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Bei dem dramatischen Action-Thriller „Tomorrow, when the War began“ (2010) handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen (hierzulande unter dem Titel „Morgen war Krieg“ erschienen) Romans aus der Feder des australischen Schriftstellers John Marsden, der 1993 den Auftakt einer siebenteiligen Jugendbuch-Reihe markierte, welche sich insbesondere in ihrem Ursprungsland bis heute großer Beliebtheit erfreut sowie zwischen 2003 und 2006 in Gestalt dreier „Spinoff“-Werke („the Ellie Chronicles“) eine zusätzliche Erweiterung fand. Lange Zeit sträubte sich Marsden dagegen, die Rechte an dem Stoff zu veräußern – bis er sich irgendwann schließlich doch überzeugen ließ und das Projekt im Folgenden dann unter der Führung seines Landsmanns Stuart Beattie in Produktion ging. Jener hatte sich zuvor mit seinen Drehbüchern zu mehreren „High-Profile“-Veröffentlichungen der Traumfabrik Hollywoods (u.a. „Pirates of the Caribbean“, „Collateral“, „30 Days of Night“, „Australia“ und „G.I. Joe“) einen geachteten Namen innerhalb der Branche erworben – worauf er nun auch erstmalig (neben dem Liefern der Skript-Vorlage) die Aufgaben bzw. den Posten des Regisseurs übernahm…

Ellie Linton (Caitlin Stasey) ist eine zu gleichen Teilen clevere, attraktive wie sympathische Siebzehnjährige, die auf einer Farm nahe des Küstenstädtchens Wirrawee zuhause ist und eines Tages nun auf die Idee kommt, gemeinsam mit einigen Freunden zu einem Camping-Trip ins Hinterland aufzubrechen. Ihr Ziel markiert dabei ein abgelegenes Tal, in welchem sich ein wahrhaft paradiesisches, seitens der Einheimischen ironischerweise aber „Hell“ genanntes Fleckchen Erde finden lässt – inklusive See, Wasserfall und üppiger umringender Vegetation. Neben Corrie (Rachel Hurd-Wood), ihrer „BFF“, die frisch mit Kevin (Lincoln Lewis) liiert ist und sich entsprechend auf jede freie Sekunde in seiner Gegenwart (außerhalb der „Reichweite“ ihrer Eltern) freut, ist auch der stets in unterschiedlichen Schwierigkeiten steckende „rebellische“ Grieche Homer (Deniz Akdeniz) mit von der Partie – ebenso wie die hübsche Fi (Phoebe Tonkin), welche man durchaus als ein verwöhntes reiches (aber nettes) „Püppchen“ aus der Stadt beschreiben kann, die religiöse Robyn (Ashleigh Cummings) sowie der meist eher ruhig auftretende Lee (Christopher Pang), auf welchen Ellie zuletzt zunehmend (und dennoch weiterhin zaghaft) ein interessiertes Auge geworfen hat...

Ausgelassen verleben sie vor Ort einen wirklich schönen Ausflug – doch als sie schließlich nach Wirrawee zurückkehren, dauert es nicht lange, bis sie feststellen müssen, dass irgendeine Veränderung eingetreten ist bzw. etwas schlichtweg nicht (mehr) stimmt: Die umliegenden Häuser, Höfe und Grundstücke sind allesamt menschenleer, so manch ein Tier wurde einfach seinem Schicksal überlassen, nur eigene Generatoren liefern noch Strom, das Internet ist nicht erreichbar und keinerlei Handy-Signal vermag empfangen zu werden. Könnte das mit den vielen Militärflugzeugen in Verbindung stehen, die einige Nächte zuvor über sie hinweg geflogen sind? Spätestens als sie (heimlich und achtsam) ins Stadtzentrum vordringen, findet diese Vermutung ihre schreckliche Bestätigung: In ihrer Abwesenheit wurde Australien von einer fremden Militärmacht angegriffen und (zumindest in Teilen) besetzt – die Anwohner hat man auf dem Jahrmarktgelände zusammengetrieben und interniert. Nachdem sie u.a. Zeuge einer Hinrichtung werden und selbst nur knapp mit dem Leben davonkommen, ziehen sie sich vorerst wieder ins Umland zurück, wo sie sich bezüglich ihrer Optionen beraten und letztlich zu der Entscheidung gelangen, weder aufzugeben noch zu versuchen, die Situation „irgendwie auszusitzen“ – sondern stattdessen aktiv (vorrangig per Anwendung klassischer Guerillataktiken) Widerstand zu leisten bzw. auf diesem Wege den Kampf gegen die Invasoren aufzunehmen...

