Autor John Turman hat sich bislang primär im Science Fiction Bereich einen kleinen Namen gemacht und unter anderem die Drehbücher zu "Hulk" und "Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer" verfasst. Mit dem Skript zu vorliegendem Werk über einen Serienkiller schlägt er auf den ersten Blick recht durchschaubare Wege ein, um im letzten Drittel in eine eher unerwartete Richtung zu tendieren.
Enthüllungsjournalist Lewis (Cuba Gooding Jr.) hat die besten Zeiten als Autor bereits hinter sich, seinen Sohn kann er nur allzu selten sehen und auch der Alkohol spielt eine Rolle im Alltag. Als er eine gute Freundin in ihrem Haus bestialisch ermordet vorfindet, kann er dem Killer Keene (Neal McDonough) noch folgen, doch er wird niedergeschlagen. Kurz darauf findet er das Tagebuch von Keene, in dem weitere Morde angekündigt werden. Bevor Lewis jedoch weiter ermitteln kann, gerät er selbst in den Fokus der ermittelnden Beamten...
Die Szenerie steigt mit einer klassischen Vorgeschichte im Jahre 1999 ein, als Keene eine junge Frau in einer Wanne tötet und kurz darauf ein Baby in seinen blutigen Händen hält.
Dass dieses Baby anno 2012 noch eine Rolle spielen wird, leuchtet ebenso ein, wie die Verbindung zu Keene, denn irgendeine Basis muss es schließlich zwischen den Opfern geben.
Lewis wird indes als ruhiger und stets freundlicher Typ eingeführt, der zu lange und zu verbissen mit seinen Recherchen beschäftigt war und darüber hinaus seine Freunde und Familie vernachlässigte. Ein Typ, der per se nichts falsch gemacht hat, sondern lediglich zur falschen Zeit die falschen Schwerpunkte setzte und dem man in jeder Hinsicht eine zweite Chance wünscht. Doch zunächst stellt sich Lewis einem Martyrium, denn Keene ist ihm jedes Mal einen Schritt voraus, während die Cops Verbindungen zwischen Lewis und den Opfern herstellen können.
Die Inszenierung von Ernie Barbarash ist angenehm unaufgeregt, die Erzählung wird flüssig und ohne unnötige Nebenhandlungsstränge flüssig vorgetragen, während die Kills eher im Hintergrund ablaufen und für reine Splatterfreunde keinerlei Anreiz bieten.
So wähnt man sich lange Zeit in einem routinierten Werk über ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gut und Böse, bis es im letzten Drittel zu einem kleinen Break kommt. Das erwähnte Baby ist mittlerweile elf Jahre alt und erhält für den Erklärungsansatz eine bedeutende Position, ferner spielt die Zeit eine wichtige Rolle, wie der nunmehr zweideutige Titel deutlich unterstreicht. Die Chose driftet überraschend in Sci-Fi Gefilde ab, doch trotz einiger deutlicher Logiklücken bildet dieser Umstand einen positiven Nebeneffekt, welcher zum Finale für zusätzliche Spannung sorgt.
Cuba Gooding Jr. überzeugt einmal mehr mit nuanciertem, sehr präsentem Spiel, während sein Pendant McDonough als Bösewicht mit bleicher Haut und schwarzer Jacke brilliert. Austin Abrams spielt den elfjährigen James herrlich unberechenbar, ferner überzeugt Yancey Arias als zynischer Cop, der mit Lewis noch eine Rechnung offen hat.
Die Damen treten bei alledem eher in den Hintergrund, obgleich ein paar hübsche Gesichter mitwirken, womit nicht die auffallende klischeebehaftet dicke Grundschullehrerin gemeint ist, die Lewis alleine kauernd in einer Kneipe vermutet.
"Ticking Clock" erweist sich als zunächst überaus routinierter Serienkiller-Thriller, bis er die unerwartete Richtung in Sci-Fi Gefilde einschlägt. Ab da bietet er genügend Stoff zum Puzzeln und Mitraten, ein paar Ungereimtheiten muss man zwar hinnehmen, doch gegenüber ähnlich gelagerten Streifen liefert er kurzweilige Unterhaltung mit teils recht innovativen Ansätzen. Als Free-TV-Premiere kann man ihn bedenkenlos mitnehmen.
6,5 von 10