Review

Vor einigen Tagen, es war schon nach Mitternacht, bin ich durch Zufall auf eine Programmänderung gestoßen, in deren Rahmen Toelles DER TRINKER ausgestrahlt wurde. Obwohl ich eigentlich längst reif für die Falle war und den Film vor Jahren schon einmal gesehen hatte, blieb ich dabei. Denn DER TRINKER ist ein ergreifendes Drama, weder kitschig noch beschönigend, mit einem superb aufspielenden Juhnke, dessen Darstellung so intensiv ist, dass sie wohl keinen kalt lassen dürfte. Juhnke, den der Alkohol bekanntlich auch im wahren Leben ruinierte, ist - so tragisch es ist- eine Idealbesetzung und ein Glücksfall für diesen Film, der einen noch lange nachdem er zuende ist beschäftigt.

Falladas Romanvorlage wurde dahingehend adaptiert, das der Film kurz nach der Wende in einem Kaff im Osten spielt. Das Unternehmerpaar Sommer kämpft um das Überleben des Geschäfts, um den Status des gehobenen Kleinbürgers. Erwin Sommer greift zur Flasche und geht unter - auch seine Frau, zunächst noch besorgt und bemüht zu helfen, kapituliert schließlich vor seiner Sucht und steigt ohne ihn auf - eine sowohl ökonomische als auch private "Fusion" verhilft ihr in den Mittelstand. Während eines Klinikaufenthalts (um es mal vorsichtig auszudrücken) muß sich Erwin Sommer, entgiftet aber nicht geheilt, seinem neuen Leben stellen, blickt in einen leeren Abgrund und zieht vor, es zu beenden...

Ich kann den Film nur uneingeschränkt empfehlen, da neben Juhnkes großartigem Spiel auch der "Rest" einfach paßt. Wer genau hinsieht, kann ganz starke Szenen entdecken, in denen neben treffenden Milieu- und Charakterstudien immer wieder der Sog der Sucht verhandelt wird. Ein starkes, bewegendes Drama. 9/10.

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