„Tomorrow, when the War began“ erinnert natürlich unweigerlich an den berüchtigten 1984er US-Streifen „Red Dawn“, welchen der politische Hardliner John Milius innerhalb der Epoche des „Kalten Krieges“ sowohl als Propaganda-Werk als auch manipulative Allegorie (z.B. auf den amerikanischen Einsatz in Vietnam) konzipierte und realisierte – allerdings kann man im vorliegenden Fall (zum Glück) recht zügig „beruhigt aufatmen“, denn trotz eines im Prinzip nicht unähnlichen Subtexts zielt dieser Film hier in erster Linie (unverkennbar) darauf ab, sein Publikum bestmöglich zu unterhalten, und nicht etwa in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Selbstverständlich weist Beattie auf vorhandene Parallelen zur historischen Kolonialisierung des Landes durch europäische Kräfte hin, welche damals ja ebenfalls nicht gerade „achtbar“ mit den Ureinwohnern umgingen – jedoch geschieht dies bloß am Rande, ohne es dem Zuschauer aufzudrängen: Vielleicht ein wenig oberflächlich, ja – aber noch immer besser, als diesen Aspekt zu vordergründig zu gestalten oder völlig unter den Tisch fallen zu lassen. Eine Gegebenheit, die zu einigen „kontroversen Reaktionen“ führte, stellt die präsentierte ethnische Zugehörigkeit der Aggressoren dar: Während im Buch keinerlei Hinweis auf ihre Herkunft gegeben wird, handelt es sich bei ihnen im Film um eine aus mehreren asiatischen Staaten bestehende Koalition, welche es auf die reichhaltigen Rohstoffvorkommen der Region abgesehen hat. Obgleich frei spezifischer Details in dieser Beziehung – zum Beispiel ist die verwendete Sprache eine rein fiktive – beruht dieses Szenario aber dennoch auf der realen geopolitischen Lage Australiens und greift somit (entsprechend) bestimmte tatsächlich existierende kulturelle Ängste auf, ohne diese allerdings direkt zu thematisieren...

Wie von einem der Protagonisten im Verlauf auch klar auf den Punkt gebracht, ist es (unterm Strich) im Grunde genommen überhaupt nicht von Bedeutung, wer genau die Angreifer nun eigentlich sind: Die Jugendlichen interessieren sich nicht für ihre Nationalitäten und Motive, denn ihre Anwesenheit und begangenen Taten genügen ihnen als Rechtfertigung und Antrieb ihrer Gegenwehr – und da die Geschichte strikt aus ihrer Perspektive heraus erzählt wird, ist das so auch absolut in Ordnung bzw. vollkommen legitim. In Anbetracht dessen, dass sie im Zuge ihrer Kämpfe nur auf „einfache Soldaten“ treffen, wird die Anonymität des Feindes zusätzlich unterstrichen – schlichtweg weil in der Story kein Oberbefehlshaber (wie etwa ein General oder Politiker) vorkommt, der jenen Streitkräften (ggf.) ja ein „konkretes Gesicht“ verleihen würde. Dieser „begrenzte Rahmen“, also das ausschließliche Aufzeigen von Ereignissen, an denen Angehörige der kleinen Gruppe beteiligt sind, führt (gezwungenermaßen) dazu, dass sich eben jene rein in der Gegend um Wirrawee entfalten und solche wie die Invasion an sich oder weitere aktuelle Zustände an anderen Orten im Lande nie aufgezeigt werden – was auf jeden Fall aber positiv zu werten ist, da das Gesamtbild so stets fokussiert verbleibt. Getreu seines umfassenden Konzepts nimmt sich der Streifen eingangs genügend Zeit, seine Charaktere anständig einzuführen: Ihr gemeinschaftlicher Trip, der seitens des vermittelten Eindrucks übrigens wunderbar „locker-leicht“ arrangiert wurde, bringt sie sowohl einander als auch dem Betrachter näher – wonach sie im Folgenden dann in eine „veränderte Realität“ zurückkehren, die düsterer und erschreckender kaum sein könnte...

