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„Lost Hearts“, die dritte „Ghost Story for Christmas“ der BBC kam Weihnachten 1973 heraus und kann von sich behaupten, vielleicht nicht die beste Verfilmung einer Geschichte von MR James zu sein, aber diejenige, die eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen schlaflose Nächte beschert hat (Bitte die Erwartungen mäßigen, wir befinden uns 1973 und Splatterfilme waren damals kein Allgemeingut!).

Mit nur 35 Minuten ein ganzes Stück kürzer als die ersten beiden Filme, profitiert „Lost Hearts“ von seiner relativ straffen und viktorianish-typischen Konstruktion.
Im Mittelpunkt steht ein 11jähriger Junge, der auf dem Lande bei seinem sehr viel älteren Cousin Mr. Abney leben soll, der vor allem von seinem Alter und seinem Geburtstag (Halloween) schwer begeistert ist. Schon bald ist zu vernehmen, dass es schon zweimal Kinder in diesem Haus gegeben hat, einen italienischen Jungen namens Giovanni und ein Zigeunermädchen, die jedoch beide davon gelaufen sind. Oder auch nicht, denn Protagonist Stephen hat schon bald geisterhafte Erscheinungen.

Der Verlauf der Story ist schon bald recht durchschaubar, kann aber praktisch permanent durch die Auftritte der Geisterkinder punkten, die an verschiedenen Stellen der Handlung immer wieder innerhalb und außerhalb des Hauses auftauchen, was vom Hauskameramann wieder mit atmosphärisch eindrucksvollen Bildern eingefangen wurde.

Was die Langzeitwirkung ausmachte, ist jedoch das Make-Up der Geister. Hier gibt es keine bleichen Kinderlein in weißen Gewändern, sondern komplett grünlich geschminkte Leichenerscheinungen mit krallenartigen Fingernägeln und einem undefinierbar seligen Gesichtsausdruck – wenn man mal davon absieht, dass ihnen das Herz aus der Brust geschnitten wurde. Und eben diese Wunde zu präsentieren, kommt für die sonst züchtige BBC wie ein Schock, was dann im Finale auch die entsprechende Wirkung zeigt.
Dazu kommt das Leiermotiv des Geisterjungen, welches wirklich irgendwann die gesamte Nervenklaviatur anspricht.

Leicht spaßmindernd wirkt sich aus, dass Simon Gipps-Kent als Stephen eher dröge daher kommt (oder eben wie ein braver Schüler) und Joseph O’Conor ein wenig zu sehr den zauseligen Onkeltyp spielt – da hätte ich mir einen komplexer wirkenden Charakter gewünscht.
Dennoch ist „Lost Hearts“ auch wieder eine gelungene Adaption, wobei man diesmal an der Vorlage praktisch nicht gerührt hat. (7,5/10)

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