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Mit „The Ash Tree“, der fünften MR James-Verfilmung der BBC endeten die Adaptionen des Autors 1975 zumindest für die klassische Serie.
Leider handelt es sich beim dem „Eschenbaum“ – obwohl es eine der stärkeren und beliebteren Stories ist – um die schwächste Verfilmung der fünf, obwohl im Wesentlichen alle Teile der Originalgeschichte in der TV-Version enthalten sind.

Die Geschichte, die im 17.Jahrhundert beginnt, überspannt mehrere Generationen einer Familie, die in einem britischen Herrenhaus logiert, in dessen Nähe zufällig ein sehr alter Eschenbaum steht, dessen Zweige bis an das Fenster eines bestimmten Raumes reichen.
Während die Vorlage sich chronogisch entwickelt, also folgerichtig erzählt, wie Sir Matthew Fell eine Frau namens Mothersole der Hexerei bezichtigte, diese dafür hingerichtet wurde, nicht ohne ihren Ankläger vorher noch zu verfluchen. Alsbald findet sich Sir Matthew dann auch tot, mit schwärzlichem Gesicht und zahlreichen Bisswunden im Gesicht in seinem Bett.
Nach einem Intermezzo mit einem Hausgast wird die Geschichte dann mit Sir Richard Fell fast ein Jahrhundert später fortgesetzt, woraufhin sich die Geschichte zu wiederholen beginnt.

Genau deswegen, weil sich die Handlungsstränge als nahezu deckungsgleich – und für aufmerksame Leser/Zuschauer als ziemlich durchsichtig – erweisen könnten, hatten die Autoren die Story nun als eine Art ineinander überfließende Parallelmontage adaptiert.
Sir Richard und Sir Matthew werden – nur durch minimale Kostümänderungen erkennbar – mit Edward Petherbridge durch den gleichen Schauspieler dargestellt und das führt leider bei dem sehr sachlichen und irgendwie betäubt wirkenden Inszenierungsstil ziemlich verwirrend. Eine etwas emotionale Inszenierung hätte den Film retten können, aber Petherbrigde muss leider theatersteif seine Texte deklamieren und sonst ist weit und breit niemand in der Handlung, mit dem sich das Publikum identifizieren könnte. Als Ergebnis lässt der Film so sein Publikum kalt…

…bis auf die letzten fünf Minuten, wenn er mit den „Besuchern“ in die Vollen geht, die ebenfalls unter den Zuschauer für alptraumhafte Nachwirkungen gesorgt haben könnten. Auch das Schlussbild des Films, welches dem Finale der Story entspricht, ist gleich geblieben und sorgt für einen netten „hair raiser“ beim eher harmlosen Publikum.

Dennoch hinterlässt „The Ash Tree“ einen schalen Beigeschmack und liest sich definitiv besser als Geschichte.
So endeten dann auch vorerst die James’schen Adaptionen, weil eben viele Geschichten nur einen Protagonisten beinhalten (und so eine Variante von „A Warning to…“ wären), scheinbar unverfilmbar wegen ihrer Statik sind (wie der „Kupferstich“ oder das „Puppenhaus“, wobei ich letzteres für adaptierbar halte) oder weil Kinder zu schaden kommen (dabei wäre „Wailing Well“ hervorragendes Adaptionsmaterial). Zumindest „An Episode of Cathedral History“ wäre noch eine schöne Vorlage gewesen, doch man wandte sich für 1976 einem anderen großen Autor zu: Charles Dickens und seinem unsterblichen „The Signalman/Die Warnung“. (5,5/10)

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