Fünf junge Menschen, zwei Frauen und drei Männer, überfallen maskiert einen scheinbar harmlosen, alleinlebenden Mittvierziger namens Bernard im seinem abgelegenen Haus irgendwo in Australien.
Alle fünf sind gut gekleidet und wütend. Allmählich stellt sich heraus, warum sie ihn überfallen, treten und fesseln: sie geben ihm die Schuld am Tot von Alice, einer ehemaligen Klavierschülerin des Mannes. Eine der Täterinnen ist ihre ältere Schwester Cate (Kestie "Wolf Creek" Morassi), die andere ihre beste Freundin Natalie (Sophie Lowe), einer ihr Ex-Freund usw. Doch als sie glauben, Bernards vorgetäuschter Selbstmord samt Abschiedsbrief, sei in trockenen Tüchern, entdeckt einer der Täter, dass er sein Handy am Tatort verloren hat. Sie kehren zurück und das Opfer ist weg... und allmählich wird klarer, was wirklich hinter Alices Selbstmord steckte...
"Blame" ist der Debütfilm des Australiers Michael Henry und man kann sagen, er hat ein gutes Händchen in ganz vielen Sachen bewiesen. Der Film ist spannend und kompakt (84 Minuten), er hat keine Durchhänger, die Schauspieler sind größtenteils seht gut, die Locations exzellent und treffend gewählt.
Und es erstaunt, mit welcher Genauigkeit Henry Themen wie Schuld, Vergebung, Perspektiven und Vertrauen analysiert. Alices Schwester ist die erste, die ahnt, dass etwas an der ganzen Geschichte so nicht stimmt und ins Grübeln gerät.
Und „Blame“ ist dabei auch keine schwarze Komödie, sondern ein bitterer, dramatischer Thriller, der einem schafft, die Charaktere in ihrer Motivation durchaus näher zu bringen, dem es aber besonders gelingt, hierbei den Täter facettenreich zu zeigen. Er ist kein Lustmolch oder Widerling, sondern ein geradezu deprimierend einsamer Mann, der sich zurückgezogen hat, obwohl die Story doch offensichtlich ganz anders abgelaufen zu sein schien.
Die Frage nach der Schuld ist das zentrale Motiv – Eigendynamiken, Selbstgerechtigkeit, Blindheit. All das führt zu einer Rache, die aber gar nichts klärt, beruhigt oder womöglich sogar löst.
Manches an „Blame“ ist etwas vorhersahbar, aber dennoch bleibt er ein packender, mit wenig Geld produzierte Thriller, der sehenswert ist. Obwohl australischer Filme im eigenen Land ja nicht gerade populär sind, so sind die Filme von Down Under doch von einer ganz besonderen Stimmung, Prägnanz und Spannung, die ich bei deutschen Filmen so oft vermisse.
Da suche ich lieber weiter nach guten Filmen von da unten.