Talent und Können müssen zwangsläufiger Weise nicht immer die primären Indikatoren einer erfolgreichen Schauspielkarriere sein. Manchmal kann auch eine gehörige Portion Vitamin B äußerst hilfreich sein, bestes Beispiel hierfür ist der Werdegang von Lorenzo Lamas. Vater Fernando Lamas, ebenfalls Schauspieler, war jahrelang mit dem Star der beliebten 80er Soap "Falcon Crest" Jane Wyman befreundet und setzte sich vehement für ein Mitwirken seines nur bedingt begabten Sohnes in der Serie ein, so kam Lorenzo Lamas an die Rolle des Lance Cumson, die er in allen 227 Folgen (1981-1990) verkörpern durfte. Neben seiner Serientätigkeit fürs TV versuchte sich Lamas ab Ende der 1980er Jahre auch mehr oder weniger überzeugend in zahlreichen drittklassigen B-Action-Movies, Snake Eater (1989) war sein Debüt als filmtragender Hauptdarsteller, bei welchem George Erschbarmer die Regie übernahm.
Das Drehbuch wurde von Michael Paseornek in Kooperation mit John Unnik verfasst und liest sich oberflächlich bewertet eigentlich nicht ganz uninteressant, da die genretypischen B-Action Standardklischees ausreichend bedient werden, was in den meisten Fällen eigentlich auch grundsolide Hirn-Aus Actionkost bedeutet, aber wie schon gesagt, in den meisten Fällen. Lorenzo Lamas ist Jack Kelly, alias Soldier, ein Polizist und ehemaliges Mitglied der Marine Sondereinheit Snake Eater. Als minderbemittelte Hinterwäldler angeführt von Junior (Robert Scott) seine Eltern töten und seine Schwester Jenny (Cheril Jeans) in eine Waldhütte entführen, sinnt Kelly nach Rache. Mit den herausragenden Fähigkeiten aus seiner Special-Forces Zeit versucht Kelly seine Schwester zu befreien und sich an den skrupellosen Gangstern zu rächen.
Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch unweigerlich auf, welch grenzdebiler Mumpitz dem Zuschauer unter dem Deckmantel kostenreduzierter Actionunterhaltung geboten wird, da die filmische Ausarbeitung von den Storyinhalten und von den Filmcharakteren so unterirdisch schlecht ausgefallen ist, dass es fast schon weh tut. Snake Eater versucht unterschwellig lustig sein, doch peinliche Sprüche und hirnrissigste Wendungen animieren einen eher zum Kopf schütteln als zum Schmunzeln, wenn sich der Hauptprotagonist bei einem verdeckten Einsatz beispielsweise tot wichsen möchte oder sich mit seinem Kampfmesser den 3 Tage Bart rasiert, spricht dies über das intellektuelle Niveau des Streifens absolut Bände. Den sprichwörtlichen Vogel schießt er jedoch ab, als er mit lächerlichen Survival-Fallen einen auf MacGyver für Arme macht. Die Antagonisten sind auch kein Gramm besser, dümmer und nerviger als ein Stück Brot umgesetzt, wenn sie sich exemplarisch genannt in primitivsten Dialogen darüber unterhalten, ob sie ihr Opfer nun abstechen oder doch lieber begatten wollen.
Wenn dann die viel zu selten vorkommende Action technisch wenigstens von Regisseur George Erschbarmer einigermaßen passabel umgesetzt worden wäre, könnte man sich Snake Eater mit ausreichend Gerstensaft schön trinken, aber auch das ist bei diesem langweiligen, qualitativem Totalausfall nahezu unmöglich. Übersichtlichkeit ist ein Fremdwort, die Schlägereien erinnern unfreiwillig an Peter Steiners Theaterstadl und die Gegner fallen um, obwohl sie gar nicht getroffen werden, einzig und allein die ein oder andere annehmbar dargestellte blutige Schusswunde kann als einigermaßen gelungen bezeichnet werden. Der Härtegrad von Snake Eater ist ehrlich gesagt ein schlechter Witz, ich verstehe nicht woher der Film seine FSK 18 samt der Indizierung bezogen hat, wahrscheinlich wollte man die Jugend nur vor der totalen Verblödung schützen.
Schauspielerisch muss festgehalten werden, dass Lorenzo Lamas eindeutig die beste Figur macht und das sagt über die Klasse der weiteren Darsteller wirklich alles aus. Es sind übelste D-Mimen am Werk, die jeder Beschreibung spotten. Selbst die unter schlechten Schauspielern "begehrte" goldene Himbeere wäre wie Perlen vor die Säue schmeißen. Lamas selbst ist natürlich meilenweit davon entfernt, eine annehmbare Performance abzuliefern, im Endeffekt kann er dem übrigen Cast sogar dankbar sein, denn dann fällt nämlich sein eigenes Trauerspiel nicht ganz so ins Gewicht.
Was für mich absolut nicht nachvollziehbar ist, dass man dem 1,2 Millionen Dollar teuren Snake Eater nach dieser Enttäuschung tatsächlich mit Snake Eater II - Snake Eater's Revenge (1989) und Snake Eater III (1992) noch zwei weitere Fortsetzungen spendierte. Hier hätte man die Produktion einstellen müssen, der Film kann eigentlich nur als abschreckendes Beispiel funktionieren. Snake Eater ist unterste B-Movie Ausschussware, die ich nicht einmal dem härtesten B-Action Sympathisanten empfehle. Ein Film zum Vergessen und da eine Wertung von 0 Punkten nicht möglich ist, erhält das Machwerk einen grünen, kotzenden MovieStar. 1 von 10 Punkte.