So ungefähr muß es passiert sein:
Die FX-Experten Joshua Cordes und Liam O'Donnell gossen sich gerade aus Langeweile tierisch einen auf die Lampe, als plötzlich im Kokswahn ihre Ex-Kollegen Colin und Greg Strause in den Tür standen und brabbelten, sie hätten wider Erwarten nach dem qualitativen Inferno von "Alien vs. Predator 2" doch das Okay für die Regie eines weiteren Kinofilms erhalten und sich die Sache mal gepflegt durch die Nase gehen lassen: Cordes und O'Donnell wären jetzt ab sofort ihre Drehbuchautoren.
Die freudig Beförderten machten auch gleich ein Fäßchen Jackie-Cola auf und sich dann an die Arbeit, um sich jeden greifbaren abgeschmackten SF-Blockbuster einzupfeifen, bis nach zwei Monaten Delirium tremens die Strause-Brüde aus der Betty-Ford-Klinik wieder zurück in der Tür standen. Sie hätten da ein paar Termine versäumt, das Budget wäre halbiert worden und sie müßten morgen früh mit dem Drehen anfangen und was die beiden denn bisher hätten? Passenderweise hatten die Autoren sich gerade im Alk- und Pizza-Wahn in die absolut unglaublichste Ecke manövriert und wußten nun weder ein noch aus. Da sagte der eine zum Anderen: das fällt den beiden Junkies doch gar nicht auf, gib einfach ab, was wir haben, das gibt nen Mörder-Cliffhanger für Teil 2...und so kam es dann zu "Skyline"...
Eigentlich umschreibt diese Drogenphantasie ganz gut, was hätte passieren können, bzw. was passiert sein könnte, denn auch wenn die Weiterentwicklung der "Brothers Strause" dahingehend konstatiert werden kann, daß man diesmal im fertigen Film auch etwas von der Handlung erkennen kann, bleibt das Ergebnis trotzdem im Wesentlichen Small-Scale-Big-Budget-Schrott nach dem Prinzip: die doofen SF-Fans wollen eh nur große Monster, riesige Raumschiffe, Explosionen, Bruch und viele Tote, der irgendwo abgeschriebene Rest fällt gar nicht weiter auf.
Konzentration auf das Wesentliche ist die Botschaft: also spielt die Handlung in einem dekorativen Wohnturm, wo man irre viel Zeit mit den aus TV-Serien hinreichend bekannten Darstellern totschlagen kann. Reize lösen da einzig und allein das Spielzeug der Strauses, die biomechanischen Raumschiffe und Alienwesen aus, die offenbar (Erklärungen liegen dem Film so wenig, das die Motivation der Invasion nicht einmal angesprochen wird...) auf Menschengehirne angewiesen sind und diese in die biomechanischen Körper der Alienwesen/cyborgs einbauen. Also erntet man die Erde schön fleißig ab, entgrätet die Gefangenen und bastelt daraus neue Organ-Transformers, die wie die Raumschiffs mittels Reverse-Button nicht mal zerstört werden können, sondern sich fleißig wieder zusammenbauen.
Bei so aussichtsarmen Perspektiven muß man mit den "Eingekesselten" natürlich mitfühlen und mitfiebern, weil die ja Identifikationsfiguren sind, was aber aber bei diesem "Zeros" kaum möglich ist. Die haben nämlich eine flotte Party gefeiert (der Gastgeber macht Trickeffekte in Filmen, muharhar...) und mit dem Kater kommen die Fremden...
...woraufhin es hauptsächlich darum geht, den verlockenden gleißenden Lichteffekten der Tentakelaliens zu entgehen, auf das man nicht wie bei den Anglerfischen der Tiefsee von ihren Fangarmen eingesackt wird. Dabei, soviel Spaß muß sein, dürfen sich unsere Nullgesichter so doof wie möglich anstellen, alle bekannten Hilfevarianten aus SF-Filmen bis zum Nukleareinsatz durchkonjugieren (das soll wohl ein Aha-lustig-Effekt sein, was aber nicht klappt) und die hohlsten Worthülsen aller Zeiten aus den bekannten Vorbildern noch einmal zitieren.
Mit in den Topf müssen dann noch Fluchtversuche, Todesfälle, die unvermeidbare Schwangerschaft (die zur zweitlächerlichsten Skriptsequenz und zur albernsten Dialogsequenz führt) und eine Infektion der Hauptfiguren mit...ja, leider wird das irgendwie nie erklärt oder deutlich gemacht, was sich da in den Körpern bewegt, weil das wohl für Teil 2 oder so kaltgestellt wurde. Auf jeden Fall gibt es in der zweiten Filmhälfte dann jede Menge preisgünstigen Transformersklump für Genrefans, bis sich die Produktion offenbar selbst unter Einfluß des Lichtreizes in eine so unglaubliche Showdownposition manövriert, das sich vor Lachen die Haare sträuben, denn bar jeder möglichen Erklärung wird hier der Ermüdungsbruch vom "offenen Ende" so sehr strapaziert, das man es schon fast als Beleidigung ansehen kann. Hauptsache, es ist schön abstrus genug.
Für Fans müssen also die FX-Sequenzen herhalten und möglicherweise reicht den Armen das ja so, ansonsten kann man ja noch mit Filmzitaten und Genreversatzstücken Raten spielen, aber in meinen Augen gehört das dann doch nicht ins Kino, sondern kann bequem auf Blu-Ray versteckt werden. Von der Möglichkeit, mit der weitläufigen Wohnkomplexanlage und den Versteckmöglichkeiten Suspense zu erzeugen, wird kein Gebrauch gemacht, auf die Effektsequenzen folgen immer wieder endlos hohle Phrasendialoge und eigentlich sind uns alle Beteiligten in diesem FX-Demo herzlich scheißegal, was nie eine gute Basis ist.
Gekostet hat der Käse dementsprechend übrigens eine halbe Million fürs Filmen plus etwa 10 Mille für die Tricks, was dafür spricht, das die Macher mit Animationsfilmen sicher besser aufgehoben wären, das ist für die Darsteller dann nämlich nicht ganz so karriereschädigend.
Wer sich mit den übrigens sehr guten Tricks als Adventsprogramm beballern möchte, dem sei "Skyline" wärmstens empfohlen, allen übrigen sei gesagt, das hier mal wieder von den Frickeljungs aus dem Trickstudio eine gute Idee totgeschlagen wurde und jeder bei seinem Leisten bleiben sollte. Aber was erwarte ich auch von einem Film, in dessen Zentrum millionenfache Hirnentnahme steht...? (3/10)