, sodass aus Scotsville ein überlaufener und von Scharen fremder Leute besuchter Ort geworden ist. Und ein Ort, in dem es bald einen zweiten Fledermaustoten gibt: Eines Nachts wird Harts schwergewichtiger Mann fürs Grobe von den blut- und fleischgierigen Tieren zerfressen, nachdem sie sich tags zuvor bereits seinen Hund als Vorspeise gegönnt hatten. Scotsville hat also definitiv ein Fledermausproblem.
Ally und John schlagen dementsprechend Alarm und fordern das sofortige Absagen des anstehenden Apfelblütenfests, aber dieses jährliche Großereignis will sich vor allem Hart nicht vermasseln lassen, weil er zu den Festlichkeiten zahlreiche neue Kunden erwartet, von denen sein geschäftlicher Erfolg ganz entscheidend abhängt. Also holt er sich Rückendeckung beim Sheriff, der Ally mit Entlassung droht, wenn sie und John keine Ruhe geben. So weit soll’s nun auch nicht kommen, und so geben Ally und John also erst einmal die gewünschte Ruhe, besuchen aber als Gäste das moderat vor sich hin rauschende Apfelblütenfest – um dort mitzuerleben, dass kommt, was kommen musste: Just als Harts ebenfalls minderbemittelte Tochter dank einer bestochenen Jury zur Apfelkönigin ausgerufen wird, greifen die Fledermäuse an. Todesopfer gibt es zumindest beim Fest nicht, weil die Tiere hier einfach nicht ungestört zum Essen kommen und zudem ihre Funksteuerung von unseren Helden mit Colabüchsenblechschnipseln gestört wird (dass Infrarotsignale im Spiel sind, hatten sie bereits geahnt).
Dafür wird allerdings Sheriff Taylor in seinem Büro von den Flatterern ins Jenseits gebissen – verdient, möchte man sagen. Da tags darauf am Tatort noch ein paar wichtige Hinweise zu finden sind, können sich Ally und John sowie Johns Tochter Genny und ihr Freund Logan, die mittlerweile voll mitmischen, nun langsam alles Notwendige zusammenreimen und sogar den Ausgangspunkt von dringend tatverdächtigen Funksignalen lokalisieren – es ist eine alte Scheune auf einem der von Hart ergaunerten Grundstücke. Dorthin begeben sich die vier nun in Windeseile, und schon bald sind alle Rätsel gelöst (noch einmal Spoilerwarnung!): Hinter dem ganzen Fledermaus-Spuk steckt der quicklebendige, aber schon deutlich dem Wahnsinn anheimgefallene Professor Fuller! Die offenbar bis zur Unkenntlichkeit zerfressene Leiche im Uni-Foyer war ein von ihm geopferter Obdachloser und Teil eines perfiden Plans – sein „Tod“ sollte Fuller Ruhe für das weitere Vorgehen verschaffen. Hernach hat er in der Nähe seiner Zielpersonen fernsteuerbare Apparaturen angebracht, die auf seinen Knopfdruck hin die „Fress-Signale“ der Fledermäuse ausgesendet haben. Motiv: Rache. Hart hatte einst auch Fullers Vater Haus und Grundstück abgeluchst, woraufhin sich dieser das Leben nahm. Daher sollten nun auch alle sterben, die mit der Sache zu tun beziehungsweise mit Hart kollaboriert haben. Letzteren allerdings kann Fuller nun nicht mehr erledigen – der Mad Professor wird im Finale leider mitsamt der Scheune in die Luft gesprengt. Hart sieht lediglich einem Prozess wegen Betrugs entgegen, während Ally und John sich längst derart zusammengerauft haben, dass aus ihnen ein Liebespaar geworden ist ...
