Eine ungeschönte Romanverfilmung cum Bio-Pic zum Thema Drogen und ihre Folgen - das sind die "Basketball Diaries", die hier diversen Kritikerstimmen zum Trotz mit beachtlicher Intensität verfilmt wurden, was nicht zuletzt an einem hervorragend aufgelegten Leonardo DiCaprio liegt, der bereitwillig in die tiefsten Abgründe steigt, um seinem Drogenwrack so richtig Klasse zu geben.
Inhaltlich folgt der Film dem Abstieg des titelgebenden Jim Carroll vom hoffnungsvollen Jungsportler mit Rebellenpotential, der eben mehr erleben, mehr erfahren, tiefer ins Leben eindringen will. Das führt nach und nach zu immer stärkerem Drogenkonsum, bis der Verfall nicht mehr aufzuhalten ist. Während seine Umwelt ihn immer stärker fallen läßt und er selbst Hilfe verwirft oder mißbraucht, ist es am Ende nur er selbst, der sich aus dem Sumpf wieder herausziehen kann, bzw. dem nichts anderes übrig bleibt.
"Jim Carroll" beschönt nichts und rennt auch nicht mit einem "Kinder, nehmt keine Drogen!"-Sticker in der Gegend herum, sondern zeigt in recht realistischen Bildern Konsum und Wirkung gleich mitsamt körperlichem Verfall und macht durch das Schicksal des Protagonisten deutlich, daß ein erfolgreicher Entzug nie zu Ende geht, vom Abhängigen selbst gewollt werden muß und daß dazu immer eine Riesenportion Glück gehört.
Di Caprio wälzt sich angenehm in Dreck, Sucht und Emotionen, bis er nur noch ein kaputtes Etwas ist, daß für ein paar Dollar Freiern in der Bahnhofstoilette einen runter holt. Dabei bleibt der Film immer drauf und blendet nie im schlimmsten Moment ab (ohne jetzt jedes Detail ins Bild zu rücken), sondern schildert den Abstieg aus Jims Sicht Schritt für Schritt ohne Auslassungen.
Sehr gelungen das 60er Lokalkolorit, daß der Film ausstrahlt, hier erwacht ein urtypisches New York wieder zum Leben, daß in manchen Szenen an "Sleepers" erinnert.
Auch die übrigen Schauspieler überzeugen ohne Ausnahme, alles Charaktere mit reichlich Tiefe ohne Platitüden.
Für die Zuschauer sicher keine leichte Kost und uns vielleicht im Sinne von "Christiane F." nicht realistisch genug, aber mit genügend hartem Stoff und ohne viele Klischees inszeniert, so daß einem zwar nichts reingewürgt wird, aber der Drogenrausch doch deutlich verleidet wird. (8/10)