Review

Kaiserschnitthit


Ich hatte von „It's Alive“, einem Larry Cohen-Werk (!) über ein mutiertes Killerbaby (!!), Splattertrash pur erwartet. Und bekommen habe ich eine recht ernste, bittere und traurige Abhandlung über traumatisierte Eltern, behinderte Kinder und gesellschaftliche Normen...

Neun von zehn Eltern, bei deren kommenden Babies früh genug das Down Syndrom festgestellt wird, treiben ab. Eine unfassbare Zahl. Aber leider die Wahrheit. Aus ethischen, finanziellen, emotionalen, gesellschaftlichen, egoistischen und sonstigen Gründen. Und klar ist die Verbindung etwas weit hergeholt bei einem B-Movie über ein nach der Geburt aus dem Krankenhaus geflüchtetes Monsterbaby - wer „It's Alive“ aber genauer untersucht, wird schnell feststellen, dass hier neben Atmosphäre und klassischer 70er-Jahre-Spannung vor allem genau dieses Thema im Mittelpunkt steht. Und massiv hängen bleibt. Denn das Baby an sich sieht man kaum und die Kills geschehen meist unspektakulär im Off, ein creepy Feeling steht hier weit über Schocks und Schlocks, die Handlung läuft keine weiten Runden mehr und erst die Fortsetzungen lieferten dann die eher erwarteten „Goods“. Aber die Gesichtsausdrücke, Vorurteile, Fragen, Vorwürfe und Gefühle, sowohl der zerrissenen Eltern als auch der geschockten und neugierigen Außenstehenden, die bleiben für immer. Das i-Tüpfelchen setzt dann ein meisterlicher Score von niemand geringerem als Bernhard Herrmann, immerhin Hitchcock Hauskomponist. 

Fazit: ein echter, vielleicht DER Larry Cohen-Classic - überraschend emotional, überraschend unblutig, untrashig, unkomisch. Ein eindringlicher Monsterfilm mit Hintergedanken und besonders für (werdende) Eltern bissiges Alptraumfutter. Ein gemeines Gemisch aus „Basket Case“, „Die Brut“ und „Rosemarys Baby“. Die Fortsetzungen zeigen mehr, können aber weniger. 

Details
Ähnliche Filme