Ende gut, alles gut – die im Genre unumgängliche Anhangszene soll hier schnell unter den Tisch gekehrt werden, weil sie doof ist. Ansonsten ist Bat Attack – Angriff der Fledermäuse (im Original Fangs) aber gar nicht so doof, wie befürchtet werden musste. Die Rezeption des Streifens hängt allerdings ganz entscheidend davon ab, was man von ihm erwartet hat – womit ich wieder bei meiner Einleitung respektive meinen eigenen Erfahrungen wäre: All jene, und das sind vermutlich nicht wenige, die sich hier leichtgläubig auf packenden und blutigen Tierhorror gefreut haben, dürften von Kelly Sandefurs Arbeit bitter enttäuscht, wenn nicht gar verärgert worden sein und damit auch die Verantwortung für die miesen Bewertungen tragen, mit denen Bat Attack (bleiben wir bei der Kurzform) in den großen Datenbanken gestraft ist.
In der Tat: Bat Attack ist weder packend noch blutig noch Horror. Da bleibt nur noch das „Tier“ übrig, und das ist zugegebenermaßen ziemlich mager (zumal man von den Fledermäusen nur wildes Herumgeflatter sieht). Ich persönlich, auch das klang bereits oben an, habe hier eher schön bekloppten Trash erwartet – aber da lag ich ebenfalls falsch. Natürlich kann man Bat Attack die Attribute „bekloppt“ und „trashig“ zuordnen, aber sie stehen bei der Beurteilung des Films nicht in vorderster Front. Dort gehört sehr viel eher das Wort „Frohsinn“ hin – Bat Attack ist eine fast waschechte Komödie mit Tendenz zur Genreparodie. Tatsächlich werden hier viele der ausgeleiertsten Creature-Feature-Klischees durchgekaut, aber dies geschieht auf so angenehme und amüsante Weise, dass man durchaus seine Freude daran haben kann. Ja, „amüsant“ trifft’s ziemlich genau: Der Humor, den das Skript von Jim Geoghan vornehmlich in den Dialogen entwirft, liefert keine echten Brüller, wird aber auch nie albern und hält sich zuverlässig oberhalb der Gürtellinie auf. Es gibt nicht einmal „Schimpfwörter“ zu hören. Bat Attack darf also guten Gewissens als familienfreundlicher Film gewertet werden.
Daran ändern auch ein paar Fledermaustote nichts – Kelly Sandefur verweigert ihrem Publikum auf fast provokante Weise jeden Blutstropfen. Man sieht nur, wie dieser oder jener in Leichensäcke oder unter Decken schaut und sich entsetzt abwendet, und auch die Fledermausangriffe sind harmlos. Die Tiere flattern ein wenig durch die Gegend, die Opfer schlagen ein paar Mal um sich, und der Rest geschieht im Off beziehungsweise manifestiert sich später als vollendete Tatsache. Sei’s drum – man gewöhnt sich schnell daran, und hier ist das auch okay. Dennoch kommt man nicht um die Feststellung herum, dass etwas Garstigkeit diesem Film und seinem Charakter nicht geschadet hätte – schwarzer Humor ist schließlich auch Humor. Aber man kann nicht alles haben, und mit dem, was man hat, fand zumindest ich mich erstaunlich gut bedient. Auf der Habenseite will ich auf jeden Fall auch noch ein überwiegend angenehmes Personal verbuchen, und ein Zusatz-Pluspünktchen gibt es für den Schlusstwist um den Professor, obgleich eher der Form halber, denn natürlich war die finale Wendung oder Enthüllung gut vorhersehbar. Aber das Bemühen zählt. Grundsätzlich, das muss der Vollständigkeit halber ebenfalls noch zu Protokoll gegeben werden, ist die ganze Fledermausfernsteuerungsgeschichte natürlich veritabler Unfug – womit sie gut im Genretrend liegt.
