Nach dem offensichtlichen Erfolg mit „The Stalls of Barchester“ aus dem Jahr 1971 folgte 1972 dann folgerichtig eine neue Gruselgeschichte bei der BBC – und man modifizierte das Erfolgsrezept nur marginal, man blieb als Vorlagengeber bei MR James und sollte es bis 1975 dabei belassen.
„A Warning tot he Curious“ ist bekannter und vielleicht auch beliebter als „Barchester“, weil es das Motiv der Schatzsuche mit dem Historischen verbindet und ein unbestimmtes Gefühl der Furcht, des Verfolgtseins provoziert. Dabei ist die Geschichte wie üblich bei James eher umständlich erzählt: man erfährt, dass der Erzähler die Story von einem Bekannten erfahren hat, der sie dann berichtet. Der ist dann aber auch nur Zeuge der Ereignisse.
Was stark auffällt – und hier liegt die relative Nähe zu „O Whistle, and…“ – dass nach der düsteren Indoor-Enge von „Barchester“ die Bedrohung hier von der extremen Weite ausgeht. Praktisch die gesamte Dreiviertelstunde spielt, abgesehen von ein paar kurzen Szenen, am Strand oder der strandnahen Natur von East Anglia, mit seinen kleinen Wäldchen, Hügeln und windzersausten Wiesen.
Dabei fällt die hervorragende Kameraarbeit auf, die, unterstützt von geschickt bedrohlicher Musik, maximale Wirkung aus simplen Naturbildern heraus holt. Vor allem die Lichtgebung ist von erster Güte.
Ansonsten hat man die Vorlage diesmal leicht abgeändert. Aus dem versehentlichen jungen Finder der Krone wird hier ein von relativer Armut gepeinigter Hobbyarchäologe (es sind die 30er Jahre), der sich seinen (Alp-)Traum erfüllt. Auch sind die Erzähler, zwei Gäste, gestrichen, dafür greift man auf den Archivar Mr. Black aus „Barchester“ zurück, der im letzten Drittel plötzlich als malender Gast und Zeuge des Geschehens auftritt.
Die unheimlichen Effekte basieren zumeist an der Auslassung derselben, der Zuschauer muss den Szenen selbst ihre Bedeutung zuweisen. So ist dann auch die größte Schwäche der „Gegner“ oder „Verfolger“ an sich. Während in der Geschichte stets nur von einer „Figur“ gesprochen wird, die man in einiger Ferne oder relativer Nähe ausmachen kann, hat man es hier in einem Zusatzprolog gleich mit einem, sehr menschlichen, Wächter zu tun, der zur Zeit der Haupthandlung dann schon verstorben ist – was ihn nicht daran hindert, als Schemen oder undeutliche Figur stetig hinter dem Protagonisten her zu sein.
Leider funktioniert das nur bedingt, denn weder hilft es der Atmosphäre, uns den „Wächter“ zu Beginn vorzuführen (er wirkt eher wie ein mörderischer Dorfdepp), noch ist es produktiv, den „Verfolger“ später überdeutlich als diese Person identifizierbar zu machen. Eine mysteriöse oder einfach nur unbekannte dunkle Figur hätte da vielleicht Besseres geleistet.
Zwar etwas umständlich erzählt, ist jedoch auch diese Adaption von zeitloser Güte und bringt die eigentlichen Qualitäten, nämlich die der unheimlichen Verfolgung, bestens zum Tragen. (7/10)