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Grundlegend ist es immer löblich, wenn Filmemacher die platt getretenen Pfade gängigen Horrors verlassen, um eigene Ideen mit überschaubarem Budget umzusetzen. Doch Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Jeremiah Sayys isoliert sich förmlich mit seiner eigenen Idee und überlässt das Feld der Interpretationsfreudigkeit der Zuschauer, was nicht nur eine Menge Geduld erfordert.

Colby (Sayys) kehrt nach einiger Abstinenz ins Haus zurück, in dem er mit seiner kürzlich verstorbenen Frau Annabelle lebte. Depressiv und von Schuldgefühlen geplagt, isoliert er sich zusehends von der Außenwelt und lässt nur noch seine kleine Schwester Haley an sich heran. Und die unheimlichen Flüsterstimmen und grummelnden Monstergeräusche scheinen langsam Gestalt anzunehmen...

Natürlich geht es in erster Linie um Trauerbewältigung, was Menschen sehr individuell angehen. Nur klammert Sayys das komplette Drumherum aus: Es gibt keine Vorgeschichte, keine zeitlichen Zuordnungen, es wird am Rande die Tätigkeit des Sporttauchers erwähnt, jedoch keine Silbe von den Todesumständen seiner Frau, auch wenn einige Flashbacks für einen gewaltsamen Tod sprechen.

So wohnt man Colby eine gefühlte Ewigkeit bei, wie der Mann immer wieder regungslos ins Leere starrt, regelmäßig Pillen einnimmt und ab und an bei den Monstergeräuschen zusammenzuckt, welche im Verlauf immerhin zunehmen und im Kontext mit der latent vorherrschenden Düsternis in der Wohnung zumindest nicht gänzlich lahm ausfallen.
Eklatante Schwächen machen sich indes im Zusammenspiel mit einigen anderen Figuren bemerkbar, da die Dialoge durchweg unpointiert bleiben und selbst Haley und er häufig aneinander vorbei reden.

So sitzt Sayys die meiste Zeit über in seiner eigenen abgedunkelten Wohnung, schweigt vor sich hin und meint, mit seinen schwermütigen Gesichtsausdrücken ein Psychodrama gestalten zu können, was auf Dauer einfach nur ermüdet. Ein paar Flüsterstimmchen mit den stets selben Worten und ein paar angedeutete Schatten bewirken nicht gerade Gänsehaut und auch wenn die (innere) Bedrohung gegen Ende ein wenig konkreter ausfällt, so bleibt letztlich wenig Pointiertes im Raum.

Darstellerisch ist das mit kleinen Abstrichen sogar noch okay und die Sounduntermalung fällt sogar deutlich überdurchschnittlich aus, doch mit geballtem Minimalismus lockt man allenfalls Zuschauer an, die in einem roten Punkt auf weißem Hintergrund eine Paprikaplantage im Andenhochland sehen und bereit sind, mithilfe von vagen Andeutungen ein komplettes Psychogramm zu erstellen.
Durchschnittlichen Horror - und Mysteryfans dürfte das zu wenig sein und auch wenn hinter dem Projekt Herzblut stecken mag, - innerhalb der Umsetzung kommt dieses nicht zur Geltung.
3 von 10

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