Review
von Leimbacher-Mario
Eine Hochzeit & viele Liebesfälle
Ich würde mich als offenen Filmliebhaber beschreiben, der keinem Genre besonders abgeneigt ist. Und trotzdem komme ich nicht drum herum, zuzugeben, dass ich mich in Sachen Bollywood so gut wie gar nicht auskenne. Von den überlangen, bunten, eigentlich sehenswerten Liebesepen habe ich selbst die Speerspitze noch nicht gesehen. Und auch wenn "Monsoon Wedding" kein klassischer Bollywood-Film ist, macht er nicht nur allgemein Freude, sondern auch Lust auf Filme aus diesem, in jeder Hinsicht beeindruckenden Land. Ein weiterer Grund, warum ich den Film in meinem Barnes&Noble-Kauf von etlichen Criterion-Blu-rays einschloss, war meine Neugier, ob wir ihn nicht mal irgendwann in der Schule (Englisch-LK?) angeschaut hatten. Noch weit bevor ich mich für anspruchsvollere Filme interessierte, irgendwo verblasst neben den wichtigeren Dingen (Freunde, Frauen, Fun) des Schulalltags. Nun, nach dessen Sichtung bin ich auch nicht wirklich schlauer, glaube aber eher es war ein anderer Film über Inder in England & MultiKulti. Es wäre aber definitiv eine fordernde & lohnende Aufgabe gewesen, den Film zu verstehen (ein schneller & die Untertitel hetzender Mix aus Indisch & Englisch wird gesprochen), geschweige denn zu analysieren.
In dem Film von 2001 geht es um eine indische Hochzeit. Kurz gesagt - aber schwer umzusetzen & mit mehr Chaos verbunden, als irgendwo anders auf der Welt. Dagegen sieht die "Big Fat Greek Wedding" aus wie ein Kindergeburtstag. Konzentriert wird sich dabei vor allem auf die 3 jüngeren Frauen der Familie, deren unterschiedliche Arten & Wege Glück & Liebe zu suchen. Unter der wunderschönen, bunten, lebensfrohen Oberfläche der Hochzeitsgesellschaft, wuchern dabei nicht nur Spannungen, Enttäuschungen & Verwirrung, sondern zum Teil auch noch viel dunklerer Geheimnisse & Fragen. Gerade diese passen vielleicht nicht so sehr in das erwartete Muster & den restlichen Film, im Endeffekt wird die Balance zwischen Leichtigkeit & Schwermut aber meist gefunden. Das die indische Familie dabei nicht anders, vielleicht nur etwas potenziert ist, zu unseren westlichen großen Festen & Aufeinandertreffen, macht den Film universeller & noch sympathischer.
Beeindruckt war ich auch, von dem Bild & den geschilderten Problemen der indischen Gesellschaft. Ein ständiger Clash der Kulturen, zwischen klassischen Werten & modernem Einfluss. Auch nicht viel anders als bei uns, nur extremer & typisch indisch. Vielleicht gegen Ende etwas zu plötzlich & undramatisch aufgelöst, aber mitreißende Musik & Tänze lassen das kurzzeitig vergessen. So hat das überraschend tiefgreifende Werk seine goldenen Auszeichnungen & unzähligen Nominierungen verdient. Und wenn solch wichtige Aussagen über Vorurteile, Familie, Freiheit & Liebe durch eine fluffige Inszenierung besser im Gedächtnis der Masse hängen bleiben, sei dem Film dieses manchmal unausgewogene Ansatz verziehen. Schon allein die Aufnahmen aus Delhis Straßen als atmosphärisches Füllmaterial sind sehenswert & immer wieder faszinierend!
Fazit: dieser tolle Mix aus Bolly- & Hollywood verbreitet gute Laune - jedoch nicht ohne ein vielseitiges Bild der indischen Gesellschaft zu Beginn des neuen Jahrtausends zu zeichnen!