Großes Lob gebührt den Verantwortlichen hinsichtlich der zusammengestellten Besetzung: Durch die Bank weg erfüllen die (hauptsächlich aus einheimischen TV-Serien bekannten) Jungdarsteller die ihnen abverlangten Aufgaben Schrägstrich Anforderungen – nämlich gut auszusehen und die einzelnen Parts (inklusive ihrer jeweiligen Persönlichkeitsausprägungen) dabei zudem möglichst glaubwürdig darzubieten. Caitlin Stasey (TV´s „Neighbours“) ist nicht nur eine natürliche Schönheit, sondern kann obendrein ein feines Maß an Talent vorweisen – was sie geradezu für eine internationale Karriere prädestiniert. Sie verfügt über Charisma und meistert die Rolle der Ellie, welche ja die „treibende Kraft“ der Teenager markiert sowie die allgemeine Basis-Stimmung sporadisch (u.a. per Voiceover) in treffende Worte kleidet, dank solcher Eigenschaften wie einer prima transportierten Kombination aus Verletzlichkeit und tougher Entschlossenheit restlos zufrieden stellend. Den verhältnismäßig stereotypen „Bad Boy“ Homer, der aber rasch ungeahnte Führungsqualitäten an den Tag legt, verkörpert Denzi Akdeniz (TV´s „As the Bell rings“) ohne Anlass zur Klage und bietet auf diesem Wege eine sympathische Identifikationsfigur – wohingegen Chris Pang („Em 4 Jay“) und Lincoln Lewis („Bait“) als Lee bzw. Corrie´s Freund Kevin leider eher blass verbleiben. Jene wird von der bereits recht „erfahrenen“ sowie eine rundum solide Performance abliefernden Britin Rachel Hurd-Wood („Dorian Gray“) gespielt – ferner wissen auch Phoebe Tonkin (TV´s „H20“) und Ashleigh Cummings („Dream Life“) zu gefallen, allen Klischees ihrer Parts zum Trotz. Unglücklicherweise trifft das jedoch nicht auf den „Stoner“ Chris (Andrew Ryan) zu, welcher sich ihnen gegen Halbzeit anschließt – seine ganze Art (Humor, Attitüde etc.) wirkt einfach zu forciert. Als Zahnarzt, der sich jetzt mit Aufgaben wie das Versorgen von Schusswunden konfrontiert sieht, ist überdies noch das Cameo Colin Friels´ („Dark City“) erwähnenswert...

Beattie´s Drehbuch-Adaption bleibt der beliebten Vorlage weitestgehend treu, was Fans der Buchreihe erfreuen dürfte sowie bis hin zu so manch einer verwendeten Original-Dialogzeile reicht – von denen sich einige allerdings (mit Sicherheit) besser lesen als laut ausgesprochen vernehmen lassen. Gelegentlich wäre es gewiss vorteilhafter gewesen, spezielle Emotionen und Empfindungen lieber nonverbal zu kommunizieren, statt sie frei heraus vorzutragen: In diesem Bereich sind dem Skript punktuelle Schwächen zu attestieren. In Sachen Charakterzeichnung wurden potentiell optimierende Ergänzungen offenbar einem zügigen Verlaufsfluss untergeordnet – was es einigen Zuschauern eventuell erschweren könnte, zu der einen oder anderen portraitierten Person eine wirklich ergiebige Verbindung aufzubauen. Der Subtext der Story ist dennoch stets klar erkennbar und wurde außerdem auch passabel angegangen: Es geht ebenso um das Bewahren seiner Menschlichkeit wie um den „Verlust der Unschuld“ im Angesicht einer schrecklichen Bedrohung, um das Entdecken individueller Stärken, ums über sich Hinauswachsen, das „erzwungene innere Heranreifen“ sowie um die unterschiedlichen Auswirkungen des Kampfes bzw. Krieges auf diese jungen Leute. Jeder geht anders mit den belastenden Umständen der neuen Situation um: Nach dem Töten eines Soldaten erklärt Ellie ihre aus ihrem persönlichen „moralischen Dilemma“ resultierende Entscheidung etwa damit, dass ihr das eigene Leben „am Ende des Tages“ nunmal mehr bedeutet als das eines Feindes. Besonders tiefschürfend werden diese Thematiken aber nicht ausgelotet – durchgehend genießt die von einem unaufdringlichen Sinn für Humor sowie der generellen „Was würde ich tun?“-Frage zusätzlich genährte „Entertainment-Ausrichtung“ oberste Priorität…

