Wer sich noch an Stephen Kings „Der Nebel“ erinnern kann, muss sich dieses Szenario nur mit Schatten und weitaus weniger Protagonisten vorstellen, schon mag man sich in etwa vorstellen, was der Streifen von Brad Anderson zu bieten hat.
Leider erreicht der Stoff nicht an Qualitäten seiner vorherigen Werke wie „Session 9“ oder gar „Der Maschinist“ heran.
Es beginnt mit einem Stromausfall im Großraum Detroit: Annähernd alle Bewohner hinterlassen nichts als ihre Kleidung auf dem Boden und sind spurlos verschwunden, von immer mächtiger werdenden Schatten quasi ins Nichts der Dunkelheit gezerrt. Rund 72 Stunden später treffen der Journalist Luke, die Physiotherapeutin Rosemary, der Filmvorführer Paul und der zwölfjährige James in einer Bar mit Notstromgenerator aufeinander und nehmen fortan den Kampf gegen die Dunkelheit in Angriff, denn die Lichtquellen werden immer rarer…
Im Grunde kämpfen lediglich vier Leute ums Überleben, denen leider ein zu vager Hintergrund eingeräumt wird, als dass eine spätere Bindung funktionieren könnte.
Zwar werden im Vorfeld kurze Momente vor dem Gau eingestreut, doch anschließend entwickeln sich die Figuren nur geringfügig und niemand offenbart Attribute einer starken Persönlichkeit.
Hinzu kommt die Beschränkung auf fast nur einen Schauplatz: Die Bar mit ihrer Verbindung zu einem Tunnel geht für einige Momente in Ordnung, aber auf Dauer hätte man sich ein wenig Abwechslung gewünscht, oder zumindest noch den einen oder anderen eingreifenden Charakter von außen.
Dennoch schürt das Geschehen zu Beginn Interesse, es gibt keinerlei Erklärungen und der Betrachter ist genauso ahnungslos wie die Figuren, welche sprichwörtlich im Dunkeln tappen und ständig um neue Lichtquellen bemüht sind.
Dabei wird der Ursprung des Schattenphänomens genauso wenig erläutert, wie die Schatten an Häuserwänden oder dem Asphalt, Erklärungsversuche mit dem Begriff „Croatan“ verlaufen im Sande wie die unerklärlichen Flüsterstimmen und am Ende fragt man sich, warum Tiere von dem Phänomen verschont bleiben, die Gruppe nicht schlichtweg ein Hochhaus in Brand setzt oder zumindest ein latent brennendes Lagerfeuer einrichtet, während es immerhin verwundert, wie ein circa vierjähriges Mädchen auf dem Rücken eines ausgewachsenen Pferdes landet und ein Jeep den Crash in ein Gebäude, einschließlich funktionierender Strahler überstehen kann.
Auf darstellerischer Seite bekleiden Hayden Christensen als Luke und Thandie Newton als Rosemary die eigentlichen Hauptrollen und werden dabei eher wenig gefordert, John Leguizamo bleibt als fast schon unnützer Charakter Paul reichlich im Hintergrund, nur Jacob Latimore bringt, trotz vieler Klischees seiner dunkelhäutigen Gang-Erscheinung frischen Wind ins Geschehen.
So vermisst Rosemary ihr Baby, Paul fantasiert im Delirium, der Generator wird durch die Benutzung einer Jukebox überstrapaziert, es gibt eine Botschaft aus Chicago und zum Schluss überlässt man es der Vorstellungskraft des Zuschauers, wie die Chose wohl endgültig enden mag. Creepy Momente mit sich verdichtenden Schatten sind durchaus vorhanden und auch einige verlassene Sets inmitten der Großstadt schüren eine leichte Endzeitstimmung, doch die anfängliche Spannung vermag die Erzählung beileibe nicht aufrecht erhalten.
Zu wenige und gleichermaßen uninteressante Figuren an zu wenigen Schauplätzen, mit insgesamt zu wenigen Ideen in einer zu vage umrissenen Situation: Im Vergleich zu vorherigen Regiearbeiten bleibt Brad Anderson hier nur ein Schatten seiner selbst…
5 von 10