Es ist eine stets willkommene Abwechslung, wenn mit Genreklischees gespielt wird und die Relationen der Figuren auf den Kopf gestellt werden. Allerdings hätte das Regiedebüt von P.J. Pettiette eher das Zeug für einen Kurzfilm gehabt, denn nach einer Weile kann das Katz- und Maus- Spiel nur noch bedingt überraschen.
Julia trifft soeben ihre Internetbekanntschaft (Kevin Sorbo), welche sich als Serienkiller entpuppt. Zunächst scheint Julia in der Falle des Fremden zu tappen, doch dann drehen sie und ihre kleine Schwester Jessica den Spieß um…
Die erste halbe Stunde spielt mit den gängigen Klischees des Slashers und verzichtet bewusst auf eine Figureneinführung. Hier eine Flucht durchs Feld, dort ein leerstehendes Gebäude, kurze Gefangennahme, erneute Flucht, bis hin zur Gegenwehr liefert das erste Drittel mit leichtem Augenzwinkern solide, wenn auch ein wenig einseitige Unterhaltung.
Als es dann in Julias und Jessicas Elternhaus geht, nimmt das Geschehen zunehmend groteske und übersteigerte Ausmaße an, bis im letzten Akt beinahe das komplette Interieur zerdeppert wird.
Dazwischen erklingt immer mal wieder „Close to you“ von den Carpenters in einer Coverversion von Jenny Sinclair, denn der Namenlose benötigt zwischenzeitlich Momente des Entspannens, während sein Körper immer mehr mit Blut besudelt ist.
Dazwischen erfahren wir anhand kurzer Flashbacks etwas über das Kindheitstrauma der Schwestern, werden Zeuge einer immens albernen Verführung und wundern uns über diverse Begebenheiten, etwa, wie der Serienkiller plötzlich an eine Zange gelangt.
Zwischen vulgären Äußerungen und angedeuteten Verführungen gibt es auch kleine Gewalteinlagen wie eine Schere im Auge und in der Brust, zwei dicke Nägel in den Füßen und eine Axt im Rücken.
Die Effekte sehen, wie auch die komplette Inszenierung recht gekonnt aus, während besonders die Sounduntermalung und das Make-up positiv auffallen.
Darstellerisch sticht besonders Kevin Sorbo hervor, der seine zynische Rolle perfekt beherrscht und sichtlich Freude an der Sache hat. Die beiden Damen wirken demgegenüber etwas bemühter, denn ihr Overacting vermag nicht durchgehend zu überzeugen. Am Rande liefert Ving Rhames noch einen lustigen Gastauftritt und rundet die Sache am Ende noch ein wenig ab.
„Julia X“ bringt gelungene Ansätze, tief schwarzen Humor und ein paar krachende Auseinandersetzungen ins Spiel, während der Ablauf auf Dauer nicht allzu viel Abwechslung verschafft. Zwar ist im finalen Akt ordentlich Bewegung im Spiel, doch im Mittelteil kommt das Geschehen nicht so recht in die Gänge und muss mit minimalen Längen kämpfen.
Unterhaltsames Ding, mehr als eine Sichtung muss allerdings nicht sein.
6 von 10