Die Dokumentation "Hugh Hefner - Playboy, Activist and Rebel" lief letztes Jahr recht erfolgreich auf diversen Festivals, allerdings nur in einigen Städten der USA im Kino und kam dort bald auf DVD raus.
Die deutschstämmige Dokumentarfilmerin Brigitte Berman schuf aus stundenlangen Interviews mit Hefner selbst, mit Zeitzeugen, Freunden und Gegnern und aus Filmausschnitten ein komplexes Porträt einer schillernden Persönlichkeit.
Ich fand Bermans Film enorm unterhaltsam, spannend und v. a. aufschlussreich. Hefner ist hierzulande ja eher als pyjamatragender Lustgreis bekannt, dessen letzte Ehefrau gerade mal 25 ist (gut, wenn ich mit über 80 noch eine so junge, attraktive Frau hätte, wäre mir der weltweite Spott auch egal!). Was aber außerhalb der USA oft nicht bekannt ist (und vermutlich da auch nicht unbedingt): Hefner war gerade in den ersten beiden Jahrzehnten des Playboys (also von 1953 bis Mitte der 70er Jahre) ein entschiedener Bekämpfer von Rassismus, Zensur und religiöser Engstirnigkeit. In seinen Kabel-TV-Talkshows (z. B. Playboy after dark) und Clubs bot er erstmals schwarzen Musikern, Schauspielern und Stand-up-Comedians die Möglichkeit, in einer entspannten, liberalen Klub-Atmosphäre vor einem Millionenpublikum aufzutreten. Und als ein Franchise-Nehmer des Playboy Clubs in New Orleans aufgrund der dortigen Gesetze 1962 keine Schwarzen reinlassen durfte, entzog Hefner ihm die Lizenz, übernahm den Laden und klagte erfolgreich gegen diese Gesetze in Louisiana. Ende der 60er traten Vietnam-Kriegsgegner wie Joan Baez und Country Joe and the Fish bei ihm auf und sangen ihre Antikriegs-Lieder - etwas, was in anderen Shows des US-Fernsehens nicht ging. Zudem publizierten Autoren, die durch die "Schwarzen Liste" als antiamerikanische (= kommunistische) Autoren mit einem Berufsverbot belegt waren, im Playboy-Magazin unter ihrem Namen weiterhin Geschichten. Ein anderes Merkmal, auf den Bermans Doku eingeht, war das Playboy-Interview. Das erste Interview wurde mit dem Jazztrompeter Miles Davis geführt, der offen wie nie zuvor über den alltäglichen Rassismus in den USA der 60er sprach. Namhafte Interviewpartner gabs in Massen, ebenso berühmte Autoren wie John Updike oder Ray Bradbury. In der Hochzeit des Magazins wurden 7 Millionen Exemplare pro Monat verkauft.
Zur Sprache kommen auch seine Kämpfe mit der Zensur, Kirche und mit Feministinnen. Letztere kommen auch zu Wort (im Interview als Zeitzeugen und in Filmausschnitten). Immerhin ist Hefner so ehrlich zuzugeben, dass ihm damals manche Argumente nicht einfielen in diesen Debatten. Es taucht natürlich auch die berechtigte Frage auf, ob Playboy nun Frauen zu Objekten männlicher Triebe macht oder sie umgekehrt nicht sogar vielmehr befreit und emanzipiert hat. Die Antwort (die die Dokumentation nicht gibt) muss man mit sich selbst ausmachen und liegt wohl in der Mitte.
In einigen Kritiken wurde bemängelt, dass Bermann Hefners Charme auf dem Leim gegangen sei und zu unkritisch sei. Dies kann ich nicht bestätigen - der Film zeigt einfach nur die Widersprüchlichkeiten seines faszinierendes Lebens, das eines Paschas und liberalen Bürgerrechtsaktivisten, der sicherlich einiges zur Liberalisierung der USA beigetragen hat. Konservative Christen wie Schmalzsänger Pat Boone entlarven sich hier eher unkommentiert selbst, auch ohne jeden Off-Kommentar.
Schwerpunkt bleiben die 50er-70er Jahre, die Kämpfe und Skandale der 80er werden nicht ausgeblendet, verblassen aber gegenüber den Entwicklungen der Jahre zuvor. Inzwischen kontrolliert Hefner sein Heft immer noch, sucht die Titelbilder und die Centerfolds eigenhändig aus.
Er ist und bleibt ein faszinierender Zeitzeuge und Bermans Doku spiegelt das mehr als gelungen wieder. Sehenswert!