Megan Fox ist ein Engel. Und die Erde ist eine Scheibe. Ausgerechnet der hollywoodschen Meckerliese wachsen Flügel. Die kann sie auch gebrauchen, denn das selbstverliebte Mädel hangelt nach ihren kecken Sprüchen gegen Michael Bay bereits am absteigenden Ast. Kritik hört eine Regieikone wie Bay immer ungern. Und wenn, dann bitte mit Verstand. Und nicht wie Megan Fox, eben ohne. Beim Funken heißt es: „Denken, drücken, sprechen!" Das sollte natürlich nicht nur sie sich hinter die Ohren schreiben. Doch genug der Kapriolen der begehrten Schaufensterpuppe. Wenden wir uns ihrem neuesten Streich zu.
Der abgehalfterte Musiker Nate Poole (Mickey Rourke) hat Ärger mit dem Mafiaboss Happy Shannon (Bill Murray). Als der Poole in die Wüste schaffen lässt, um ihn zu ermorden, entkommt der glücklose Musiker und flüchtet zu einem in der Nähe gastierenden Wanderzirkus voller bizarrer Gestalten. Unter den Freaks lebt die schöne Lily Luster (Megan Fox), eine Frau mit Flügeln. Poole verliebt sich auf der Stelle in das viel jüngere Mädchen und flieht mit ihr in ein vermeintlich neues Leben. Doch die beiden haben Happy auf ihren Fersen. Und der will Poole töten und mit der gutaussehenden, seltsamen Laune der Natur Geld verdienen.
„Passion Play" gebärdet sich dabei wie ein Drama Shakespeares. Bedeutungsschwer und analogieüberfrachtet inszeniert Regieneuling Mitch Glazer seine Tragödie. Wie im Globe Theatre deklamieren die Akteure das, was sie zu sagen haben - nur haben sie eigentlich nichts zu sagen! Denn im Gegensatz zum elisabethanischen Vorbild hat das Spiel der Leidenschaft nicht nur überhaupt keinen Tiefgang, es hat vor allem keinen Sinn. Schon nach wenigen Filmminuten bricht die Rationalität im Plot in sich zusammen und einem obskuren Wirrwarr Bahn. „Was soll das alles?" fragt man sich bald angesichts der arg strapazierten Geduld mit den Handelnden und der überkandidelten Story ansich. Warum bitte geht ein schönes Mädchen mit einem heruntergekommenen alten Mann mit, der aus dem Nichts an ihre Tür klopft und sie fragt, ob sie ihn fortan begleiten möchte? Wieso kehrt der wiederum dann aber zurück in die Höhle des Löwen? Und warum verkauft Poole dann zu allem Überfluss letztendlich seine Teuerste an den Ganoven, nur um sie anschließend natürlich zu vermissen und wiederhaben zu wollen? Glazer springt unbeholfen von Szene zu Szene, ohne ein formulierbares Ziel vor Augen zu haben. Alles wirkt zu aufgesetzt, zu wenig stimmig, zu uninspiriert hingeklatscht. Die akute Sinnlosigkeit des Gezeigten scheint zum schrägen Selbstzweck zu mutieren. So vergehen die ersten fünfzig Minuten von „Passion Play" in unerträglicher dramaturgischer Einfallslosigkeit und Absurdität. Von hier angemahnter Tiefgründigkeit keine Spur! Erst als sich Lily in den Händen Happys befindet, lädt der Film einigermaßen zum Hinschauen ein, bis dann das Ende dem neunzigminütigen Unfug die Krone aufsetzt.
Was hat „Passion Play" außer einer geistlosen Geschichte noch zu bieten? Zunächst einmal eine natürlich stets züchtige Megan Fox, die wie in „Jennifer's Body" (2009) nichts von dem zeigt, was so mancher männliche Zuschauer gerne sehen würde, beispielsweise etwas Haut. Selbst bei der Fleischbeschau in der Villa Happys bleibt das Unterhöschen jugendfreundlich oben und die Brüste gut verdeckt. Auch die Jugend hätte das zwar gerne anders gesehen, aber Regisseur Mitch Glazer weicht Unterhaltungswerten stets geschickt aus. Allenfalls fällt auf, dass Megan Fox ohne die Profimaskenbildner und Kameraadjutanten Michael Bays nur noch zu einem Bruchteil das Sexappeal besitzt, das Shia LaBeouf und Millionen weiterer potentieller Freier im Kino so begeisterte. Von der Erotik der Motorhauben-Szene aus „Transformers" (2007) fehlt hier jede Spur. So sehr man Bay auch schelten mag für seine pfannkuchenplatten Geschichten, die Bildsprache beherrscht er. Und Mitch Glazer nicht.
Man fragt sich, was Mickey Rourke geritten haben mag, bei diesem exaltierten Murks mitzumachen. Ist das hier der erste Vorbote des Endes von Rourkes zweitem Frühling? In Zukunft sollte er beim Drehbuchsichten jedenfalls etwas aufmerksamer lesen, oder ihm ergeht es wie Filmpartner Bill Murray, der nicht das erste Mal in die Schüssel gegriffen hat beim Jobangeln. Murray spielt nicht einmal mehr den Gauner überzeugend, obwohl das doch stets die ihm auf den Leib geschriebene Rolle war. Schwer gelangweilt, fast schon trostlos blickt der arme Kerl hier drein. Er weiß, dass er in dieser unausgegorenen Geschichte ebenso wenig verloren hat wie Rourke. Aber das Alter macht sich bei ihm inzwischen gnadenlos bemerkbar. In machen Einstellungen sieht Murray aus wie sein eigener Großvater. Umso peinlicher wirkt das merkwürdige Ansinnen Glazers, alten Herren Mut zu machen: Sie müssten sich nur an einen Freak ranmachen, dann klappt's auch mit dem jungen Mädchen.
Das Ende des Films ist dann der Sargnagel der missglückten Geschichte. *Spoiler* Als Lily und Poole ohne Ausweg auf dem Dach eines mehrstöckigen Hauses von Happy und seinen Gangstern in die Enge getrieben sind, rafft sie sich auf, nimmt den 95 Kilogramm schweren Musiker einfach in ihre dünnen Arme und schwingt sich mit ihren bis dato noch nie benutzten Flügelchen vom Dach. Sie fliegen zurück in die Einöde, wo Poole eigentlich die ganze Zeit schon lag: sterbend, vom Handlanger Happys angeschossen, in der Wüste. Alles nur ein Traum! Da macht es dann ja schließlich auch nichts, dass die ganze Gaudi vorher keinen wirklichen Sinn gemacht hat. Die Traumschose dient einmal mehr als bedingungslose Kapitulation vor jeglichem Anspruch an ein durchdachtes Drehbuch. *Spoiler Ende*
Eine einzige, womöglich doch sinnvolle Frage bleibt angesichts der Sinnlosigkeit des Ganzen: Warum zum Henker hat Mickey Rourke immer grau lackierte Fingernägel?