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"Wenn ihr den nicht nochmal wie ein kleines Mädchen kreischen hören wollt, schlage ich vor, dass ihr eure Waffen fallen lasst."

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs leben Lucy (Georgie Henley) und Edmund Pevensie (Skandar Keynes) bei ihrem Onkel in London, wo ihnen ihr Cousin Eustace (Will Poulter) das Leben mit garstigen Kommentaren schwer macht. Ihre älteren Geschwister Susan (Anna Popplewell) und Peter (William Moseley) studieren währenddessen in Amerika.
Als Lucy, Edmund und Eustace ein Gemälde eines Schiffes im Meer betrachten, werden sie erneut in das Reich Narnia gezogen. Dort begegnen sie König Kaspian (Ben Barnes), der mit dem Schiff Morgenröte auf Suche nach sieben verschollenen Lords ist. Auf einer Insel finden sie erste Hinweise zu den Lords und stoßen auf einen mysteriösen, grünen Nebel, der Menschen verschluckt.

"Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte" hatte im Vorfeld Probleme. Während der Produktion wechselte das Studio, denn Disney war mit den Einnahmen der ersten beiden Teile unzufrieden. 20th Century Fox sprang ein und tauschte den Regisseur aus. Michael Apted ("James Bond 007 - Die Welt ist nicht genug", "Gorillas im Nebel") bekam das Privileg, die eher seichte Buchvorlage filmisch umzusetzen.

Ohne sich groß mit Unnötigem aufzuhalten, erfolgt ein prompter Einstieg in die eigentliche Fantasy-Handlung. Schon nach wenigen Filmminuten werden die Protagonisten in das fantastische Reich hineingesogen und widmen sich einer temporeichen Reise. Nichtkenner der beiden Vorgänger werden dabei zwar nicht mit den Figuren vertraut gemacht, wirkliche Einstiegsschwierigkeiten werden sie aber nicht haben. Allerdings haben Kenner beim dritten Teil der Reihe einen größeren Bezug zu den Figuren und den übersichtlichen Verweisen.

Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern enthält "Die Reise auf der Morgenröte" keine großen Schlachten, sondern beschränkt sich auf eine klassische Heldenreise mit Moral und optimistischem Ausgang. Daher ist die Handlung nicht sonderlich überraschend und die Spannung hält sich im Grenzen. Häufig kann man die gleich folgenden Ereignisse erraten, gerade da die Präsentation sehr kindlich geraten ist.
Besonders die wieder zahlreich vorhandenen christlichen Symbole fordern ein gewisses Maß an Toleranz. Gegen Ende arten die religiösen Zwischentexte in Glaubensbildung aus. Die Moral kommt mit seinen Themen Selbstwertgefühl und Mut aber dennoch an und wirkt nicht aufgesetzt.

Die Effekte sind überwiegend beeindruckend, so richtig will die Fantasy-Atmosphäre aber diesmal nicht durchdringen. Zu wenig einprägsam ist der orchestrale Soundtrack, zu schnell werden die jeweiligen Orte der Handlung abgehandelt. "Die Reise auf der Morgenröte" wirkt erzählerisch gehetzt und lässt sich nur oberflächlich Zeit, seine Figuren, Orte und Magie wirken zu lassen. Erst im letzten Drittel zeigt das Fantasy-Märchen, was es atmosphärisch wirklich zu bieten hat.

Wenig überzeugend sind diesmal die Darsteller, scheinen sie von ihrer bisherigen Performance Einbußen davongetragen zu haben. Weder Georgie Henley, Skandar Keynes noch Ben Barnes ("Der Sternwanderer") schaffen es, ihrer bisherigen Darstellung gerecht zu werden. Der neu hinzu kommende Will Poulter wirkt durch seine Rolle gar wie ein nerviges Schmückwerk.

"Die Reise auf der Morgenröte" ist ein innerhalb seiner Grenzen unterhaltsamer Film. Zwar sorgen die eher mauen Darsteller, die etwas hektisch abgespulten Stationen und das sehr simple Gemüt des Films für genügend Kritikpunkte, Kenner der beiden bisherigen Teile werden sich aber auf eine weitere und wohl letzte Sichtung der fantastischen Welt und ihrer Figuren zufrieden gestellt fühlen. An seine beiden Vorgänger kommt der dritte Teil aber nicht heran. Dafür fehlt es ihm an Größe und Eigenständigkeit.

6 / 10

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