"Wenn du von der Bühne fällst: Beine gestreckt, Brüste voraus!"
Seit einer Ewigkeit träumt Ali (Christina Aguilera) davon, Sängerin zu werden. Da sie in ihrem Leben als Kellnerin in einer Kleinstadt kein Weiterkommen sieht, begibt sie sich in die Metropole Los Angeles. Die Suche nach einem passendem Job stellt sich für sie jedoch als schwierig heraus. Auf ihrer Suche wird sie auf das Revuetheater Burlesque aufmerksam. Die Show der Tänzerinnen beeindruckt sie so sehr, dass sie sich um einen Job in dem Etablissement bemüht. Barkeeper und Musiker Jack (Cam Gigandet) verweist sie auf die Besitzerin Tess (Cher), deren Sorgen die weitere Finanzierung des Revuetheaters ist. Zunächst erhält Ali nur ein Angebot als Kellnerin. Obwohl dies nicht ihr innigster Wunsch ist sagt sie zu und lernt während ihrer Tätigkeit sämtliche vorgeführten Tänze, die auf der Bühne stattfinden. Ein Einbruch in ihrer Wohnung veranlasst Ali zu Jack zu ziehen, der zwar verlobt ist, jedoch mangels Zuneigung immer mehr Interesse an Ali findet.
Als die unzuverlässige Tänzerin Nikki (Kristen Bell) angetrunken zur Aufführung erscheint, bekommt Ali Gelegenheit ihr Talent als Tänzerin zu beweisen. Sie setzt sich durch und erhält auch weiterhin Gelegenheit auf der Bühne zu stehen. Während sich die finanzielle Lage des Revuetheaters etwas bessert wird der Unternehmer Marcus (Eric Dane) auf Ali aufmerksam, der bereits seit längerem der Besitzerin Tess ein abgelehntes Angebot zum Kauf von Burlesque am laufen hat.
"Burlesque" erzählt die übliche Geschichte um den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Ein bildschönes und talentiertes Mädchen wagt den Schritt, zieht von der Kleinstadt in die Großstadt, um dort ihren persönlichen Traum vom singen und tanzen zu verwirklichen. Man könnte denken, dass diese Geschichte mittlerweile so abgegriffen ist, dass sie ein breites Publikum nicht mehr trifft. Der aber in allen Menschen fest verankerte Traum von Selbstverwirklichung und Erfolg ist zeitlos und Bedarf nur einer entsprechenden Präsentation um einzuschlagen.
Die Handlung beinhaltet selbstverständlich alle Etappen und Facetten, welche zu einem klassischen Hollywood-Aufstiegsmärchen gehören. Angefangen bei der Ankunft des Kleinstadtmädchens in der Metropole geht es über zum vergebenen Prinzen. Der Aufstieg zum Star ist ebenso zum greifen nah und das Happy End vorprogrammiert, sobald die wichtigen und wahren Werte erkannt werden.
Obwohl das Handlungskonstrukt, so wie es sich auch schon ließt, glatt und etwas zu perfekt geraten ist, funktioniert "Burlesque" auf seine Art. Der Grund findet sich in den starken Persönlichkeiten und dem abgehobenen Stil, der nach unzähligen Hip-Hop- und Balett-Tanzfilmen geradezu frisch und abwechslungsreich erscheint.
Der Musical und Revuefilm lässt sich am besten mit "Moulin Rouge" vergleichen. Auch hier waren Kostüme und Bühnenaufbau im kunterbunten Glitzerlook zu bestaunen, ebenso die frivole Atmosphäre. "Burlesque" nimmt sich seinem Thema ernsthaft an und zeigt keine nackten Tatsachen, sondern eine seriöse Form von Erotik, pointiert daneben aber auch überaus geschickt eine gewisse Leichtigkeit und etwas Humor.
Überraschend ist die Auswahl an Songs ausgefallen. Statt einem erwarteten poppigen Soundtrack gibt es eine überwiegende Auswahl aus Blues, Gospel und Jazz auf die Ohren, die durch eine immens kräftige Stimme von Christina Aguilera gezeichnet ist.
Ohnehin ist der Eintritt von Aguilera in die schauspielerische Welt äußerst gelungen ausgefallen. Ihr Gesangs- und Tanztalent steht zwar weitgehend im Vordergrund, aber auch neben diesen Szenen kann sie überzeugen. Neben ihr blüht Medienikone Cher ("Meerjungfrauen küssen besser") nach längerer Abstinenz neu auf und strahlt wie zu ihren besten Zeiten.
Herausragende darstellerische Leistungen sind nicht zu entdecken. Zumindest haben nun aber Cam Gigandet ("The Experiment") sowie Kristen Bell ("Scream 4") ihre etwas anspruchsvolleren Figuren soweit ausgenutzt, um nach eindimensionalen Rollen wieder ein wenig mehr Schauspielkunst zu belegen.
"Burlesque" funktioniert trotz einfallsloser und zu glatt verlaufender Handlung. Vielleicht gerade dadurch, denn viele Filme im Musik- und Tanz-Genre verstricken sich gern in konstruierten Problemen und zu erwarteten Lösungsideen. Der hierige Musical-Film stellt seine Glamour- und Glitzerwelt in den Vordergrund. Mit Höhen und Tiefen wie man sie kennt, sowie einer prickelnd erotischen, besinnlichen aber auch melancholischen und humorvollen Komponente. Besondere Höhepunkte sind die starken Persönlichkeiten sowie die knallbunten Bühnenshows. Und diese sind zahlreich.
8 / 10