Review

Dr. Marlowe: "My wife... this young lady is going to help you."
Stella: "Is your wife ill?"
Dr. Marlowe: "She's dead."

Voodoo Man ist Bela Lugosis letzter Film aus seiner recht fruchtbaren Monogram Pictures-Periode, und Fans des am 16. August 1956 verstorbenen Kultmimen sollten sich seine "Abschiedsvorstellung" keinesfalls entgehen lassen, liefert er hier doch genau das ab, wofür man ihn schätzt und liebt. Der ehemalige Dracula-Darsteller spielt den Wissenschaftler Dr. Marlowe, der - wie aus obigem Dialog bereits hervorgehen sollte - ein gravierendes Problem mit seiner Frau Evelyn (Ellen Hall) hat. Die ist nämlich seit zweiundzwanzig Jahren tot, wird jedoch mittels Magie am Leben erhalten, falls man katatonisches Herumsitzen und unaufhörlich ins Leere starren Leben nennen kann. Marlowe klammert sich an das letzte Fünkchen Hoffnung, das ihm noch verblieben ist, und dieses hört auf den Namen Voodoo. Es wäre doch gelacht, wenn es mit Voodoo nicht gelingen würde, den Geist einer hübschen jungen Frau in die leblose Körperhülle zu transferieren, zumal er in Tankwart und Voodoo-Priester Nicholas (George Zucco, The Mummy's Hand) einen engagierten Mitstreiter gefunden hat. Wie es das Drehbuch von Robert Charles so will, verschlägt es den Autoren Ralph (Tod Andrews) mit seiner hübschen Verlobten Betty (Wanda McKay) in die abgelegene Gegend, wo der Arzt residiert, kurz nachdem er sich bereits Bettys Cousine Stella (Louise Currie) gekrallt hat. Und in Betty sieht Marlowe die perfekte "Spenderin".

Obwohl Voodoo Man alle Anzeichen einer absoluten Billigproduktion aufweist - kurze Laufzeit, wenige Sets, eine überschaubare Anzahl von Figuren, kaum Action, fast keine Spezialeffekte -, so muß man Regisseur William Beaudine zugutehalten, daß er die geradlinige (und ziemlich hanebüchene) Geschichte so stimmungsvoll wie kurzweilig über die etwa einstündige Runde bringt. Die ganze Produktion macht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, einen recht sorgfältigen Eindruck, wenngleich auch hier das oftmalige Abrutschen in unbeabsichtigt komische (Trash-)Gefilde nicht vermieden werden konnte. Andererseits funktionieren einige Sequenzen erstaunlich gut, wie etwa der Umgang mit den in weißen Gewändern steckenden "Zombie"-Frauen (sie fristen ihr Dasein meist stehend in Nischen im Keller, wo sie geduldig warten, bis sie vom Meister geholt werden). Überhaupt wecken die Opfer des Doktors starke Erinnerungen an die "Zombie"-Frau in Jacques Tourneurs meisterlichem I Walked with a Zombie (Ich folgte einem Zombie, 1943), inklusive der traurigen Aura, die sie umgibt. Voodoo Man hat eine schöne, jedoch ganz eigenwillige Atmosphäre, die irgendwo zwischen träumerischem Grusel und lockerem Camp angesiedelt ist. Zu letzterem tragen auch die selbstreferentiellen In-Jokes rund um Ralph bei, der als Drehbuchautor für die Filmproduktionsfirma Banner arbeitet. Voodoo Man wurde produziert von Banner Productions.

Das latent campige Flair wird durch diverse weitere Faktoren enorm verstärkt. Bela Lugosis zurückgenommene, jedoch diabolische Performance etwa ist ein einziger Genuß, und auch George Zucco überzeugt mit seiner engagierten Darbietung als Voodoo-Priester; bei seinen immens launig zelebrierten Zeremonien sollte kein Auge trocken bleiben. Dennoch wird den beiden - beinahe - von John Carradine (Shock Waves) die Show gestohlen, der als Marlowes geistig minderbemittelter Handlanger Toby alle Register zieht, sich zärtlich um die "Zombie"-Frauen kümmert (sein liebevolles Streicheln ist verdammt creepy) und bei den Ritualen enthusiastisch auf den Bongos trommelt, mit hinreißend debilem Gesichtsausdruck. Ich fürchte, diese Bilder werden noch lange in meinem Gedächtnis umherflackern. Witzig ist auch, wie Toby und sein Partner Grego (Pat McKee) die Frauen entführen; die verfolgen eine ähnliche Strategie wie H. G. Lewis' "Two Thousand Maniacs"! So toll die Schurken sind, so langweilig sind die Protagonisten. Ralph zeigt zwar Einsatz, erweist sich im entscheidenden Moment allerdings als unfähig und verpaßt den kurzen und wenig berauschenden Showdown durch einen akuten Anfall von Bewußtlosigkeit. Die Frauen sind allesamt hübsch, haben aber kaum etwas zu tun; lediglich Stella darf ein paar nette Sätze von sich geben. Der klägliche Rest (Bettys Mutter, der Sheriff, sein Deputy) ist nicht der Rede wert.

Trotz der vielen Schwächen zählt Voodoo Man zum Besten, was mit Bela Lugosis Beteiligung in den 1940er-Jahren entstanden ist, was vor allem der originellen Melange aus Wissenschaft und Voodoo, den so schrägen wie denkwürdigen Figuren und der schönen, traumartigen Stimmung zu verdanken ist. Und mittendrin verblüfft einen dann plötzlich auch ein Moment purer Filmmagie. Da verknüpfen sich, unfaßbar knuffig getrickst, zwei Schnüre ganz von selbst. In diesen wenigen Sekunden ging mir das Herz auf und ein seliges Grinsen stahl sich auf mein Gesicht. Es sind Momente wie diese, die meine Leidenschaft für das phantastische Kino immer wieder neu entfachen. All das überbordende CGI-Gedöns all der Jahre zusammen, und mag es noch so perfekt getrickst sein, kommt dagegen einfach nicht an.

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