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Wenn es um eineiige Zwillinge im Zentrum eines Films geht, sind diese meistens Bestandteil einer Komödie, denn besonders in der Schule kann man die Lehrer wunderbar täuschen.
Im Horrorfilm sieht man identisch aussehende Gesichter eher selten, doch Regisseur Antonio Negret packt sein Sujet an der Wurzel und castet mit den Entin-Zwillingen zwei ausdrucksstarke Typen, die imstande sind, eine finstere Präsenz zu verbreiten.

Jonah und Seth kann man auf den ersten und zweiten Blick nicht voneinander unterscheiden, auf dem katholischen Elite-Internat gehören sie zu den Außenseitern.
Nachdem eine Feier mit Russisch Roulette und zwei toten Schülern endet, nimmt Detective Lampkin (Orlando Jones) die Ermittlungen auf und kommt den telepathischen Fähigkeiten der Zwillingen rasch auf die Spur…

Die triste Farbgebung und die schattigen Räumlichkeiten vermitteln von Beginn an eine unheilvolle Stimmung, welche die Zwillinge latent umgibt.
Die Synchronie ihrer Handlungen erscheint beinahe beängstigend, doch im Verlauf lernen wir, dass Jonah der sensiblere der beiden ist, als er sich in die neue Mitschülerin Eve (Samantha Droke) verknallt und der Pakt der Zwillinge daran zu zerbrechen droht.

Denn etwas in ihrer Kindheit ist vorgefallen, was dazu führte, keine emotionalen Regungen wahrzunehmen. Beide suchen das Gefühl der Angst, weshalb sie das Ableben ihrer jeweiligen Opfer mit der Kamera festhalten. Per Telepathie und sensorischer Manipulation (was in seiner Mischung arg von „Dorf der Verdammten“ und „Feuerteufel“ abgekupfert wurde) suggerieren sie falsche Tatsachen, erschaffen Halluzinationen und lesen die Gedanken der Betroffenen.
Da hat es der ohnehin schon gebeutelte Cop (mal wieder ein übliches Verlust-Trauma) reichlich schwer, einen Keil dazwischen zu treiben.

Dank einiger gelungener Kamerafahrten und angenehm weicher Szenenübergänge gefällt vor allem die Optik, welche zuweilen ins Surreale abdriftet, etwa als Lampkin Alpträume heimsuchen oder final eine Wendung ins Spiel kommt, welche die Umgebung der Zwillinge mit einem Schlag verändert.
Aber auch die Darsteller an vorderster Front überzeugen mit Präsenz und Glaubhaftigkeit, wobei ein Louis Herthum als Vater der Zwillinge fast unterfordert wirkt.
Hinzu kommt ein sauber abgestimmter Score, der sich recht gut den Stimmungen anpasst, jedoch nie zu vordergründig eingesetzt wird.

Allerdings gibt es innerhalb der Story auch kleine Mankos, denn der Hintergrund der telepathischen Kräfte wirkt arg an den Haaren herbeigezogen und auch die Aktionen der düsteren Eineiigen driften schon mächtig ins Hanebüchene ab, als tote Vögel vor die Windschutzscheibe klatschen oder die Stimme und Erscheinung eines verstorbenen Vaters zu extremen Reaktionen führt.
Auch um das Trauma des Cops wird etwas zuviel Terz gemacht, denn auf den eigentlichen Kern seines Verlustes kommt man bis zum Schluss nicht, obgleich zahlreiche Träume und Erinnerungen eine ganze Reihe an Puzzleteilen ins Geschehen werfen.

Letztlich durchzieht „Seconds Apart“ eine überzeugend morbide Stimmung, es kommt zu einigen halbwegs blutig inszenierten Ableben und damit einhergehend einer Handvoll spannender Momente.
Obgleich die meisten Darsteller überzeugen und optisch als auch akustisch nichts auszusetzen ist, wirkt die Geschichte nicht vollends ausgereift und besonders zum Ende hin driftet die Handlung arg ins Groteske ab.
Dennoch ein interessanter und unterhaltsamer Horrorthriller über dämonische Zwillinge, die nebenher ein nicht ganz so ungewöhnliches Coming-of-Age erleben.
6,5 von 10

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