Review
von Leimbacher-Mario
Liebe macht blind. Oder war es blöd?
"The Next Three Days" stand lange auf meiner Watchlist. Guter Ruf, große Namen, Thriller gehen immer, das französische Original ist sehr solide. Leider muss ich hier dem allgemeinen Konsens widersprechen. Recht energisch sogar. So ist das eben. Man kann sie nicht alle lieben. Bevor ich zu den Gründen meiner mittelschweren Enttäuschung komme, hier erstmal die simple (und irgendwie hanebüchne) Story: eine Frau begeht möglicherweise einen Mord und ihr Mann, eigentlich nur recht unspektakulär Lehrer, versucht sie dann aus dem Knast zu holen. Nicht etwa durch Suchen von entlastenden Beweismitteln oder dem wahren Täter, sondern in dem er einen auf John McClane macht und mit ihr ausbricht... In diesem überlangen Knastausbruch verstehe ich so gut wie keine Entscheidung. Klar hangelt sich das Original an den gleichen Grundsäulen entlang, doch dort war alles viel deutlicher herausgearbeitet und nachvollziehbarer. In Paul Haggis handwerklich solidem Remake funktionieren Dinge wie Charakterentwicklung oder Spannungsaufbau selten. Was nur meinen Eindruck bestätigt, dass es keinen schwächeren Regisseur gibt, von dem jemals ein Film den Best Picture-Oscar gewonnen hat. Allein die letzten 20 Minuten reißen einen aus dem Schlaf.
Warum hat der spannungsarme und liebesgetränkte Befreiungsversuch für mich nicht funktioniert? Wie wäre es mit der fehlenden Chemie zwischen Banks und Crowe anzufangen. Beide spielen für sich genommen grundsolide. Doch zu keiner Sekunde habe ich ihnen ihre alle Hindernisse überwindende Verbindung abgekauft. Ähnlich ging es mir mit ihren Motivationen und dem völlig oberflächlichen "Spiel mit der Wahrheit", ob sie nun eine Mörderin ist oder nicht. Zudem nervte das Kind der beider durch stilles Nichtstun und die ersten 3/4 ziehen sich wie Kaugummi. Wenn man null Verbindung zu den realitätsfern agierenden Figuren hat, dann wiegt dies umso schwerer. Erst recht wenn sich der Thriller ernst nimmt als sei er ein Clint Eastwood-Drama aber die abgebildeten "Menschen" sich eher wie in einem McG-Vehikel verhalten. Das Sonnenschein-Finnish setzte da nur noch den madigen Schlusspunkt. Für mich vertane zwei Stunden. Wir haben uns vielleicht vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Doch mein erster Eindruck ist vernichtend. Eigentlich nur eine durchschnittliche, auf Nummer sicher gehende Kopie des französischen Geheimtipps. Nur leider ohne jegliche von dessen Qualitäten. Die Glaubhaftigkeit ist vollkommen absent. Selbst wenn man nicht nach ihr sucht.
Fazit: ein Film voller falscher Entscheidungen. Ein Happy End, das mir egal war, das ich den Figuren sogar nicht wirklich gönne. Ich bleibe beim französischen Original. Dieser Hollywood-Version konnte ich außer Frust, Langeweile und Kopfschütteln wenig abgewinnen. Da retten sogar die engagiertesten Topdarsteller nur noch minimal. Überschätzt!