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1977 ging schließlich innerhalb der locker verbundenen BBC-Reihe „A Ghost Story for Christmas“ auch die Zeit der literarischen Adaptionen langsam zuende. Ob sich nichts Passendes mehr anbot (was ich nicht glaube) oder ob die Reihe inzwischen mehr geduldet als geschätzt wurde, ist nicht ganz klar, auf jeden Fall wurde „Stigma“ an Weihnachten zum Schwanengesang für Abonnement-Regisseur Lawrence Gordon Clark. Erstmalig gab es keine literarische Vorlage, sondern einen Originalstoff, der weniger dem Grusel als vielmehr dem Horror zuzurechnen war – und erstmals spielte die Handlung in der relativen Jetztzeit.

Die Story – die wirklich auf einen Bierfilz passt – beschreibt die Folgen des Versuchs, einen megalithischen Stein (die Handlung spielt in Avesbury, einem DER Flecken in England für Steinkreise) aus seinem Vorgarten zu entfernen, welcher aber offenbar als Grabstein für eine vor Jahrhunderten hingerichtete Hexe gedient hat. Deren Fluch (?) fährt in die gute Hausfrau, die fortan an unkontrollierten Blutungen aus dem Rippenbogen neigt, den titelgebenden Stigmata.

Und ja, das war es dann auch schon. Ein geisterhafter Wind fährt aus dem Grab, die Bilder wackeln, die eine Wand kriegt einen Riss, in der Nacht macht sich das Gemüse in der Küche selbstständig, während die wackere Hausfrau dahin blutet, weil sie das Phänomen vor ihrer Tochter und ihrem Mann lieber versteckt.

Was wirklich vorgeht, bleibt ungeklärt, nicht zuletzt das rätselhafte Schlussbild, aber während die Rettungsaktion läuft und parallel zwei recht findige Bauarbeiter im Hexengrab auf Lösungssuche gehen, dreht der Film plötzlich auf eine höhere Dramaschlagzahl, wirkt aber dennoch nur unausgereift und fragmentarisch.
Es ist zwar schon beklemmend, wenn Kate Binchy zunehmend panisch das aus ihr sickernde Blut entfernt (inclusive Oben-ohne-Shot, was schon recht beeindruckend für Weihnachten gewesen sein dürfte), aber die mangelnd präsentierten Zusammenhänge und die fehlenden Identifikationsfiguren (Hausfrau Katherine verwandelt sich zunehmend in einen etwas abwesenden vor sich hin brummelnden Schlafwandler) können einem die recht ordentliche Atmo schon ein wenig verleiden.

Pluspunkte gibt es für das Set und einige bestürzende Bilder, doch der Gesamteindruck und vor allem das Ende sind doch recht enttäuschend wirr und ohne folgerichtige Pointe – denn während bei James Neugier und/oder Gier der Auslöser für eine Riposte aus dem Totenreich waren, stellt Katherine hier nur ein zufälliges Opfer da, weil sie in dem falschen Moment den Tee in den Garten gebracht hat. So fehlt der Story die Rechtfertigung und sie könnte auch einer „X-Factor“-Folge entstammen.
Sehenswert bleibt sie innerhalb der Reihe aber dennoch. (6/10)

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