Review

kurz angerissen*

Von toller Fotografie zu sprechen bei einem Film, der eigentlich die Perspektive einer Erblindenden einfangen möchte, mag zynisch klingen, entspricht im Fall dieser spanischen Guillermo-del-Toro-Produktion allerdings den Tatsachen. "Julia's Eyes" steht ästhetisch klar in der Kategorie landesgleicher Horror-Thriller-Mischlinge wie "Das Waisenhaus" und "The Body", sucht Tiefe in steriler Bildsprache und dunklen Ecken und schickt reife, gefasste Frauen anstatt von labilen, kreischenden US-Girlies ins Rennen. Dazu wird ein Plot serviert, der von Anfang an unverhohlen auf Plottwists ausgelegt ist und den Weg dorthin mit wilden Verästelungen bestreitet.

Japan hat mit "The Eye" gezeigt, dass schwindendes Augenlicht für hervorragende Gruselmomente herangezogen werden kann, doch wirklich unbehaglich ist die schwindende Welt von Julia allenfalls für Julia selbst. Weichzeichner, Fokusverschiebungen und Blur-Effekte werden grundsätzlich auf einfallsreiche Weise eingesetzt, dann allerdings nur selten in vollem Umfang genutzt.
Eine gewisse Ineffektivität muss man dabei nicht nur den Horror-, sondern selbst den Thriller-Elementen unterstellen. Umständliche Ereignisketten erzeugen Ungereimtheiten und stellen den Zufall auf die Probe, damit auch die Intensität der Spannung. Der Epilog dann wiederum erscheint unangemessen kitschig in Anbetracht der emotional unterkühlten Aufmachung des Hauptfilms.

Zu empfehlen ist "Julia's Eyes" aber dennoch wegen der angenehm reifen Darstellergarde, dem sprudelnden Einfallsreichtum des Drehbuchs und des hochwertigen Handwerks.

*weitere Informationen: siehe Profil

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