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Episodenfilme haben meistens den Vorteil, dass besonders starke Geschichten die schwächeren ein wenig kaschieren können, was auch für den Weihnachtsfilm des Norwegers Bent Hamer gilt. Besonders hervorzuheben ist dabei die melancholische Stimmung, die jeder Erzählung anhaftet und mit minimalen Mitteln auf den Punkt gebracht wird.

Der Streifen thematisiert fünf im Wechsel erzählte Episoden: Pauls Frau hat einen Neuen, nun darf er an Heiligabend noch nicht einmal seine Kinder sehen, doch Paul verfolgt einen gewieften Plan. Ferner trifft der Obdachlose Jordan per Zufall seine Jugendliebe wieder, eine Moslemin und ihr Schulkollege betrachten den Sternenhimmel, ein Arzt hilft einem Flüchtlingspaar aus dem Kosovo bei der Geburt, ein alter Mann bereitet die erhoffte Heimkehr seines Sohnes vor und eine Geliebte muss erkennen, welche Position sie in der Dreiecksgeschichte einnimmt.

Es benötigt eine Weile, sich an die fragmentartige Erzählweise im Wechsel der einzelnen Episoden zu gewöhnen, bis letztlich alle Figuren zugeordnet und deren Ziele und Beweggründe eingeordnet sind, da manche Szenen gerade mal wenige Sekunden andauern, bevor die nächste Geschichte ihre Fortsetzung erfährt.
Jene spielen allesamt in der fiktiven Kleinstadt Skogli, in der eine merkwürdige Isolation anzutreffen ist. An jenem Heiligabend herrscht keine festliche Stimmung, eher ist die Atmosphäre ein wenig kühl, distanziert und leicht deprimierend, was nicht zuletzt am subtilen Spiel mit Licht und Schatten, gedämpften Beleuchtungen und der reduzierten Ausstattung liegt.

Aber auch die einzelnen Geschichten schwanken teilweise zwischen skurrilem Humor und traurigen Einschüben, wie die Story von Paul, der sich in der Scheune als Weihnachtsmann verkleidet und mal eben den Nebenbuhler schachmatt setzt.
Die Geschichte des Obdachlosen Jordan bietet indes keine sonderlich überraschende Pointe, sie lebt jedoch vom starken Spiel der beiden Darsteller, bei denen nuancierte Blicke, kleine Gesten oder eine bestimmte Körperhaltung unglaublich viel transportieren, was auch für den Schlussakt der Dreiecksgeschichte gilt.
Dagegen fehlt die Essenz bei der Annäherung der beiden Schüler komplett, zumal sie im Prinzip unvollendet erscheint. Eher ärgerlich, weil mit der moralischen Keule und mithilfe kitschiger Schlusseinstellungen auf die Spitze getrieben, gestaltet sich die Episode mit dem Flüchtlingspaar, welche nicht nur teilweise unglaubwürdig, sondern unnötig symbolträchtig aufgeblasen erscheint.

Das Gesamtbild wirkt dennoch positiv, da Regisseur und Autor Hamer vor allem in Sachen Inszenierung eine Atmosphäre wie aus einem Guss schafft. Zwar kreuzen sich die einzelnen Geschichten nur selten und auch nur die Hälfte der Episoden vermag bezüglich des Inhalts und der Auflösung zu punkten, doch dafür entschädigen die durchweg überzeugenden Darsteller, die hervorragende und punktgenau arbeitende Kamera und die daraus resultierende Grundstimmung, welche zwischen Melancholie, leichter Sentimentalität, lakonischem Humor und ein wenig Schwermut eine ausgewogene Mischung findet.
Kein feierlicher Film, sondern einer, der am ehesten spät abends und nachts zur Geltung kommen dürfte.
6,5 von 10

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