Schlaf, Traum, Ohnmacht und Tod, - all dies kann zuweilen sehr eng miteinander verknüpft sein, wie uns die Regie-Geschwister du Potet mit ihrem Debüt zu vermitteln versuchen.
Zwar bietet ihr Erstling eine latent bedrückende Atmosphäre, doch die Geschichte ist zu sehr von Versatzstücken populärer Genregrößen geprägt, um als deutlich positive Überraschung hervorzugehen.
Krankenschwester Sarah (Anne Parillaud) verlor vor einem Jahr ihren Sohn durch einen Unfall, seither ist sie völlig neben der Spur und lebt einsam in einem nicht fertig gestellten Landhaus im Elsass. Als sie eines Nachts Arthur (Arthur Dupont) fast über den Haufen fährt, nimmt sie den leicht verletzten jungen Mann mit nach Hause. Doch kurz darauf taucht Arthurs Verfolger auf, offenbar ein gesuchter Einbrecher…
Den einen oder anderen Twist dürften erfahrene Betrachter rasch durchschauen und doch gelingt es dem Regieduo aufgrund der verschachtelten Erzählweise stets neue Blickwinkel einzustreuen. Nur verausgabt sich das Drehbuch an einigen Stellen und spinnt manche Szenarien zusammen, die eher wie Füllmaterial wirken, jedoch ohne ersichtliche Pointe daherkommen. Dennoch können diese spannungstechnisch überzeugen, da es dem Handwerklichen in Sachen variabler Kamera und gutem Timing kaum an etwas mangelt.
Bereits die erste Viertelstunde gestaltet sich recht ereignisreich mit Unfalltod, einer Verfolgung und kurz darauf einem erbitterten Zweikampf. Die Tatsache, es über weite Teile mit einem Zwei-Personen-Stück zu tun zu haben, stört indes überhaupt nicht, da sich hier eine Beziehung entwickelt, welche im Verlauf eine interessante Ambiguität entwickelt, jedoch recht kompromisslos endet, was nicht unbedingt für jeden Betrachter befriedigend ausfallen dürfte.
Auf darstellerischer Ebene hat man sich mit Anne Parillaud eine ziemlich erfahrene Akteurin an Bord geholt, welche die Entwicklung ihrer Figur ohne Probleme glaubhaft transportieren kann. Aber auch Arthur Dupont meistert gekonnt seine Rolle als undurchsichtigen Typen, den man in einem Moment für ein verliebtes Mutersöhnchen und im nächsten für einen skrupellosen Lügner halten kann.
Das latent flotte Tempo, einige deftige Gewaltausbrüche und die dichte Atmosphäre verleihen „Home Invasion“ durchaus Qualitäten, während das verschnörkelte Drehbuch zuweilen etwas ziellos umherstrauchelt und auf psychologischer Ebene eher mau bleibt.
So schafft er es zwar nicht bis in die Liga von „High Tension“ oder „Them“, unterhält aber auf solidem Niveau und dürfte Freunde zeitgenössischer französischer Thriller trotz einiger Mankos durchaus ansprechen.
6 von 10