Hier eine weitere, im Laufe der Jahre ziemlich untergegangene Großproduktion aus dem ruppigen Reich der kommunistischen Weltmacht.
Die Chinesen haben sich bei ihren (oft staatlich geförderten) Big-Budget-Spektakeln selten lumpen lassen, und hauen in der Regel ordentlich auf den Putz; speziell was gigantische Bauten, riesige Sets und wuchtige Massenszenen angeht.
Auch Hoi si shan lau gehört in diese Kategorie. Ein rasantes Martial-Arts-Action-Abenteuer, angesiedelt in den 1940ern in China! Die Chinesen mögen es bekanntermaßen nicht zu kompliziert, mit viel Humor und den Fuß immer auf dem Gaspedal.
Somit wurde auch hier ordentlich Tempo gemacht, doch ist der Film auch für westliche Augen goutierbar. Der alberne Humor hält sich in Grenzen (die deutsche Synchro konnte sich den ein oder anderen Spruch á la "Heilige Frühlingsrolle!" aber nicht verkneifen) und die story ist halbwegs nachzuvollziehen. Trotzdem gibt es alle 5 Minuten irgendeinen Radau, eine neue location oder einfach eine krude Handlungskurve.
Ob die einzige mir bekannte europäische Fassung, nämlich das deutsche USA-Video-Tape, in der Handlung gestrafft wurde, kann ich nicht sagen; an einigen Ecken kommt es mir jedoch so vor...
Unser Held Tang wird nun verkörpert von Rongguang Yu a.k.a. Yung Kang Yu. Ein unbekannter Name, aber ein relativ bekanntes Gesicht aus Asias zweiter Reihe. Bis heute ist der Mann aktiv und hat in über 50 Filmen mitgewirkt, darunter auch hier bekannte Werke wie Musa The Warrior oder New Police Story.
Tang wird Zeuge eines Überfalls in der Region der Seidenstraße, Räuber attackieren eine Karawane friedlicher Kaufleute. Und attackieren ist wörtlich zu nehmen, Explosionen, Einschüsse & wilde Kämpfe sind zu beobachten. Beobachtet hat Tang aber auch eine Art Fata Morgana - eine wunderschöne Frau in prunkvollem Gewand. Sogleich ist er verzaubert von der jungen Dame und beschließt, sie unter allen Umständen zu finden... Das gibt einige Überraschungen und richtig Ärger!
Die Figur des Tang versprüht ein wenig Indiana-Jones-Flair, und hat natürlich einen leicht trotteligen sidekick (der erinnert etwas an Samo Hung). Es werden allerhand knifflige Situationen gemeistert und ständig gibt es Haue. Unsere kleinen lächelnden Freunde sind dabei nicht zimperlich, wie gesagt, gibt es prächtige Einschüsse und derbe Kloppe zu erleben. Zudem einige Fights zwischen Männlein und Weiblein, wo aber auch keine Gefangenen gemacht werden!
Oh, und einen richtig krassen Feuerstunt muß ich erwähnen, mit der heftigste, den ich je sah! Der Typ brennt einfach komplett und trägt keinen Super-Schutzanzug oder eine Schutzhaube auf dem Kopf - und der ist ewig lang im Bild, fährt Motorrad und sprengt sich dann selbst in die Luft! Da kennen die Chinesen kein Pardon!
Gekämpft wird mit viel Enthusiasmus und bei jeder Gelegenheit. Meist in einer unterhaltsamen Mischung aus Jackie-Chan-Fights und Spencer/Hill-Kloppe. Auch die sonstige akrobatische Action mit Mensch und Tier, sowie allem was so rumsteht kann sich sehen lassen.
In Punkto Kultur hat man auch einige interessante Szenen parat, so z.B. diesen recht bekannten (mongolischen?) Wettkampf, bei dem über 30 Reiter einem geköpften Schaf hinterherjagen (also... das Schaf bewegt sich nicht mehr aus eigenem Antrieb...). Zudem wird die Breitwand recht schön genutzt und es gibt viele nette Panoramen. Die restliche Kameraarbeit ist teilweise für den westlichen Zuschauer etwas ungewöhnlich, es gibt kaum close-ups von sprechenden Personen und die gesamte Optik ist etwas distanziert zum Geschehen. Trotzdem ein wirklich lohnender Film, der natürlich ziemlich selten/unbekannt ist.
Wer die Kassette von USA-Video mal für ein paar Euro findet, sollte als Eastern-Freund und/oder generell Filmverrückter auf jeden Fall zugreifen.
Flotte Unterhaltung mit gelungenen Panorama-shots, fetten Massentumulten und ordentlich Action! 6/10