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Brit-Comedy-Export trifft sich mit der Apatow-Entourage: Wenn die Parodie-Spezis Pegg und Frost mit Greg Mottola und Seth Rogen kooperieren.
Bis auf Edgar Wright sind dann also die Hauptverantwortlichen der Cornetto-Trilogie dabei, auf dem Regiestuhl nimmt allerdings Greg Mottola Platz. Wieder ist es aber eine Genreparodie, diesmal das Sci-Fi-Genre, für das sich auch die Filmfiguren Graeme Willy (Simon Pegg) und Clive Gollings (Nick Frost), die extra für Comic-Con aus England in die USA reisen, brennend interessieren. Da gibt es gleich obligatorischen Jokes über kostümierten Fanboys und Sci-Fi-Geeks, jedoch mit aufrichtiger Liebe zum Nerdtum, die ja die bisherigen Arbeiten der Beteiligten durchzog.
Nach dem Comic-Con soll eine Reise zu den Schauplätzen berühmter UFO-Sichtungen für weitere Glücksseligkeit sorgen, im Wohnmobil geht es auf die Reise, die unbeschwert ist – bis die beiden Autounfall beobachten und auf den Verursacher, das flüchtige Sprücheklopfer-Alien Paul, treffen. Im Original hinreißend gesprochen Seth Rogen, hierzulande ganz okay von Bela B. synchronisiert, der allerdings dem Original nicht das Wasser reichen kann – was nicht ganz unverständlich ist, wurden doch Pauls Animation und Rogens Sprachaufnahmen aufeinander abgestimmt, wodurch die CGI-Kreatur viel von der Persönlichkeit des Komikers in sich trägt.

Die beiden Fanboys nehmen den Flüchtling auf, doch schon bald setzen sich Regierungsagenten auf ihre Fährte. Dass sie auf ihrer Reise auch noch unfreiwillig die Kreationistin Ruth Buggs (Kristen Wiig) kidnappen, ist nur bedingt hilfreich…
„Paul“ ist mal wieder einer dieser Filme, die im Ansatz nach ganz großem Tennis klingen, weil der Blick auf Besetzung, Crew und Prämisse eine herrliche Mischung verspricht. Und tatsächlich ist das Ergebnis ausgesprochen harmonisch im Ton, Brit- und US-Comedy beißen sich nicht, sondern greifen ineinander. Paul klopft coole Sprüche noch und nöcher, Begegnungen mit Regierungsagenten enden eigentlichen immer in Slapsticksituationen (gerne bei Verfolgungsjagden) und jede der Figuren hat eigentlich genug Schläge an der Waffel für reichlich Comedy-Material. Was jedoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Melange aus Figuren und Handlungssträngen ein wenig zusammengeschrieben wirkt, der chaotischen Odyssee ein wenig der rote Faden fehlt, wofür dann aber auch paar grandiose Brüllergags (wie die Enthüllung des Vornamens von Agent Zoil (Jason Bateman)) nicht hinwegtäuschen können. Noch dazu sind viele der Witze Jokes über altbekannte Nerd-Klischees und -Angewohnheiten und so bleiben diese Gags dann auch altbekannt, egal wie charmant sie dargebracht werden.

Was durchaus schade ist, denn der Film steckt voller kleiner Anspielungen auf Details im Bezug auf die Popkultur und „Star Wars“ im Besonderen. Die Verwendung der Cantina-Mucke (mit einer ähnlich aussehenden Band) in einer Redneck-Bar ist da nur bedingt subtil, die Verwendung von Han Solos „Boring conversation anyway“ schon eher. Noch dazu gibt es massive Verweise auf das Werk Spielbergs (vor allem „E.T.“, aber auch „Unheimliche Begegnungen der dritten Art“ und „Indiana Jones“), „Akte X“ und ähnliches. Ebenso verbraten wird die „Star Trek“-Kampfszene zwischen Kirk und dem Echsenmann, die bei youtube und Co. als „worst fight scene of all times“ gehandelt wird. Etwas vorhersehbar der Cameo von Zoils Chefin: Ein Film über Außerirdische, eine Frau, deren Gesicht man vorerst nicht sieht – das Raten fällt da nicht allzu schwer.
Simon Pegg und Nick Frost spielen erneut die in liebevoller, schon zärtlich zu nennender Freundschaft verbundenen Nerds, reproduzieren aber dabei in erster Linie ihre Paraderollen, was nicht schlecht ist, aber auch ein wenig enttäuschend, da ihnen das Alien nicht nur tricktechnisch ein wenig die Schau stiehlt, sondern auch die besten Gags auf sein Konto gehen (vor allem in der OV). Kristen Wiig als hyperaktives Love Interest schießt etwas übers Ziel hinaus, da war sie später in „Bridesmaids“ besser in der Spur, tadellos dagegen Jason Bateman als herrlich trockener Agent, ebenso wie Bill Hader depperter Handlanger, während Joe Lo Truglio als zweiter FBI-Trottel bei seinen Szenen stets von Hader an die Wand gespielt wird. Trotzdem: Die Riege ist mit Freude dabei und zeigt immer wieder was hier etwas mehr Fokus möglich gewesen wäre.

So bleibt ein vergnüglicher Film für die größere Runde, der zwar hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, aber Freunde von Nerd-Humor und Sci-Fi bei Laune hält. Nicht das erhoffte Highlight, in seinem (manchmal fehlgeleiteten) Einfallsreichtum aber frischer als andere Standardkomödien.

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