Optisch macht Bat Attack nicht gerade den frischesten Eindruck: Der Streifen sieht ungefähr zwanzig Jahre älter aus, als er in Wirklichkeit ist, wozu nicht nur die zwar sauberen, aber schon etwas blass wirkenden Bilder, sondern auch sein archaisches 4:3-Format und verdächtig nach den Achtzigern müffelnde Kulturmerkmale wie Frisuren und Kleidung beitragen. Die IMDb gibt übrigens ein Seitenverhältnis von 1.85:1 an, aber die vorliegende Kabel-1-Normalformatfassung wirkt absolut korrekt. Vielleicht wurde der Film für spätere Veröffentlichungen „hochkonvertiert“, wie das so oft getan wird (gerade habe ich es bei Jack Arnolds Der Schrecken schleicht durch die Nacht erlebt). Tricktechnisch hält sich Bat Attack wacker – es handelt sich unzweifelhaft um eine preiswerte Produktion aus der dritten Liga, aber die Fledermäuse sehen in meinen Augen gar nicht so übel aus. Gelegentlich kann man nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob man echte Tiere, Gummimodelle oder CGI-Flatterer sieht. Das spricht durchaus für diese Produktion – wie auch die fette Old-School-Explosion, mit der sich am Ende Scheune, Professor und Fledermäuse verabschieden. Man kann sie ausgiebig genießen, weil sie natürlich gefeiert und ungefähr siebzehn Mal aus verschiedenen Perspektiven aufgenommen wiederholt wird. Ein bisschen Geld für sie wurde ja auch schon beim Kunstblut eingespart.
Darstellerisch bietet Bad Attack insgesamt akzeptable Durchschnittskost. In vorderster Front sehen wir Tracy Nelson als Ermittlerin Ally Parks und Whip Hubley als Veterinär John Winslow, wobei Tracy Nelson einen wesentlich nachhaltigeren Eindruck hinterlässt und ihre Szenen locker dominiert – sie zeigt beträchtliches komödiantisches Talent und hat auch wortwörtlich ein sehr eigenes Gesicht, das diesem Film gut bekommt. Ihr extrem blasser Filmpartner Whip Hubley hat hingegen nur eine Achtzigerjahre-Unfrisur und sonst nichts. Echt genervt hat mich leider Katie Stuart als Winslow-Tochter Genny. Im Grunde genommen ist schon ihre Rolle als überall dazwischenfummelnde Videofilmerin lästig, aber mir ist auch ihre aufdringliche und aufgesetzte Dauerfröhlichkeitsmimik auf den Keks gegangen. Lukas Behnken gibt sich als ihr Filmfreund Logan sogar noch dauerfröhlicher, aber bei ihm hat mich das weniger gestört, weil es nicht so sehr nach Beachtung schreit wie bei Katie Stuart, sondern eher etwas dümmlich wirkt. Mark Taylor hat derweil als Professor Fuller nur zu Beginn und im Finale ein paar Minuten zur Verfügung, in denen er am Ende wahnsinniger wirkt als es nötig gewesen wäre, Scott Davidson gefällt in einer kleineren Rolle als wenig magenfester, aber sympathischer Polizist, und Corbin Bernsen gibt den eigentlichen Antagonisten Carl Hart mit ganz viel Verve – sprich gewaltigem, hier aber bestens aufgehobenen Overacting. Der Score von Tim Jones verharrt zu guter Letzt im soliden Mittelmaß. Er wirkt erstaunlich professionell und hat einige Passagen, in denen er sich mit bedrohlich dissonanten Klängen tatsächlich um Horrorstimmung bemüht (was eigentlich gar nicht sein musste ...), ist ansonsten aber weitgehend unauffällig und wirkungsarm.
Dass auch dieser Film als Ganzes weitgehend unauffällig bleibt, lässt sich indes verkraften. Bad Attack ist eine kleine, achtbar in Szene gesetzte, brave und harmlose Creature-Horror-Komödie ohne Horror, die nicht auf Blut und comichafte Gewalt setzt, sondern sich der zweifellos schwierigeren Aufgabe annimmt, ihrem Publikum zwar fesselnde, aber mehr noch leichte, humorvolle und ein gewisses Kulturniveau wahrende Unterhaltung mit Krimi-Anleihen zu bieten – in der Hoffnung, dass ihr Plündern im Genrefundus als Parodie gelesen wird. Den Unmut, den Kelly Sandefur damit vielerorts erzeugt hat, will ich persönlich allerdings nicht teilen: Ich habe Bad Attack als hoch sympathischen Film empfunden, und obgleich ihm beileibe nicht alles gelingt und er sich immer nach unterer B-Klasse anfühlt, hatte ich doch meinen Spaß mit ihm. Und das haben Arbeiten ganz anderen Kalibers nicht geschafft.
(02/24)
6 von 10 Punkten.