Man kann von Boll halten, was man will: Bis 2008 finanzierte Boll mit deutschen Medien-Fonds seine Filme und trotz viel Cash kam selten was gutes dabei raus. Seitdem Uwe seine Streifen selber finanziert, ist das Budget wesentlich kleiner und siehe da: Es springen wirklich gute Filme dabei raus: "Siegburg", "Darfur" und auch "Rampage" waren alles ordentliche Filme.
2011 schießt dieses Schlitzohr jedoch den Vogel ab: Boll wollte schon immer einen Beitrag zu "Auschwitz" abdrehen. Da wir ja schon mal die ganzen 2.Weltkrieg-Requisiten ausgeliehen haben (die auch Geld kosten, das Boll scheinbar nicht mehr hat), kreirrt er mal gerade so nebenbei den dritten Teil von "Bloodrayne", der auch in der Nazi-Zeit spielt - und wenn schon, denn schon: Hängen wir noch einen dritten Film dran: "Blubberella" - eine Art Parodie-Version von diesem dritten "Bloodrayne"-Streich.
Den Genuss der "2.Weltkrieg-Trilogy" startete ich mit "Bloodyrayne - The Third Reich" und leider ist der Streifen höchstens Mittelmaß.
Rayne (Natassia Malte) schließt sich Nathaniel´s (Brendan Flechter) Widerstandsgruppe an, um die schier endlos nachströmenden Nazi-Soldaten, die Gefangene in Konzentratrionslager per Bahn bringen, aufzuhalten. Bei dem ersten Angriff ist die Kacke schon am Dampfen: Zwar werden genug Krauts weggeschnetzelt, jedoch knippst Rayne dem ranghöchsten Offizier (zum 125. Male Michael Paré) nicht das Licht aus, sondern macht ihn zum Vampir, der durch den Biss ähnliche Superkräfte verfügt und tagsüber bei Sonnenlicht in Knoblauch beißen kann. Und somit hat Rayne ihren Endgegner für´s Finale erschaffen. Dr. Mangler (Clint Howard) ist davon begeistert: Der Aushilfs-Dr.-Mengele experimentiert sowieso schon mit Vampiren und will das Blut dem Führer (Alfonso Hatler) überbringen, damit dieser unsterblich wird...
Was Boll uns so bietet kann man als solide Action- und softe Gewaltorgie bezeichnen. Man bekommt bis zum Finale einige verschiedene Schauplätze zu sehen, die jedoch genauso zusammen passen wie die arg hölzerne Story. Hier und da mal ein Kampf mit ordentlich CGI-Blut (damit der Zuschauer nicht einschläft) und zwei Sex-Szenen (who the fuck ???), schwupps findet man sich dann auch schon nach siebzig Minuten im Finale wieder, in dem sich Vampir und Vampir gegenüberstehen.
Der zusammengeschusterte Brei will einfach nicht harmonieren: Viele Darsteller agieren hölzern und wenn man Boll etwas vorwerfen kann, dann sind es viele sinnfreie Dialoge und auch die komplett fehlende Spannung bzw. das Mitfiebern der (austauschbaren) Figuren.
Für Boll-Hater ist das gefundenes Fressen, jedoch kann ich auch dem Otto-Normal-Videothekengänger vor dem Ausleihen von "Bloodrayne - The Third Reich" abraten. Dieser Film ist kein Totalausfall, jedoch selbst wenn man einfach nur unterhalten werden möchte, bleibt man nach dem Abspann enttäuscht auf dem Fernsehsessel zurück.
Dennoch (und das werden dann doch die wenigsten sein) sollten Leute, die Werke von Uwe interessant finden, bedingungslos zugreifen. Der Audio-Kommentar ist mal wieder köstlich: Boll labert mal zwei Minuten nichts und entschuldigt dies damit, weil er mal nebenbei seine Emails checken muss. Außerdem muss er kurz mal telefonieren, weil die Welt eine Scheibe ist und sich zu schnell dreht. Abgesehen von den anderen Weisheiten oder zynischen Kommentaren, wie man sie eben bei fast jedem Boll-Film finden kann. Die Kommentar-Spur fliest jedoch nicht mit in die Wertung ein!
"Bloodrayne - The Third Reich" ist weder Fisch noch Fleisch. Kein Totalausfall, aber eben ein eher unterdurchschnittler Vampirfilm mit viel CGI-Blut (und zwei Bumsszenen), der kein Mitfiebern oder Spannung bietet und somit wenig unterhaltsam ist.
4/10