Bei einem Plot wie diesem ist ein bestimmtes Maß an „suspension of disbelief“ (seitens des Publikums) im Prinzip eine unumgängliche Notwendigkeit, welche sich hier (im Hinblick aufs grundlegende Sehvergnügen) unterm Strich jedoch lohnend auszahlt: Etliches muss man halt schlichtweg als „gegeben“ hinnehmen – wie dass sich die Angst und Panik der Teens alles in allem in Grenzen hält oder ihre Gegner offenbar nicht unbedingt die besten Schützen sind. Eindrucksvoll beweist das fertige Ergebnis, dass Regie-Debütant Beattie die gesamte Produktion fest im Griff hatte: Die erzeugte Atmosphäre ist stimmig und wird (nach und nach) zunehmend düsterer, es sind sowohl vereinzelte brutale als auch mehrere angenehm spannende Sequenzen auszumachen, worüber hinaus die arrangierten Action-Setpieces ausnahmslos überzeugen können, ohne je übertrieben zu wirken – primär beziehe ich mich da auf den Abschuss eines Jets, die Bombardierung einer Farm, eine sich zwischen einem Laster und zwei Militär-Buggys entfaltende Verfolgungsjagd sowie auf das große Finale, bei dem die Sprengung einer strategisch wichtigen Brücke im Zentrum der Geschehnisse steht. Die F/X-Arbeit ist hochwertig, seinen schicken Look verdankt der Film Cinematographer Ben Nott („Daybreakers“) sowie seinen brauchbaren Score dem Duo Reinhold Heil und Johnny Klimek („the International“). Ferner ist das Sound-Design ungemein effektiv und sind die verwendeten Songs allesamt eingängig – obgleich es definitiv inspirierter gewesen wäre, den Abspann mit einem weniger „beschwingt“ klingenden Stück zu unterlegen. Trotz des hohen Unterhaltungsgrads könnten einige Zuschauer aber durchaus anmerken bzw. bemängeln, dass ihnen das Gebotene zu stark wie das erste Kapitel einer Franchise anmutet – bloß handelt es sich hierbei ja um genau ein solches „Einstiegswerk“, weshalb sich jeder eigentlich von Anfang an darüber im Klaren sein müsste, dass im Vorliegenden (z.B.) die Figuren stärker im Vordergrund stehen als die kämpferischen Auseinandersetzungen. Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls schon sehr auf ein (möglichst baldiges) Wiedersehen mit Ellie und ihren Freunden…

Fazit: Im Grunde genommen lässt sich „Tomorrow, when the War began“ relativ treffend als das australische Pendant eines (gelungenen) jugendorientierten Hollywood-Blockbusters bezeichnen: Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller, prima besetzter, ergiebig gespielter, optisch ansprechender sowie aufwändig, straff und kurzweilig in Szene gesetzter Streifen, welchem es (unabhängig einiger inhaltlicher Schwächen) durchweg gelingt, eine einträgliche Balance aus Action-Abenteuer, Kriegs-Drama und Coming-of-Age-Geschichte zu halten…

„7 von 10“

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