Philip K.Dick muß es mal wieder ausbaden.
Wenn man sich über die Jahre so betrachtet, wie der früh verstorbene Autor für Hollywoods SF-Maschinerie immer wieder benutzt, ausgebeutet oder verfremdet wird, dann hat er vielleicht doch gut daran getan, noch vor der Premiere von "Blade Runner" diese Welt zu verlassen. So hat er nicht mehr die Umsetzungen seiner Werke wie "Next", "Paycheck" oder "Minority Report" miterleben müssen, die letztendlich stets nur Ideen, Plotanteile, Handlungswendungen oder inhaltliche Kontroversen in sonst eher gewöhnliche oder überschaubare Star-Plots einarbeitete.
Wer also SF-Purist sein will, der wird mit "Der Plan" sicherlich auch nicht glücklich werden, denn die Idee der zugrunde liegenden Kurzgeschichte, nämlich daß es ein "Korrekturteam" gibt, das gemäß eines universellen Plans die Geschicke auf unserem Planeten lenkt, wurde zwar übernommen, aber dann in eine geradezu klassische Filmromanze eingefügt, bei der sich die Protagonisten entscheiden müssen, ob es für sie und ihr Leben besser ist, das persönliche Glück gemeinsam zu finden oder sich voneinander fernzuhalten, um mittels einer herausragenden Karriere Zufriedenheit zu erlangen.
Der SF-Faktor bleibt also, wenn auch nicht nur Nebensache, dann aber eher doch der ironisch-philosophisch-dramatische Unterbau für eine Allerweltsgeschichte, die allerdings schnörkellos und in selten ausgebremsten Tempo voranschreitet, während die Protagonisten wie die Zuschauer auf der Jagd nach den Wahrheiten und Tatsachen sind, die die Existenz des Einzelnen beeinflußen.
Dabei ist erfreut festzustellen, daß in diesem Fall keine Schwarz-Weiß-Zeichnungen, kein klassisches Gut-Böse-Schema, keine finsteren Aliens die Geschicke der Menschheit lenken. Stattdessen werden die leicht fremdartigen Kontrolleure wie die Beamten einer Behörde bzw. einer sehr bürokratisch organisierten und durchstrukturierten Firma dargestellt, die ihren Job durchaus karriereorientiert sehen und aufgrund der Komplexität, die Realität zugunsten des "Plans" zu beeinflußen, auch ganz schön unter Stress stehen.
Für religiöse Menschen sicherlich nicht einfach zu verknusen ist, daß die "Büromitarbeiter" dabei eine Variante der biblischen Engel darstellt, die für einen "Vorsitzenden" arbeiten, aber genau die bürokratische Umsetzungen der Hierarchien macht im Film den meisten Spaß, wenn die Verfolger nicht gerade mittels ihrer multidimensionalen Türen, die sich überall in der Stadt befinden die Laufwege durch die Realität abkürzen.
Die andere Hälfte des Plots gehört der schwierigen Liebesgeschichte zwischen dem angehenden Jungpolitiker David Norris, der in seiner finstersten (Wahlniederlagen-)Stunde plötzlich durch eine namenlose Bekanntschaft neuen Mut und Inspiration verspürt. Dumm nur, daß er sich sofort in die hübsche Frau verguckt und sie dann durch Zufall, bzw. durch ein Versehen eines ermüdeten "Plan"-Arbeiters im Bus wiedertrifft. Den nun folgenden amourösen Entwicklungsprozess wollen die "Behördenvertreter" unbedingt aufhalten und stellen David eben vor das o.e. Dilemma, daß es für beide das Beste wäre, wenn sie eben nicht ihr Leben miteinander teilen würden.
Mehr über die sich über mehrere Jahre erstreckende Geschichte zu verraten, hieße, den Spaß am Film zu nehmen, denn wo SF noch immer eine überwiegend männliche Domäne im Kino ist, bietet "The Adjustment Bureau" endlich auch der weiblichen Zuschauerschaft Anknüpfpunkte und erledigt das in Sachen "integrierte Romanze in SF-Milieu" wesentlich befriedigender und ausgewogener als etwa "The Time Travelers Wife" oder "Kate & Leopold".
Zwar ist Emily Blunt mit ihrer direkten, fast barsch charmanten Art nicht eben ein leicht zu schluckender Brocken für Kitschverwöhnte und bisweilen scheinen sie und der eher kontrollierte Matt Damon nur schwerlich Chemie zueinander zu entwickeln, doch dann spürt man in den Dialogen doch das eher untypische vorsichtige Herantasten, das schlußendlich überzeugender wirkt, als geschliffene Schmachtdialoge.
Es gibt jedoch auch gewisse Schwächen, die nicht unerwähnt bleiben sollten: da wäre zum Einen die übermäßige Erklärungswut bzw. die stete Notwendigkeit, die Handlungen der "Planmitarbeiter" zu erläutern. Ständig muß nachgefaßt werden, erweitert, um die Hintergründe speziell dieser Menschenpaarung plausibel zu machen und das führt wiederum auf der Schlußgeraden dazu, daß mangels eines echten "Gegners" man auf eine eher biedere (allerdings raffiniert getrickste) Verfolgungsjagd verfällt, die zum Schluß dann gegenüber den vielen Enthüllungen des Restfilms kaum noch eine echte Pointe liefert, sondern eher in Folgerichtigkeit erstarrt, wenn auch mit positivem Ausgang. Es bleibt der Nachgeschmack, daß man sich am Ende nicht allzuviel getraut hat (tatsächlich wurde der Schluß nachgedreht), aber bis dato vermag "Der Plan" überraschend gut zu unterhalten, weil er seine Dramatik immer wieder mit einem Schuß Humor zu würzen versteht und die stete Enthüllung immer neuer und weitreichender Hintergründe den Zuschauer bei der Stange hält, auch wenn gegen Ende dann doch die Konvention siegt.
Den sonst unvermeidlichen Schmalz und ähnliche, fast schon ärgerliche SF-Konventionen in Richtung Paranoia und Realitätsverzerrung vermeidet man hier übrigens dankbarerweise und präsentiert alles in allem einen erfrischenden Film, dessen Grundbotschaft publikumsaffin sein dürfte und der mit selbstironischer Distanz die Gefühlslage stets in der Waage hält.
Das allein reicht für Dick-Fanatiker natürlich nicht aus, aber alles in allem gibt es schlechtere Konzepte, in die man seine Ideen eingebracht hat. Abgesehen vom depperten deutschen Titel ein altmodischer Hingucker, den man typischen Genreprodukten vielleicht vorziehen sollte. (7/10)