Die Handlung von "Secuestrados" ist schnell erzählt: eine Familie (Mutter, Vater, 18jährige Tochter) ziehen in ein schönes Haus in einem gepflegten Vorort ein und noch am ersten Tag, die ersten Kisten sind gerade ausgepackt, wird die Familie von drei schwarzmaskierten, brutalen Einbrechern überfallen. Sie zwingen den Vater, mit einem der Täter zu einem Geldautomaten zu fahren, um die EC- und Kreditkarten aller Familienmitglieder zu plündern. Währenddessen spitzt sich das Geschehen zu Hause immer weiter zu...
Miguel Angel Vivas Film spielt da, wo es weh tut und wo der Mensch besonders verletztlich ist, nämlich zu Hause. Dort, in seinem Refugium, ist der gewalttätige Einbruch besonders verstörend und beunruhigend. Der Zuschauer weiß bereits nach wenigen Szenen, das ihm einer der maskierten Täter am Anfang des Films schon begegnet ist. Es ist also keine klassische Wer-ist-der-Täter-Geschichte, sondern eben purer Terror. Und den beherrscht Regisseur Vivas ziemlich gut. Ihm gelingen einige besonders alarmierende Szenen, in denen er nicht das eigentliche brutale Geschehen filmt, sondern lediglich die Reaktion oder das Geschehen einer "passiven" Person und die eigentliche Brutalität geschieht außerhalb unseres Sichtfelds. Hier komme ich auch schon mal zum Gore-Gehalt des Films: bis auf eine Szene werde "Saw 7"-Fans u.a. wenig auf ihre Kosten kommen, die Brutalität des Films ist eher kurz und meistens nicht sichtbar und nicht sonderlich explizit. Ist auch nicht nötig, die Grundkonstellation des Films und seine Grundatmosphäre ist unangenehm genug.
"Kidnapped" beweist erneut, was für hervorragendes Genrekino in Spanien entsteht, ohne zu so grotesken Übertreibungen wie z. T. im Nachbarland Frankreich üblich, zu greifen (siehe "Inside", in dem ja auch der Einbruch in ein Haus eine Kette der Gewalt auslöst). Er ähnelt eher dem postiven Beispiel aus Frankreich, "Them".
Ich kann nicht sagen, dass es Spaß gemacht, so einen Film zu gucken (der einen auch mit einem Schlag ins Gesicht zurücklässt), aber wenn ein Film so konsequent und spannend, mit guten und glaubwürdigen Schauspielern, gemacht ist, dann kann man nur eine gute Note vergeben. Nicht ganz die Höchstnote, aber das ist wohl eher mein Unwillen, den Film so schnell nochmal gucken zu wollen: 8,5 von 10.