Filme die sich nicht eindeutig in ein bestimmtes Schema pressen lassen, haben es für gewöhnlich recht schwer beim zahlenden Publikum. Der durchschnittliche Kinogänger will beispielsweise entweder eine Romanze, oder einen Thriller, oder einen Science Fiction-Film sehen, aber nicht eine Mischform dieser drei Gattungen. Verschärft wird diese Problematik noch durch die unvermeidlichen Kinotrailer, die häufig eines der Elemente herausstellen und so falsche Erwartungen wecken, die nur zu Enttäuschungen führen können. The Adjustment Bureau ist ein solcher Fall.
Hauptdarsteller Matt Damon - der breiten Masse hauptsächlich als unter Amnesie leidender Profikiller bekannt -, wird, die vermeintlich größte Zielgruppe anvisierend, als flüchtender Actionheld präsentiert, der es in einem undurchsichtigen Fantasy-Szenario mit einer ganzen Heerschar an finsteren Anzugsträgern zu tun bekommt. Wer jetzt allerdings einen SciFi-Bourne erhofft, dürfte wenig Freude beim Kinobesuch haben. Im Gegenteil. Die Actionanteile sind eher gering, die Inszenierung ist betont ruhig und übersichtlich. Im Vergleich zur pulsierenden modern-hektischen Bourne-Trilogie wirkt der Film beinahe aufreizend altmodisch und gemächlich, was hier keineswegs negativ zu deuten ist. Der Plan ( so der deutsche Verleihtitel) zieht gerade durch sein entspanntes Erzähltempo und seine ruhige Kameraführung langsam, aber unaufhörlich in seinen Bann und lässt die zugegeben etwas simple Wohlfühlbotschaft voll zur Entfaltung kommen.
Zunächst beobachten wir den aufstrebenden New Yorker Jungpolitiker David Norris (Matt Damon), wie auf der Zielgeraden den sicher geglaubte Wahlsieg durch eine Unbeherrschtheit verspielt. Die flüchtige Bekanntschaft mit der geheimnisvollen Elise (Emily Blunt) inspiriert ihn am Wahlabend zu einer völlig unorthodoxen Ansprache - er gibt vor laufender Kamera Details zu diversen Wahlkampftricks zum Besten - vor seinen Anhängern, die beinahe Übernacht seine Abgestürzte Popularitätskurve wieder steil ansteigen lässt und ihn zur neuerlichen Kandidatur für den US-Senat motiviert.
Als er Elise zufällig im Bus wieder trifft und sich eine heftige Romanze anbahnt, erscheinen plötzlich die mysteriösen Männer des Adjustment Bureau auf der Bildfläche. Sie vertreten eine Behörde, die dafür sorgt, dass die Menschen gewissermaßen in der Spur bleiben, da für jeden ein vorgezeichneter Plan existiert, den es strikt einzuhalten gilt. Und eine Beziehung wischen David und Elise ist ganz und gar außerplanmäßig.
Sie zwingen Norris seine einzige Verbindung (eine Telefonnummer auf einem Zettel) zu Elise zu vernichten und drohen mit einem „Reset", einer Art Neuprogrammierung seines Gehirns, falls er weiterhin versuchen sollte die Geliebte aufzuspüren. Als sich die beiden nach einiger Zeit ein weiteres Mal zufällig begegnen, schickt das Bureau seinen besten Mann, um die Einhaltung des Plans mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu gewährleisten ...
Die Idee, dass das Schicksal der Menschen von einer ominösen Behörde gelenkt und überwacht wird, beruht auf einer Kurzgeschichte des Science-Fiction-Autors Philip K. Dick, der es Anfang der 1980er Jahre durch die Leinwandadaption seines Romans „Blade Runner" posthum zu einiger Berühmtheit brachte und seitdem gerne und häufig von Hollywood als „Inspirationsquelle" für diverse Science-Fiction-Stoffe benutzt wird (u.a. Total Recall, Minority Report).
Die Novelle „Adjustment Team" stammt aus den 1950er Jahren und ist hauptsächlich vor dem Hintergrund der damaligen Kommunismus-Paranoia zu lesen, als US-Senator McCarthy das Land durch seinen Verfolgungswahn in einen dauerhaften Angstzustand versetzte. Aber auch mehr als 50 Jahre später im Zeitalter der Globalisierung und Beinahe-Monopolisierung ganzer Wirtschaftszweige hat die Angst vor Fremdbestimmung und Manipulation durchaus noch bzw. wieder Relevanz.
Regisseur und Drehbuchautor George Nolfi versteht es geschickt, diese Thematik in ein Thrillergewand zu kleiden, das an das Spannungskino der 50er und 60er Jahre erinnert, ohne dabei altbacken oder angestaubt zu wirken. Das gewohnt zurückhaltende Spiel Matt Damons - dem Nolfi bereits Das Bourne Ultimatum auf den Leib schrieb - passt dabei exakt zum unaufgeregten Erzählduktus. Die forsche und direkte Britin Emily Blunt agiert ebenfalls etwas herb, womit die beiden sich nicht in das Schema der üblichen zuckergussüberzogenen Hollywood-Romanzen pressen lassen. Dass die Chemie zwischen den beiden stimmt, liegt vor allem an den pointiert ausgearbeiteten Dialogen, die zwischen erotischer Spannung, ironischen Frotzeleien und tief gehenden Gefühlen schwanken, was ihrer Beziehung letztlich ein Maß an Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit verschafft, das vielen Filmpaaren abgeht.
Nolfi widerstand glücklicherweise der Versuchung die Liebesbeziehung durch überbordende Effekte zuzukleistern. Trotz seines nicht unerheblichen Fantasyanteils - die Planwächter können in Sekundenschnelle durch bestimmte Türen in ganz Manhattan umherspringen und falls nötig die Zeit anhalten - haben die Special Effects lediglich unterstützende Funktion und stehen nie im Vordergrund.
Wie in zahlreichen anderen Filmen in denen das Raum-Zeit-Kontinuum außer Kraft gesetzt werden kann, weist auch Der Plan ein paar ordentliche Logiklöcher auf. Wer sich daran stört, kann das Gesehene auch schnell als verschwurbelte Mystery-Romanze abtun, lässt sich damit dann aber auch einen der gelungensten und ausgereiftesten Genremixe der letzten Jahre entgehen.
Gut, die involvierten Botschaften von der Kraft der Liebe und des freien Willens mögen nicht sonderlich komplex oder tiefgründig sein, kommen aber in der hier angebotenen Verpackung erfreulich unkitschig und unpathetisch daher. Abgeklärte und Science-Fiction-affine Romantiker können hier durchaus mal einen Blick riskieren.
(7,5/10 Punkten)