Review

Mutant Baby revisited!

Kennt ihr das, wenn ihr mit absoluter Sicherheit einen Film mal gesehen habt, aber euch an die Details in Sachen Qualität ums Verrecken nicht mehr erinnert könnt? Also ran an die Suchmaschinen, manchmal ist das Internet ja dein Freund.

Auf diese Art und Weise hab ich gestern dann Larry Cohens berüchtigten „It’s Alive“ aka „Die Wiege des Bösen“ noch einmal gesichtet, obwohl mein Hinterkopf rudimentär vermeldete, dass der ja gar nicht so besonders erinnerungswürdig gewesen sein dürfte, sonst wäre mehr hängen geblieben. Ferner war da noch dieser Artikel, wonach der Skandal, den dieser kleine B-Film hervor rief, heutzutage wegen Anpassung der Seh- und Geschmacksgewohnheiten gar nicht mehr möglich wäre.

Also mal wieder einen Film im historischen Kontext sehen: Cohen hatte kleines Budget und dafür aber viel Kreativität, soweit okay. Und er hatte die wirklich enorm unschöne Idee, dass in einer wackeren werdenden Mutter ein monströses, klauenbewehrtes Monsterbaby heranwächst (im Zeitalter von Ultraschall war der Film dann veraltet), das bei der Niederkunft sofort flottest den kompletten Kreißsaal abschlachtet (minimum ein halbes Dutzend Leute).

Allein die Idee konnte in den paranoiageschüttelten 70ern für einige Frühwehen im Kino sorgen, insofern kann ich Cohen vergeben, dass er diese einigermaßen geschmacklose Idee thematisierte.
Nicht zuletzt auch, weil man das Massaker nämlich im Film gar nicht sieht (auch wenn Rezensionen notgedrungen immer diesen Eindruck erwecken), denn erst ist der Arzt noch bei der Arbeit („das wird ein seeehr großes Baby…“), dann taumelt der Dad auch schon in das Inferno aus blutigen, herumliegenden Leichen, mittendrin seine Göttergattin, die fortan verständlicherweise deftig einen am Sträußchen haben wird.
Wer mal drei Sekunden darüber nachdenkt, wie das der Kleine bewerkstelligt haben soll, so dass gerade mal einer es noch vor die Saaltür schafft, merkt, wie lächerlich das ist – aber die Wirkung ist und war enorm.

Der Rest des Films ist vergleichsweise zurückhaltend, angefüllt mit Szenen aus dem Leben eines gebeutelten Papas, dessen Monstersohnpopularität sein Leben etwas durcheinander wirbelt. Nebenbei mischt (logo!) auch noch eine Pharmafirma mit, die den Kleinen gern meucheln und verschwinden lassen würde. Der robbt sich derweil durch die Nachbarschaft (ein paar nette POV-Shots) und snackt nette Damen und Milchmänner (im Off!) weg, sehnt sich aber nur nach Liebe und Nähe.

Kern des Restfilms bleibt aber die fehlende Akzeptanz des biologischen Papas, der die Anerkennung als Samenspender verweigert, bis er zum Finale in den Abwasserkanälen plötzlich spontan aus Vaterliebe umdenkt.
Bis dahin sind aber dann schon der liebste Nachbar und die Familienkatze ex gegangen.

Zu sehen ist von Rob Bottins stark bekralltem Mutanten relativ wenig: wenn wir nicht durch seine Augen sehen, gibt es nur verwackelte Bilder oder ein Huschen in der Dunkelheit des Kellers. Bis zuletzt wird das „Dings“ nicht ins Licht gezerrt, was seinem Mythos vermutlich noch geholfen hat.

Dennoch bleibt heutzutage Ernüchterung zurück: das Tempo ist langsam, der redundante Dialogkram nimmt überhand, die Figur des Vaters rätselhaft unemotional. Ein normal entwickelter Spannungsaufbau lässt das Skript nicht zu, das zu wenig aus der Pharmafirma macht und die Polizei schlecht aussehen lässt. Bernard Herrmanns wirksamer Score ist über gewisse Strecken gar nicht zu hören und der Schnitt der atmosphärischen Sequenzen fällt bescheiden aus, weil man in der Dunkelheit der Räume nur selten etwas wirklich sehen kann.

So empfehlen sich wirklich nur die erste und die letzten 20 Minuten des Films, während sonst eher auf der Stelle getreten wird – aber vor fast 50 Jahren war der Skandal damit schon passiert und der Weg für ein Sequel frei, wobei man anmerken muss, dass der Film erst 1977 richtig beworben so etwas wie ein Kassenerfolg wurde, als das Sequel von Cohen praktisch schon in der Vorproduktion war – vorher hatte man Schwierigkeiten, ihn richtig zu vermarkten.

Insgesamt finde ich somit die Produktion an sich bemerkenswert, aber das fertige Produkt hatte leider keine Langzeitwirkung und Cohens Unerfahrenheit mit der Suspense und dem Spannungsaufbau genügen leider nur für eine Durchschnittswertung. (5/10)

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