Review

Angenehm überrascht durch das sehr gute "Descent" und gerade von "Severance" in Stimmung gebracht, griff ich - zugegeben ein wenig verspätet - zu Neil Marshalls Erstlingswerk "Dog Soldiers" , um eine weitere Prise britischen Horrors einzuatmen und mal nachzusehen, was er vor "Descent" so gemacht hat...

Und man kann gut erkennen, daß er sich gesteigert hat - allerdings von einem ordentlichen Niveau aus, denn "Dog Soldiers" enttäuschte mich keineswegs, sondern unterhielt prächtig. Hier setzt er noch im Gegensatz zu seinem späteren "Frauenfilm" voll aufs männliche Geschlecht mit allen dazugehörigen Angebereien, Protzgehabe, Unterdrückungsmechanismen und natürlich entsprechenden Kampftechniken. Da trifft es sich gut, daß es sich bei den Protagonisten ausschließlich um Soldaten handelt, die sich zu einer kleinen Wehrübung in die schottischen Wälder begeben und schon bald einem übermächtigen Gegner gegenüber sehen.

Schade ist - und da hat Marshall schnell gelernt - das die "Monster" hier schon sehr schnell erkennbar sind. In der üblichen "Horror-Eingangsszene" ist ein Teil des Monsters deutlich zu erkennen - "Descent" macht es da wesentlich besser, indem zwar auch der zukünftige Schrecken zu Beginn geschürt wird, aber ohne Hinweis auf das tatsächliche kommende Grauen.

Angenehm und unterhaltend ist das Spiel der sechs Soldaten untereinander. So verzichtet der Film auf totale Abziehbilder und erschwert damit dem Zuseher die Vorhersage in welcher Reihenfolge sich das Teilnehmerfeld reduziert. Um etwas anderes geht es hier natürlich nicht, denn der Gegner ist nicht nur überlegen, sondern dazu noch zahlreich und durchaus gerissen. Allerdings versaut das der Gruppe keineswegs die Laune und so unterhält der Film durchgehend mit ordentlich schwarzem Humor, der auch nicht nachläßt ,wenn der nette Hund von nebenan sich mal so eben in den eigenen Eingeweiden verbeißt.

Verstärkung erhalten die Soldaten dann einerseits durch einen übriggebliebenen Anführer einer Special Forces Truppe, der sich schon zu Beginn äußerst unbeliebt gemacht hat, andererseits durch eine plötzlich auftauchende Forscherin, die sie vordergründig mit ihrem Auto rettet und zum nächstgelegenen Haus fährt. Allerdings hat das verlassene Cottage, daß einsam in den Hochwäldern liegt, so gar nichts von einem sicheren Zufluchtsort...

Was nun abläuft hat man natürlich schon dutzendmal gesehen, ist aber nicht ohne Grund eines der liebsten archetypischen Genres - die kleine sich verschanzende Truppe, die sich einer Übermacht zu erwehren versucht.
Und das macht einfach durchgehend Spaß - trotz des teilweise planlosen Handelns der Protagonisten wird das Ganze sauber durchgezogen mit einem sehr ordentlichen Blutzoll und einer neuen Aufgabe für den Autoscheibenwischer. Die Werwolf-Thematik wird nicht allzusehr mit alten Mythen aufgebauscht, sondern man nimmt einfach hin, daß bei Vollmond eben auch mal andere Tischsitten herrschen können.

Das die "Monster" ein wenig wie Plagiate aus einem alten "Rick Master" Comic anmuten, unterstreicht insgesamt eher den comicartigen Charakter des Films, der atmosphärisch jederzeit überzeugen kann, aber sich auch nicht allzu ernst nimmt. "Descent" ist dagegen um einiges "erwachsener", wesentlich spannender und auch deutlich origineller, aber "Dog Soldiers" ist witziger und entspannter anzusehen.

Fazit : comicartiger, sich nicht zu ernst nehmender Werwolf- Horrorfilm mit ordentlichen Gore-Effekten, tadelloser Atmosphäre und witzigen Dialogen. Man sollte sich nicht zu sehr auf die Details stürzen oder sich über die Originalität der Story mokieren, sondern sich einfach einen unterhaltsamen Abend machen, dann ist man hier bestens aufgehoben - für die Briten können die Ereignisse sowieso nicht so schlimm gewesen sein, denn zum Schluß gibt es ja noch die nötige Kompensation (7/10).

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